derStandard.at-Interview

"Nur wichtig, dass die Wahlmöglichkeit bleibt"

16. Oktober 2009, 14:11
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    foto: standard/corn

    "Naja, wir sind ja eine pluralistische Partei. Da wird es möglich sein, dass es unterschiedliche Positionen gibt", so der ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon zu den unterschiedlichen Meinung zu Bildungsfragen innerhalb seiner Partei. 

ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon sieht keine Überraschung in der Positionierung seiner Partei bei der Ganztagsschulfrage

Der Bildungssprecher der ÖVP, Werner Amon, sieht in dem Eintreten seiner Partei für einen Ausbau der Ganztagsschule keine "dramatische" Veränderung, sondern eine Verschiebung in der Begrifflichkeit. Eltern sollen vor allem die Wahlmöglichkeit haben, ob ihre Kinder den halben oder den ganzen Tag in der Schule gehen. So "pluralistisch" er seine Partei sieht, so nah ist seine Position an den Lehrervertretern bei der Finanzierung: "Wenn man die Betreuung weiter ausbaut, wird das nicht ohne Kostenbeteiligung gehen", so Amon im Gespräch mit derStandard.at. Die Fragen stellte Sebastian Pumberger

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derStandard.at: In den letzten Tagen gab es immer mehr Stimmen aus der Volkspartei, die forderten, den Ganztagsschulbetrieb auszubauen. Eine Parole der ÖVP war einst „Ganztagsschule = Zwangstagsschule". Wie beurteilen sie diesen Wandel?

Amon: Ich sehe das nicht dramatisch. Abgesehen davon, dass sich in der Begrifflichkeit etwas geändert hat, ist das nicht die große Überraschung. Wir waren immer sehr massiv für einen Ausbau der Nachmittagsbetreuung überall dort, wo eine solche Betreuung auch notwendig erscheint. Was unser Problem war und nach wie vor ist, ist dass man ohne Wahlmöglichkeit Eltern wie Kinder dazu verpflichtet auch am Nachmittag in die Schule gehen zu müssen.

derStandard.at: Die SPÖ und Grüne verstehen darunter auch, den Unterricht auf den ganzen Tag zu verteilen und dazwischen Kreativ- und Ruhe-Phasen einzuführen. Findet nach ihrem Modell am Vormittag der Unterricht und am Nachmittag die Betreuung statt?

Amon: Es kann das andere auch geben. Uns ist nur wichtig, dass die Wahlmöglichkeit bei den Eltern bleibt. Wenn ich an einem Standort verschränkten Unterricht in den Nachmittag hinein anbiete, dann soll es gleichzeitig eine Variante geben, bei der die Kinder am Nachmittag zuhause sein können. Wir wollen die freie Wahl ins Zentrum rücken, gleichzeitig aber alle Formen zulassen.

derStandard.at: Von Seiten der Lehrervertreter geht ein Ganztagsschulbetrieb einher mit der Forderung nach mehr Personal und der Angst nach Mehrarbeit. Sind diese Forderungen realistisch?

Amon: Von Seiten der Lehrervertretung ist das absolut legitim, das ist auch die Aufgabe der Lehrervertretung. Ich bleibe dabei: Alle dienstrechtlichen Fragen müssen auch sozialpartnerschaftlich geregelt werden.

derStandard.at: ÖVP-Generalsekretär Kaltenegger stellte klar, das ein Ausbau der Betreuungszeit auch einher gehen muss mit einer veränderten Lehrer-Anwesenheitszeit in der Schule.

Amon: Das ist eine dienstrechtliche Frage, wer die Betreuung übernimmt. Bei jenen Schulformen, in denen ich bis in den Nachmittag hinein Unterricht habe, sind es ohnehin jetzt schon die Lehrer. Wenn man die Betreuung weiter ausbaut, wird das nicht ohne Kostenbeteiligung gehen. Wer die Betreuung übernimmt - ob das Lehrerinnen und Lehrer sind oder ob das Junglehrer sind, die sagen ich gehe nach der Uni in die Nachmittagsbetreuung - das kann man offen gestalten.

derStandard.at: Eine Möglichkeit, die diskutiert wird, ist die bezahlte Nachmittagsbetreuung. Wie sehen sie so ein Beteiligungskonzept der Eltern?

Amon: Ich glaube, das ist sinnvoll und legitim. Wenn die Eltern eine Nachmittagsbetreuung in Anspruch nehmen, dann sollen sie dafür - wie auch in Finnland, das ja immer wieder als Musterbeispiel in der Bildungspolitik genannt wird - einen Beitrag leisten. Man kann sich da alles überlegen: Soziale Staffelung bis hin zur Befreiung wenn soziale Gründe dafürsprechen. Vom Grundprinzip her sollte man das nicht gratis anbieten.

derStandard.at: Aber es gibt auch Stimmen innerhalb der ÖVP, die sagen: "Ja eine Mehrarbeit ist möglich" und Gewerkschaftsvertreter innerhalb der ÖVP, die das ablehnen.

Amon: Naja, wir sind ja eine pluralistische Partei. Da wird es möglich sein, dass es unterschiedliche Positionen gibt. Es kann nicht so sein, dass wir in allen Fragen die Sozialpartnerschaft hochhalten, nur im öffentlichen Bereich gilt sie nicht. Das ist auch aus einem weiteren Grund wichtig: Würden wir bei Privatangestellten das Arbeitszeitgesetz ändern, dann hätte das zunächst überhaupt keine Auswirkung. Es müsste alles erst in den Kollektivverträgen nachvollzogen werden, andernfalls gilt es nicht. Im öffentlichen Dienst gibt es aber keinen Kollektivvertrag, da gibt es nur ein Gesetz, das Dienstrecht. Daher ist es notwendig, dass die Sozialpartner eine Einigung herstellen, die wir dann als Parlament in guter sozialpartnerschaftlicher Tradition nachvollziehen. Ich bin optimistisch, dass es auf beiden Seiten den Willen gibt etwas zu verändern.

derStandard.at: Der ÖVP wird in der Bildungspolitik ein Blockierer-Image nachgesagt. Woher kommt der scheinbare neue Schwung?

Amon: Das Blockierer-Image ist eine Kampagnisierung. Ich kann das nicht nachvollziehen. Weil genauso, wie unsere Position eines differenzierten Bildungswesens mit vielen Wahlfreiheiten eine ist, die uns wichtig ist, so ist die Position der SPÖ, für eine Gesamtschule einzutreten, eine andere. In dieser Frage zu sagen, dass der eine ein Blockierer sei und der andere nicht, ist etwas zu einfach und billig. Ich bin in dieser Frage kein Ideologe, weil ich der Überzeugung bin, dass man in beiden Varianten ein exzellentes Bildungssystem entwickeln kann, man kann aber in beiden Varianten durchaus einen Crash erleiden. So ist etwa das Hamburger-Modell der Gesamtschule gescheitert.

Wir haben im Ballungsraum Probleme mit dem differenzierten Bildungsmodell. Wir haben in gewissen Bereichen die Probleme deshalb, weil wir nicht nach Leistung, Interesse oder Begabung differenzieren, sondern nach sozialem Hintergrund, nach der Frage, wohne ich am Land oder in der Stadt. Ich glaube, man sollte versuchen ohne diese ideologischen Scheuklappen das Problem anzugehen und durchaus in einer parteienübergreifenden Arbeitsgruppe überlegen, wie wir die Ziele, die uns nicht trennen, möglichst gut erreichen können.

derStandard.at: Es wird von ÖVP-Seite immer wieder beklagt, Bildungsministerin Schmied mache eine Fülle von Einzelmaßnahmen und nicht den einen großen bildungspolitischen Wurf. Im Parlament werden aber Schritt für Schritt die Maßnahmen verhandelt. Steht das nicht in einem Widerspruch.

Amon: Ich glaube, dass man im Regierungsprogramm sehr schön sieht, was der Konsens ist und wohin wir in dieser Regierungsperiode wollen. Das soll man Punkt für Punkt abarbeiten. Entscheidend dabei ist, und dann gibt es auch keine Kritik, dass man das Regierungsprogramm abarbeitet und sich nicht außerhalb des Regierungsprogramms bewegt. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 16.10.2009)

 

Zur Person:

Werner Amon ist seit 1994 Nationalratsabgeordneter und war von 2003 bis 2009 Generalsekretär des ÖAAB. Amon ist Klubobmann-Stellvertreter der ÖVP und deren Bildungssprecher.

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Posting 1 bis 25 von 58
1 2
mountaineer
02
20.10.2009, 13:27

Wer "Amon" und "Bildung" in Verbindung bringt, kann genausogut Mahatma Gandhi mit Fettleibigkeit assoziieren.

mountaineer
00
20.10.2009, 13:25
Egal, welche Wahlalternativen wir haben, Hauptsache die Wahlmöglichkeit besteht - der dümmste Satz des Jahres 2009 - schon jetzt gekürt!

Dieser Satz ist symptomatisch für die momentane Lage der zweiten Republik: Egal, welche Wahlmöglichkeiten bestehen, Hauptsache ist, die Wahlmöglickeit besteht.
Ähnlich hat auch die SED (sozialistische einheitspartei ohne Wahlalternative, aber mit Wahlmöglichkeit - Oho!) argumentiert.
Warum fungieren immer gerade die Dümmsten als Orakel?

mountaineer
04
20.10.2009, 11:38

Es wird ohnehin immer bunter: Zuerst ein Zivi als Verteidigungsminister, dann eine Bildungsministerin ohne Ahnung vom Bildungssektor, zu guter Letzt ein abgehalfterter ÖVP-Politiker ohne Matura, der sich zum Bildungspolitiker aufschwingt.

Es ist ähnlich wie beim Fußballnationalteam: Mit dieser Aufstellung werden wir nicht Weltmeister werden.

mountaineer
00
20.10.2009, 11:30

Egal, wie schlecht unser Schulsystem wird, Hauptsache, die Wahlmöglichkeit (!) bleibt. Dann können sich die weniger reichen Eltern (90% der Ö.) zwischen kaputtgesparter Schule A und ausgehungerter Schule B entscheiden.

Max Kahlenberg
02
19.10.2009, 00:55
Amon und "Bildung"? Gute Nacht !

lehrer
05
17.10.2009, 16:59
katastrophaler typ

amon ist ein furchtbar unwissender, aber meldet sich ständig zu wort..selbst nicht gerade erfolgreicher schüler...gescheiterter maturant..und dann teuren MBA erworben...weil geld hat er ja....

Strpüpl Kotu
02
17.10.2009, 12:23
Wahlfreiheit...

.. gibt es nur dann, wenn es auch Optionen gibt, unter welchen man wählen kann. Wäre ja toll, wenn Amon in Sachen Volksschule erklärt, worin denn nun die Wahlmöglichkeit besteht.

VvL
11
17.10.2009, 11:57
Amon,

eine Ganztagsschule hätte auch Ihnen gut getan in Ihrer 'Bildungslaufbahn' ...

Plutocratie Gegner
32
17.10.2009, 11:15
Ganztagsschule - mehr Steuerzahler

Ganztagsschule - vollbeschäftigte Eltern - mehr Steuerzahler

Ganztagsschule - Aufbau der kollektiven Gesellschaft a la DDR

VvL
11
17.10.2009, 11:58
stimmt,

Skandinavien und Frankreich sind eindeutig kommunistisch ...

Irma la Douce
23
17.10.2009, 11:32
Was war denn so schlecht an der DDR? Der garantierte Platz im Kindergarten?

Plutocratie Gegner
00
17.10.2009, 18:28
Bildung oder Züchtung?

Die Sache ist, daß das Bildungsministerium läßt sich vom Finanzministerium anweisen. "Mehr Steuer" ist sicherlich die akute Not. Aber auf welchem Preis? Die Destabilisation der Familie? Immer mehr Prüfungs- u Leistungsorientierte Pflichtschülen, und sogar Kindergärten? Welche Persöhnlichkeiten für die Zukunftsträger erwarten wir?

Hamit_Hatemi
11
17.10.2009, 14:05
Grauslich

Da kann man ja gleich die NS-Familienpolitik auch glorifizieren.

Dante Alighieri
32
18.10.2009, 12:42

Dass das DDR-Bildungssystem deutlich besser und erfolgreicher als das der BRD war ist denke ich unbestritten. Man kann das also durchaus als Vorbild nehmen, auch dann wenn man die DDR als System vollkommen ablehnt.

GoodieGoodie
01
19.10.2009, 11:27

Ich denke nicht, dass man ein Schulsystem als besser beurteilen sollte, in dem freies Denken und Kritik nicht geduldet wurde und nach Ende der Schullaufbahn lauter systemtreue, kritiklose Jugendliche entlassen wurden.
Das war Gehirnwäsche, nicht Ausbildung.

Plutocratie Gegner
00
20.10.2009, 12:45

Ich stimme zu! Wie kann man die Schulsystem allein "bewerten" rücksichtslos auf Stasi, Vopo, Mauer, usw.? Die Alle waren ein "System".

Andererseits hat das Aufbauplan der Ganztagsschule auch viele Hintergründe worüber jeder von uns immer bewusst bleiben soll.

zusatzprotokoll
24
17.10.2009, 10:48

Amin bietet als Person Angriffsmöglichkeiten, keine Frage. Das wird von u.a. Poster/-innen reichlich ausgenützt.
Kann man bitte auch auf den Inhalt eingehen?
Die Wahlfreiheit zwischen den Systemen - auch an einem Schulstandort - muss einfach oberstes Gebot sein!

zusatzprotokoll
01
17.10.2009, 11:07

"Amon" natürlich, bevor sich Poster/-innen gierig darauf stürzen!

Neues Österreich
00
17.10.2009, 09:57
Wer käme schon auf die Idee

einen Widerspruch zwischen den momentanen Ereignissen und dem jahrzehntelangen Verhalten der ÖVP in der Bildungspolitik zu sehen? Das könnte doch nur jemand sein, der in den vielen Jahren in Österreich nicht anwesend war. Allerdings ist der Vorstoß einzelner Politiker der ÖVP auch mit Vorsicht zu genießen, denn hier haben die Freunde Neugebauers noch ein gewichtiges Wort mit zu reden. Das was hier der Kollege Amon mit seinem süffisanten Lächeln von sich gibt, ist in der ÖVP noch lange nicht der Weisheit letzter Schluß.

Neu Anfang
01
17.10.2009, 09:48
Amon

Was hat der noch vor kurzem über die Unterrichtsministerin "gepoltert"!

stausee1
43
17.10.2009, 09:21
Sg Hr Amon,

begreifen Sie endlich, dass es diese 'Wahlmöglichkeit' nicht gibt. Kein Kind sucht sich aus in die Dritte Leistungsgruppe einer Hauptschule zu gehen. Diese Entscheidung treffen 'Pädagogen' wie Sie. Und das ausschließlich aus Eigeninteresse - weil Ihr System auf nicht-qualifizierte Menschen angewiesen ist, die Ihnen das Klo putzen.

Dante Alighieri
01
18.10.2009, 12:43

Wahre Worte. Aber Wahlfreiheit bedeutet für die Konservativen stets nur dass es sich jene richten können die die Mittel haben. An die anderen denken solche Leute nicht.

Irma la Douce
05
17.10.2009, 11:34
Warum schimpfen Sie den Amon "Pädagoge"?


... eins der wenigen Dinge, die man ihm NICHT vorwerfen kann.

Sam Deer
 
02
19.10.2009, 05:56
Umgekehrt wird ein Schuh daraus

Wie kommen wir Pädagogen dazu, wenn behauptet wird Amon sei einer von uns.

Provinzlerin
03
17.10.2009, 09:40

Wenn ich das richtig sehe, bezieht sich die Wahlmöglichkeit, die Herr Amon hier anspricht, keineswegs auf Leistungsgruppen sondern auf den Schultypus - sprich Ganztag oder nicht.

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