Die Kinostarts der Woche

15. Oktober 2009, 16:44
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15. bis 22. Oktober

Vorangestellt, weil sie womöglich sonst übersehen werden könnte, sei eine mehrschichtig kompilierte Filmreihe About Africa - Afrika im Film - bis 21. Oktober im Filmhaus am Spittelberg in Wien. Christopf Schlingesiefs lang erwarteter "The African Twintowers" eröffnete, neben Klassikern wie Sembene Ousamens "Xala" oder Haile Gerimas "Ernte 3000 Jahre" laufen auch auch und vor allem aktuelle Produktionen. Etwa "Faro", eine 2007 in Mali entstandene Parabel über den Widerstreit zwischen Tradition und Moderne, oder, in einer kleinen Schwerpunktreihe, Filme aus dem Maghreb. Einen "Blick von außen" steuert das europäische Autorenkino bei: etwa durch Raymond Depardons Essayfilm "Afriques: Comment Ca Va Avec la Doleur?" ("Afrika: Was machen Deine Schmerzen?") oder, als aktuell und vieldiskutiertes Preview in Anwesenheit des Regisseurs, "Enjoy Poverty", ein sarkastisches Spiel mit Erwartungshaltungen und Klischees. Spezieller Hinweis auf die Nachtschiene, die sich dem Phänomen Nollywood widmet: ein nach dem Entstehungsort Nigeria benanntes "Genrekino", das mit billig produzierten "Reißern" nach Holly- und Bollywood mittlerweile zum weltweit drittgrößten Filmproduzenten geworden ist und westliche Sehgewohnheiten auf die Probe stellt - ein Kino "...from Africans for Africans" (Julien Enoka Ayemba). Alle Filme in OV mit dt./engl. Ut.
Detailliertes Programm unter  lichtblick.action.at

"Verblendung"
(Regie: Niels Arden Oplev, S 2009)
Ein Roman-Bestseller-Phänomen, erst in Skandinavien, dann weltweit; ein Kino-Blockbuster-Phänomen, vorerst daheim, nun auch bei uns überprüfbar: Harriet Vanger verschwindet spurlos während eines Familienfestes. Ihr Fall ist auch Jahrzehnte später ungeklärt. Mittlerweile 82 Jahre alt, lässt Henrik Vanger das Schicksal seiner Nichte keine Ruhe. So beauftragt er den Journalisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) mit einer aufwendigen Recherche zu dem mysteriösen Verschwinden. Gemeinsam mit der kompromisslosen Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace) taucht er immer tiefer in die dunkle Rassismus- und Frauenhass-Geschichte der Industriellenfamilie Vanger ein. Niels Arden Oplevs atemberaubender Thriller ist die Verfilmung des gleichnamigen ersten Romans der "Millennium-Trilogie" von dem verstorbenen schwedischen Autor Stieg Larsson.

"Away We Go - Auf nach Irgendwo"
(Regie: Sam Mendes, USA/GB 2009)
Mit einem Road-Movie hat Regisseur Sam Mendes nach seinem der Oscar-Erfolg mit "Zeiten des Aufruhrs" eine kleinere, bittersüße Komödie mit Kultpotenzial geschaffen: Burt und Verona sind um die 30 und lieben ihr Vagabundendasein. Nachdem sie sich von dem Schock der überraschenden Schwangerschaft Veronas erholt haben, gehen sie generalstabsmäßig ans Werk. Sie suchen den besten Ort für ihre Familiengründung, einen Ort, an dem Freunde oder Verwandte sind, die ihnen helfen können. Und so machen sie sich quer durch Amerika auf die Suche, um ihre Familien auf deren Tauglichkeit zu testen. Mit: John Krasinski, Maya Rudolph, Carmen Ejogo, Catherine O'Hara, Jeff Daniels.

"Crossing Over"
(Regie: Wayne Kramer, USA 2009)
Engagiertes Kino, flüssig erzählt: Max Brogan ist Veteran der US-Einwanderungsbehörde und außerdem einer der wenigen, denen das Schicksal von Immigranten wirklich am Herzen liegt. Sein Mitleid für eine Mexikanerin, die ihren kleinen Sohn alleine in L.A. zurücklassen muss, wird ihm zum Verhängnis. Regisseur Wayne Kramer zeigt mit dem Drama von neutraler Warte aus, wie das komplexe System der Einbürgerung funktioniert und das sowohl aus der Perspektive der Gesetzesvertreter als auch aus der der Immigranten. Kramer ("The Cooler") ist bekannt dafür, aus eher stereotypen Storyfäden sehr differenzierte Geschichten zu stricken. Mit: Harrison Ford, Ray Liotta, Ashley Judd.

"Diese Nacht"
(Regie: Werner Schroeter, F/D/P 2008)
Im Vorjahr Tribute-Gast der Viennale, ist Werner Schroeter ein allegorischer, an klassischer Dichtkunst und Oper geschulter Regisseur, und auch einer dieser Nordländer mit einer speziellen Beziehung zum Süden. In opulenten Bildern entwirft Schroeter in "La nuit du chien" ein erschreckendes Szenario im Niemandsland zwischen Lieben und Tod: Ossorio, der Anführer einer fiktiven gescheiterten Widerstandsbewegung, kehrt auf der Suche nach seinen einstigen Freunden und seiner großen Liebe in die belagerte Stadt Santa Maria zurück. Doch nicht nur die Lage hat sich verändert, sondern auch seine ehemals Verbündeten: Während die Miliz die Stadt terrorisiert, versucht jeder nur seine eigene Haut zu retten. Es bleibt nur diese Nacht zur Flucht ... - ein Drama auf Basis des Buches "Para esta noche" (1943) von Juan Carlos Onetti. Mit: Pascal Greggory, Bruno Todeschini, Jean-Francois Stévenin, Marc Barbé, Amira Casar, Sami Frey.

"Eine von 8"
(Regie: Sabine Derflinger, Ö 2008)
Ein weiteres Beispiel dafür, warum das österreichische Doku-Filmemachen international so gute Reputation genießt: Mit dem Umstand, dass eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt, setzt sich Sabine Derflinger in einer Dokumentation auseinander, die nie ins Rührselige abgleitet. Zwei Patientinnen führen ein Video-Tagebuch und werden zusätzlich von der Kamera begleitet. Der Film entstand auf Initiative der Schauspielerin Frederike von Stechow, die an Brustkrebs erkrankte. Der Film schildert weniger die Krankheit selbst, sondern mehr den Umgang mit dem Krebs im Alltag.

"Mullewapp - Das große Kinoabenteuer der Freunde"
(Regie: Tony Loeser & Jesper Moeller, D/F/I 2009)
Ein Zeichentrickfilm nach den weltberühmten Büchern von Helme Heine: Die Tiere, darunter Franz von Hahn, das Schwein Waldemar, Bello, der ergraute Wachhund, und das Lämmchen Wolke, führen auf dem kleinen Bauernhof "Mullewapp" ein beschauliches Leben. Als Johnny Mauser auf den Hof kommt, wird dieser auf den Kopf gestellt. Franz von Hahn passt das überhaupt nicht, da Johnny alle um den Finger wickelt. In dem Trubel verschwindet plötzlich das Lämmchen Wolke. Zusammen mit Waldemar und Franz wird Johnny prompt zu Wolkes Rettung abkommandiert.

"G-Force - Agenten mit Biss"
(Regie: Hoyt Yeatman, USA 2009, 90 min)
Real-Animationsfilm-Mix by Disney: In einem Regierungsprogramm werden Tiere zu Agenten im Kampf gegen Korruption und Verbrechen ausgebildet. Kopf des Teams ist das Meerschweinchen Darwin, das von seinen Mitstreitern Juarez und Blaster, dem Maulwurf Speckles und der Fliege Mooch unterstützt wird. Die Truppe ist auf Leonard Saber angesetzt, der die Welt zerstören will. Hoyt Yeatman, der für seine visuellen Effekte in "The Abyss" mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, hat nun erstmals Regie geführt. Mit: Bill Nighy, Zach Galifianakis, Will Arnett, Kelli Garner.

Abschließender Hinweis auf den am Samstag, 17.10., um 10:00   beginnenden Vorverkauf für die am 22. Oktober startende  Viennale - und wer bei der Retrospektive im Filmmuseum Werke wie "Hot Times" (von 1974) oder "Mr.Freedom" (beide am 23.10.) oder aber "Idiocracy" (25.10.) für ignorierenswert hält, selbst schuld. (APA/red)

  • Afrika Im Film, im Uhrzeigersinn: "Enjoy Poverty", "Faro",  "The African Twintowers", "Congo River"
 

    Afrika Im Film, im Uhrzeigersinn: "Enjoy Poverty", "Faro", "The African Twintowers", "Congo River"

     

  • Schwedens Dark Side, schauspielerisch äußerst stark besetzt: "Verblendung" mit Michael Nyqvist als zäh-investigativer Reporter und Noomi Rapace als dessen zornige Hacker-Partnerin. 
Deutsche Kritiktitel gefällig? - "Die elektrisierende Vivisektion eines stinkenden Familienkörpers" (Zeit), "Die geilste Detektivin der Welt!" (Bild), "Villa Kunterbunt ist abgebrannt" (Stern), "Männer, die Frauen hassen - und umgekehrt" (Stuttgarter Zeitung), "Stieg Larsson - der Heath Ledger der Krimi-Autoren" (Welt),  "Blutiger Weg ins braune Gestern" (Kölnische Rundschau)
 

    Schwedens Dark Side, schauspielerisch äußerst stark besetzt: "Verblendung" mit Michael Nyqvist als zäh-investigativer Reporter und Noomi Rapace als dessen zornige Hacker-Partnerin. Deutsche Kritiktitel gefällig? - "Die elektrisierende Vivisektion eines stinkenden Familienkörpers" (Zeit), "Die geilste Detektivin der Welt!" (Bild), "Villa Kunterbunt ist abgebrannt" (Stern), "Männer, die Frauen hassen - und umgekehrt" (Stuttgarter Zeitung), "Stieg Larsson - der Heath Ledger der Krimi-Autoren" (Welt),  "Blutiger Weg ins braune Gestern" (Kölnische Rundschau)

     

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