Hoffnung belastet Wachkoma-Angehörige

15. Oktober 2009, 16:03
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Wachkoma bedeutet für Angehörige eine hohe emotionelle und finanzielle Belastung - Durchschnittsalter der Patienten ist bei 50 Jahren

Wien - Die hohe Herausforderung, einen Menschen im Wachkoma zu betreuen, ist eine Gratwanderung zwischen völliger Selbstaufgabe und konstruktiver Mithilfe. Dieser Problematik widmet sich die Jahrestagung der österreichischen Wachkoma-Gesellschaft, die am morgigen Freitag in Wien stattfindet. Wachkoma bedeutet für Angehörige eine hohe emotionelle und finanzielle Belastung, liegt das Durchschnittsalter der Patienten doch bei 50 Jahren. "Ein Wachkoma-Patient ist nicht der greise Großvater, sondern oft der Lebenspartner und manchmal sogar das noch minderjährige Kind. Dadurch ist die Beziehung viel näher", berichtet Johann Donis, Neurologe und Präsident der österreichischen Wachkoma-Gesellschaft.

Keine Kommunikation möglich

Im Gegensatz zu vielen anderen schweren Krankheiten bedeutet Wachkoma eine plötzliche und radikale Änderung für Patienten als auch für Angehörige. "Am Anfang steht meist ein dramatisches Ereignis wie ein Verkehrsunfall oder ein Herz-Kreislauf-Problem, das Patienten und Angehörige aus dem Leben reißt", so der Wiener Neurologe. Problematisch ist dabei besonders, dass damit die Kommunikation mit einem Schlag zusammenbricht. "Der Patient ist nicht verstorben, sondern lebt und hat die Augen geöffnet, kann sich jedoch anfangs weder durch Worte noch durch Gesten mitteilen oder auf Zuwendung reagieren." Ob sich der Zustand bessert, könne man kaum vorhersagen.

Hoffnung als Belastung

Statt zu unterstützen, wird das Prinzip der Hoffnung für Angehörige oft zur hohen Belastung. "Mit hoher Sicherheit bleiben Wachkoma-Patienten auch im Fall des Erwachens ihr Leben lang schwer behindert. Die ständige Hoffnung der Angehörigen richtet sich vor allem darauf, wieder kommunizieren zu können und Rückmeldung zu erhalten." Donis rät den Angehörigen, Formen des Umgangs mit der aktuellen Realität zu suchen anstatt permanent an die Zukunft zu denken. "Auch wenn Angehörige die Pflege selbst übernehmen, sollten sie sich dazu zwingen, ihr eigenes Leben weiter zu führen, die nötige Auszeit zu nehmen und soziale Kontakte weiter zu pflegen. Denn das Umfeld von Wachkoma-Angehörigen zieht sich schnell zurück, wenn das Gesprächsthema stets schon nach wenigen Minuten auf die Situation des Patienten umschwenkt."

Mithilfe in Stationspflege

Weitere Hilfen, um als Angehöriger emotional mit der Situation zurecht zu kommen, sei die konkrete Mithilfe in der Betreuung im Fall der Stationspflege. "Die meisten Angehörigen kommen täglich zu Besuch. Statt dabei nur traurig zu sein, können sie auch selbst Betreuungsaufgaben übernehmen wie etwa die Mithilfe bei der Körperpflege oder in der Freizeitgestaltung", betont Donis. Wichtig sei dafür ausreichende Informationen über Krankheitsbild und Möglichkeiten des Einwirkens, wodurch Angehörige zu den wichtigsten Vermittlern zwischen Pflegepersonal und Patienten werden. "Je vertrauter eine Person ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion."

Personal- und zeitaufwändig

Die Pflege von Wachkoma-Patienten ist eine besonders personal- und zeitaufwändige Dienstleistung. "Jeder zweite Wachkoma-Patient wird zuhause betreut, wobei in der Regel eine Person die 24-Stunden-Pflege übernimmt und dafür oft den Beruf aufgibt", so Donis. Erst wenige Institutionen - in der Regel Altenpflegeheime - ermöglichen eine Wachkoma-Betreuung, die gleichzeitig auch eine Begleitung der betroffenen Angehörigen bedeutet. Für diese hohe Herausforderung ist permanente fachliche Einschulung notwendig. "Es ist schwierig, Personal für diese Aufgabe zu finden", weiß Donis. Derzeit startet in Wien das erste neunmonatige Curriculum zur Betreuung von Wachkoma-Patienten, das künftig jährlich veranstaltet werden soll. (pte)

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    Wachkomapatienten haben die Augen geöffnet, können sich jedoch anfangs weder durch Worte noch durch Gesten mitteilen

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