Telemedizin in Österreich wenig umgesetzt

15. Oktober 2009, 15:42
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Der Einsatz von Telemedizin würde vor allem in der Kardiologie Entlastung bringen

Wien - "Technik vorhanden. Breite Umsetzung fehlt, weil rechtliche und finanzielle Fragen noch nicht geklärt sind." - Unter dieses Motto ließen sich die Aussagen von österreichischen Experten Mittwochnachmittag bei einem Fachseminar in Wien stellen. An vorderster Front: Die Kardiologie, in der noch immer viele tausend Herzschrittmacher-Patienten zu reinen Routinekontrollen in Spitalsambulanzen müssen.

Telemedizin bei chronischen Herzbeschwerden

Die Telemedizin ist nicht geeignet für akut lebensbedrohliche Zustandsbilder, aber ideal für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. „Ehemals starben 50 Prozent dieser Patienten innerhalb von sechs Monaten, was durch die verbesserten medizinischen Möglichkeiten heute nicht mehr der Fall ist. Die Ressourcen im stationären Bereich werden aber nicht mehr", sagte Kardiologe Michael Gruska, der für die Österreichische Kardiologische Gesellschaft zum Thema Telemedizin ein Positionspapier erstellt hat.

Tägliche Kontrolle via Handy

In Österreich haben tausende Menschen Geräte gegen Herzrhythmusstörungen implantiert und müssen in regelmäßigen Abständen zur Kontrolle der Geräte eine Spitalsambulanz aufsuchen. Dabei ließen sich die von den Geräten aufgenommen Funktionsdaten schon seit einiger Zeit einfach per GSM-Handy-Systeme - auch täglich - an diese Zentren verschicken. Die wenigsten Patienten müssten routinemäßig ins Krankenhaus. Bei Funktionsstörungen oder Anhaltspunkten für eine Verschlechterung des Zustands der Patienten schlagen die Geräte Alarm.

Eine Analyse von rund 10.000 Patientenkontakten hätte ergeben, dass zwischen 1990 und 2003 nur bei 23 Prozent der Nachuntersuchungen wirklich Interventionen notwendig waren. "Mit Telemedizin könnte man mehr als die Hälfte der Nachuntersuchungen auslassen", erklärt Herwig Schmidinger, der ein solches System an der Medizinischen Universitätsklinik II am Wiener AKH etabliert hat.

Weniger Spitalstage

Eine Studie, die unter Leitung des Grazer Kardiologen Friedrich Fruhwald ablief, zeigte, dass mittels Telemonitoring bei Patienten mit Herzinssuffizienz weniger neuerliche Spitalsaufnahmen verzeichnet wurden als bei Patienten mit Standardversorgung. Die Telemedizin in der Kardiologie entwickle sich zum nächsten Therapiestandard. Hier stelle sich die Frage, ob Österreich mitmachen und den Patienten eine Versorgung nach dem Stand der Technik bieten wird - auch außerhalb der Krankenhäuser. Laut dem Grazer Rechtsanwalt Peter Buchbauer wäre dazu eine Verankerung im Ärztegesetz wichtig. Auch Fragen hinsichtlich Datenschutz und Finanzierung seien noch nicht ausreichend geklärt. (APA/red)

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