MigrantInnen-Kinder am Arbeitsmarkt benachteiligt

15. Oktober 2009, 15:37
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Vor allem Höherqualifizierte haben es deutlich schwerer als Kinder von InländerInnen - Niedrigqualifizierte besser integriert

Wien (APA) - Migranten-Kinder haben es am heimischen Arbeitsmarkt trotz gleicher Ausbildung deutlich schwerer als Inländer. In Österreich und Deutschland bekommen das vor allem Höherqualifizierte sehr stark zu spüren. In der Schweiz hingegen gelingt die Arbeitsmarktintegration der "zweiten Generation" vergleichsweise gut. Dies ergab eine international vergleichende OECD-Studie, die am Donnerstag vorgestellt wurde.

AkademikerInnen haben es schwerer

Besonders groß ist der Abstand zwischen Migranten-Kindern und Kindern von InländerInnen bei den höher Gebildeten. AkademikerInnen und AbsolventInnen einer höheren Berufsausbildung, deren Eltern nicht hier geboren sind, haben es deutlich schwerer. "Dieser Befund überrascht, da beide Gruppen ihre Bildungsabschlüsse in der Regel im Inland erworben haben. Eine Erklärung könnte sein, dass in Deutschland und Österreich auf dem Arbeitsmarkt die Erwartung vorherrscht, dass Migranten und deren Nachkommen eher gering qualifiziert sind. Bildungserfolge von Migranten und deren Nachkommen werden entsprechend noch nicht ausreichend honoriert", so der OECD-Migrationsexperte und Studienautor Thomas Liebig.

Unter Einwanderer-Kindern gibt es deutlich mehr Menschen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen als unter Kindern von ÖsterreicherInnen. So ist in Österreich unter den 20- bis 29-Jährigen mit Migrationshintergrund der Anteil der Menschen ohne Matura oder abgeschlossener Berufsausbildung dreimal so hoch wie in der gleichen Altersgruppe ohne Migrationshintergrund. In Deutschland ist der entsprechende Anteil doppelt so hoch.

Schlechtes Zeugnis hat Folgen

Das spiegelt sich auch in den PISA-Ergebnisse dieser Gruppe in Österreich: Große schulische Defizite führen offenbar zu noch größeren Defiziten bei der Berufsausbildung. In Deutschland sieht das etwas anders aus: Migrantenkinder mit schwachen schulischen Leistungen dürften im Berufsbildungssystem besser aufgefangen werden. Mehr Kinder mit schlechten Zeugnissen verfolgen dort eine Berufsausbildung bis zum Ende.

Anders ist die Situation in der Schweiz: Hier zeigt die PISA-Studie bei Migranten-Kindern ebenfalls schulische Defizite. Es gibt jedoch unter Zugewanderten nicht mehr Geringqualifizierte als bei Kindern von InländerInnen.  

Niedrigqualifizierte besser integriert

In den meisten Ländern, vor allem aber in Belgien, Frankreich und den Niederlanden, gibt es für gering qualifizierte Einwanderer-Kinder im Vergleich zu Personen mit ähnlichem Abschluss ohne Migrationshintergrund große Probleme am Arbeitsmarkt. In Österreich und Deutschland hingegen seien diese Niedrigqualifizierten dagegen vergleichsweise gut in den Arbeitsmarkt integriert, heißt es in der OECD-Studie.

Besonders häufig sind Einwanderer-Kinder im Handel und im verarbeitenden Gewerbe beschäftigte. Deutlich unterrepräsentiert sind sie dagegen in Deutschland in der öffentlichen Verwaltung. (APA)

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    Trotz hoher Bildung weniger Chancen: Kinder von MigrantInnen

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