Facebook und die Detektive

22. Oktober 2009, 17:03
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Auch in Österreich ermitteln Detektive in sozialen Netzwerken und reden nicht gern davon

Die vielen Daten, Statusupdates und Fotos auf Selbstdarstellungsplattformen wie Facebook sind nicht nur für Freunde, Familie und alte Bekannte interessant, sondern auch für Detektive und Ermittler. Erst kürzlich wurde ein mutmaßlicher Bankbetrüger von US-Behörden über Facebook ausfindig gemacht, aber auch in Österreich sind Detektive in sozialen Netzwerken aktiv.

Facebook-Freunde als Indizien und Hinweisgeber

Maxi S. ließ seine Facebook-Freunde an seinem Partyleben in Cancun teilhaben. "Es ist wie das Leben im Paradies" oder "Das Leben ist so einfach, wirklich!" war auf seiner Pinnwand zu lesen. Er hatte zwar ein privates Profil, jedoch war seine Freundesliste für alle sichtbar. Die Polizei vermutete ihn aufgrund seiner Freundesliste in Mexiko. Wo genau, das war unklar, bis er eine Partybekanntschaft als "Freund" hinzufügte - einen früheren US-Justizangestellten. Dieser Freund gab den Ermittlern den entscheidenden Hinweis. Daraufhin nahm die Polizei den mutmaßlichen Betrüger fest.

Auch österreichische Ermittler sind in Facebook aktiv. Wie oft aber solche Ermittlungen in Facebook und anderen sozialen Netzwerken zum Ziel führen, darüber gibt es in Österreich keine Statistiken. "Im Grunde ist Facebook eine Informationsquelle im Internet wie alle anderen Seiten auch. Aber wenn Menschen viele Details über sich veröffentlichen ist das für uns ein gefundenes Fressen", meint Lukas Helmberger, Präsident des österreichischen Detektivverbandes. "Selber nutze ich Facebook nicht, ich halte es für gefährlich", sagt Helmberger, der bei Xing registriert ist.

Nützen jede Quelle

Helmberger bestätigt, dass Ermittlungen über Facebook auch schon zu Erfolgen geführt hätten, will aber keine Details nennen.  "Wir als Detektive haben kein Interesse daran unsere Ermittlungsstrategien breitzutreten." Die Recherchestrategien würden sich von denen eines Journalisten jedoch kaum unterscheiden, nur die Motive seien unterschiedliche. Zu den Methoden aber sagt er: "Wir nutzen jede verfügbare Quelle."

Arthur Häfele, der Bundessprecher der Berufsdetektive, sieht das genauso: "Wir überwachen alles im Internet." Zu speziellen Tools und Ermittlungsmethoden in sozialen Netzwerken wollen sich beide Herren nicht äußern. Auch sind ihnen keine Spezialisten für Ermittlungsmethoden in Facebook und Co. in ihrer Berufssparte bekannt.  "Jeder Detektiv nutzt solche Selbstdarstellungsplattformen unterschiedlich für Ermittlungen, generelle Aussagen kann man nicht treffen", so Helmberger.

Aufspüren und Beweise sichern

"Die Recherche in Facebook entspricht nicht der Haupttätigkeit eines Detektivs. Natürlich können damit aber Personen gefunden und womöglich Beweise gesichert werden", sagt Michael Ofner, Leiter des Lehrgangs Detektivassistenten am WIFI Oberösterreich. Recherchemöglichkeiten im Internet würden deshalb in der Ausbildung nur gestreift werden. Ofner sieht aber noch ein großes Potential für die Zukunft. Wie bei allen Ermittlungen sei aber der Detektiv auch bei den Recherchen in Facebook an einen konkreten Auftrag gebunden: "Ansonsten kann es sehr schnell passieren, dass sich der Detektiv selber strafbar macht, beispielsweise nach dem Stalking-Paragrafen."

Ausspionieren: 70 Prozent fürchten sich

Laut einer aktuellen Studie nutzen 59 Prozent der Österreicher soziale Netzwerke. Sieben von zehn haben dabei massive Bedenken ausspioniert zu werden. 40 Prozent kritisieren die Einsehbarkeit für Personalmanager, jeder Dritte die Menge der ersichtlichen Informationen. Jedoch braucht man nicht immer detektivisches Gespür, um eine Zielperson ausfindig zu machen: Ein Dieb vergaß kürzlich sich am Tatort von Facebook abzumelden und wurde so geschnappt.
(Michael Kremmel, derStandard.at, 19.10.2009)

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    Die US-Polizei ermittelt auch in sozialen Netzwerken.

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