Energiewende als "Wettlauf mit der Zeit"

15. Oktober 2009, 14:28
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Alternativ-Nobelpreisträger Scheer plädiert auf raschen Umstieg von fossiler und atomarer Energie zu erneuerbaren Energiequellen

Eisenstadt - Für einen raschen Umstieg bei der Energieproduktion von fossiler und atomarer Energie zu erneuerbaren Energiequellen hat heute, Donnerstag, Alternativ-Nobelpreisträger Hermann Scheer in Eisenstadt plädiert. "Wir sind in einem Wettlauf mit der Zeit", sagte Scheer beim von der BEWAG veranstalteten "Energieforum Burgenland". Bisher auf internationaler Ebene vereinbarte Klimaziele reichen nach Ansicht des Präsidenten der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energie (Eurosolar) nicht aus, um einer Klima- und Ressourcenkrise entgegenzuwirken.

Die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise lenke von diesen beiden Krisen ab, die nur durch einen radikalen Wechsel zur erneuerbaren Energie und die vollständige Ablösung von fossiler und atomarer Energie überwindbar seien. Ein solcher Wandel ermögliche auch eine Milderung der Klimagefahren und möglicherweise eine Restabilisierung des Klimas, so Scheer.

Der Experte sprach sich für eine Obergrenze von 350 ppm (parts per million) bei der CO2-Konzentration in der Atmosphäre aus. Derzeit liege man bei 385 ppm. Als Ziel gelte mittlerweile, die Konzentration nicht über 450 ppm steigen zu lassen. Dies sei aber "eine Katastrophe". Scheer verglich den Ansatz mit dem Millenniumsziel der UNO, die Zahl der Hungernden von 900 Mio. Menschen im Jahr 2000 bis 2015 auf die Hälfte zu reduzieren. Lege man die Logik des Klimaziels auf das Millenniumsziel um, würde dies bedeuten, man wolle erreichen, dass 2015 statt 900 Mio. nicht mehr als zwei Mrd. Menschen hungern: "Wir sind in einer absurden Zieldiskussion."

Globaler Ansatz

Scheer plädierte für eine Abkehr von der Sichtweise, das Klimaproblem nur mit einem globalen, gemeinsamen Ansatz lösen zu können. Würde man in den einzelnen Ländern den "riesigen Nutzen" eines Umstiegs auf erneuerbare Energie erkennen, bräuchte man nicht auf internationale Konferenzen zu warten. "Worum es geht, ist eine neue technologische Revolution, die die energetischen Verhältnisse umstülpen wird und muss."

Nach Ansicht des Alternativ-Nobelpreisträgers blieben noch etwa zehn bis 15 Jahre, in denen Entscheidungen getroffen und bereits große Schritte in Richtung Umstieg realisiert werden müssten. Während herkömmliche Energie künftig an immer weniger Plätzen verfügbar sei, stehe erneuerbare Energie im Prinzip überall zur Verfügung. Im Hinblick auf diesen Wandel in der Energieversorgung hält Scheer Unternehmen auf Stadt- und Regionalebene für jene Energieträger, die überlebensfähig seien.

Ein Umstieg biete die Chance eines Wechsels von Import-Energie zu heimischer Energie. Der Wechsel sei auch die Chance, von wenigen Großenergieanlagen mit einer Tendenz zu Monopolisierung hin zu kleineren Anlagen zu kommen.

Burgendland-Ziel realistisch

Das Ziel des Burgenlandes, bis 2013 bei der Versorgung mit Strom unabhängig zu sein, halte er für "ein völlig realistisches", sagte Scheer. Man könne wegen der privilegierten Bedingungen bei Windkraft im Burgenland bei der Produktion sogar über die 100 Prozent hinausgehen und Energie in die Nachbarregionen liefern. Auch für die österreichische Energiewirtschaft sollte es nicht schwer sein, auf 100 Prozent Versorgung mit erneuerbarer Energie zu kommen.

Im Burgenland produzieren 206 Windräder 370 Megawatt (MW) Energie. Um das Ziel der Unabhängigkeit bei der Stromversorgung zu erreichen, seien eine Erweiterung der bestehenden Windparks sowie neue Standorte in einer Größenordnung von etwa 200 MW geplant, so BEWAG-Vorstandssprecher Hans Lukits. In der BEWAG warte man "schon ungeduldig" auf eine neue Verordnung, die die Einspeistarife fixiert. (APA)

 

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