Sammler Leopold hofft weiter auf Vergleich

15. Oktober 2009, 14:30
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Fristverlängerung durch US-Gericht - Erste Prozessrunde wahrscheinlich - Grüne: "Inakzeptable Entgleisung"

Wien - Im seit Jänner 1998 dauernden Streit um das nach dem Ende einer Ausstellung in New York beschlagnahmte Schiele-Gemälde "Bildnis Wally" hofft Rudolf Leopold weiter auf einen Vergleich. "Es könnte im kommenden Jahr soweit sein", sagte der 84-jährige Sammler und Museumsgründer am Donnerstag gegenüber der APA.

Aktuell hat das US-Gericht die am Mittwoch abgelaufene Frist für die Entscheidung der Parteien, ob sie in einen Geschworenenprozess gehen wollen oder nicht, verlängert. Der kaufmännische Direktor des Leopold Museums, Peter Weinhäupl, rechnet dann mit der zügigen Festlegung eines Prozesstermins, möglicherweise noch in diesem Jahr.

"Bei der völligen Einseitigkeit dort drüben ist die Chance für uns den Prozess zu gewinnen, nicht groß. Falls die Entscheidung gegen uns ausfällt, haben wir aber noch die Möglichkeit, in die Berufung zu gehen", schilderte Leopold, der das Gleiche von der Gegenseite erwartet: "Ich habe aber die Hoffnung, dass wir am Schluss einen Vergleich schließen können."

An die von der zuständigen Richterin Loretta Preska angeregte Einigung der Streitparteien noch vor Prozessbeginn glaubt Leopold nicht: "Wir wären dazu bereit, aber der Gegenseite geht es nur ums Geld." Leopold zeigte sich sicher, dass es am Ende nur darum gehen werde, welche Summe für die Rückkehr der "Wally" zu zahlen sei. Eine Größenordnung könne dabei zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht genannt werden, doch in der Stiftung Leopold gebe es bereits Überlegungen, wie das Geld aufzubringen sei. Der Sammler ließ keinen Zweifel daran, dass er weiterhin alles daran setzen möchte, das Bild wieder nach Österreich zu holen.

Bei dem US-Prozess wird es vor allem darum gehen, ob Rudolf Leopold das Gericht davon überzeugen kann, nicht gewusst zu haben, dass das Bild gestohlen wurde. Könne man etwa nachweisen, dass 1939 Geld an die Kunsthändlerin Lea Jaray-Bondi, deren Erben das Bild nun beanspruchen, geflossen sei, müsse man wohl von einem Konsens bei der damaligen Transaktion ausgehen. Dabei spiele auch keine Rolle, dass der Kunsthändler Friedrich Welz im Zuge der Arisierung ihrer Galerie Druck auf Jaray-Bondi ausgeübt habe, hatte Andreas Nödl, Anwalt und Vorstandsmitglied der Leopold Stiftung, kürzlich argumentiert.

"Entgleisung"

 Als "inakzeptable antisemitische Entgleisung" bezeichnet der Grüne Gemeinderat Marco Schreuder in einer Aussendung Leopolds Interview-Aussagen. Leopold hatte im Zusammenhang mit dem Streit um das "Bildnis Wally" gesagt, der Gegnerseite gehe es "nur ums Geld". "Auch das Rechtsverständnis von Leopold lässt zu wünschen übrig, wenn er während eines laufenden Verfahrens von der 'Einseitigkeit dort drüben' spricht", so Schreuder.

Für die Israelitische Kultusgemeinde ist diese Aussage "ein neuerlicher Beweis seiner (Rudolf Leopolds, Anm.) antisemitischen Gesinnung." Es sei "unerträglich, dass sich Leopold weiterhin antisemitischer Klischees bedient und die Nachkommen von NS-Opfern diffamiert. Kein anderer österreichischer Museumsdirektor/direktorin würde eine solche Aussage tätigen", hieß es in einer Aussendung. (APA)

 

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