Bäuerinnen: Zukunft der Landwirtschaft

15. Oktober 2009, 17:36
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Vierzig Prozent der heimischen Betriebe mittlerweile in Frauenhand - Quote und Kinderbetreuung auch hier Schlüsselworte

Wien - Kaum eine andere Berufsgruppe unterliegt einer ähnlichen Mehrfachbelastung wie die der Bäuerinnen. Neben dem Alltag am Hof mit schwerer landwirtschaftlicher Arbeit und Haushalt wird oft noch Kinder- und Altenbetreuung geleistet. "Es sind die engagierten Bäuerinnen, die den ländlichen Raum insgesamt lebenswert erhalten", so Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich anlässlich des Weltlandfrauentags am 15. Oktober. Dieser Tag wird von den Bäuerinnen und Frauen, die im ländlichen Raum leben, dazu genutzt, auf die besondere Lebenssituation der Frauen auf dem Land aufmerksam zu machen.

Politisches Engagement der Bäuerinnen fördern

In Österreich wird im Rahmen des Grünen Pakts, dem Programm zur Ländlichen Entwicklung 2007-2013, die Chancengleichheit und Gleichstellung von Frauen und Männern im ländlichen Raum deutlicher artikuliert als in den vorangegangenen Programmen zur ländlichen Entwicklung, so Berlakovich. Das neue vom Lebensministerium koordinierte und finanzierte Projekt ZAM - Zukunftsorientierte Agrarwirtschaftliche Motivation - setze genau dort an und hat sich zum Ziel gesetzt, das Interesse der Bäuerinnen für agrarwirtschaftliche und agrarpolitische Prozesse durch das Anbieten zielgruppenspezifischer Angebote nachhaltig zu wecken und die Unternehmerkompetenz zu stärken. "Mit dem Wissen über die Zusammenhänge und das Funktionieren von Agrarmärkten und -politik und einer unternehmerisch entwickelten Persönlichkeit können Bäuerinnen Veränderungen aktiv gestalten", so Berlakovich. 

Immer mehr Frauen geben den Ton an

Immer mehr Frauen leiten landwirtschaftliche Betriebe, mittlerweile sind es bereits 40 Prozent der heimischen Betriebe. "Der Agrarsektor verändert sich, fast jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb wird heute schon von einer Frau geführt", eröffnete auch Frauenministerin Heinisch-Hosek die Diskussion über die Lebenssituation der Bäuerinnen in Österreich am Mittwochabend bei einer Diskussion zum Thema. 

Problemfelder

Die Herausforderungen für die Bäuerinnen seien wohl ähnlich wie für alle Frauen: Sie verdienen weniger als Männer, sie haben Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, und sie haben es schwer, in Führungspositionen aufzurücken. "Denn je größer der Hof, desto eher wird er vom Bauern geführt", sagte die Ministerin. Auch in den Standesvertretungen fänden die Frauen selten den Weg zur Spitze. In Österreichs Landeslandwirtschaftskammern gebe es keine einzige Präsidentin, nur drei Vizepräsidentinnen, wie überhaupt sich in den Führungsgremien nur 15 Prozent Frauen fänden.

Am Podium diskutierten darüber Gerhard Wlodkowski, der Präsident der österreichischen Landwirtschaftskammer, Anna Höllerer, die Bundesbäuerin und Vorsitzende der ARGE Bäuerinnen, Elisabeth Loibl von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen, weiters die Biobäuerinnen und Direktvermarkterinnen Marianne Fuchsluger und Elisabeth Hofer-Falkinger. Irmi Salzer von der österreichischen Bergbauernvereinigung "Via Campesina" moderierte. 

Quote und Kinderbetreuung

Anna Höllerer sprach sich wie die Ministerin für mehr Frauen in den bäuerlichen Führungsgremien aus: "Da müssen wir über Quoten reden." Die Frauen bräuchten auch mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung, "gerade im ländlichen Raum klaffen große Lücken bei der Unterbringung der Unter-Dreijährigen und die Öffnungszeiten der Kindergärten sind zu wenig flexibel", so Höllerer. "Es ist gar nicht so romantisch, wenn die kleinen Kinder immer bei der Arbeit mit dabei sind, es ist ganz im Gegenteil anstrengend und oft sehr gefährlich." (red)

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    Die Herausforderungen für die Bäuerinnen sind wohl ähnlich wie für alle Frauen: Sie verdienen weniger als Männer, und sie haben Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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