Auswirkungen über mehrere Jahre

15. Oktober 2009, 13:12
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Deutscher Hochschulforscher: "Keine Spitze, sondern ein Hochplateau" - Zahl der Maturanten in Bayern steigt von 56.500 im nächsten Jahr 2010 auf 90.600 im Jahr 2011

Wien - Der "Studentenberg" in Deutschland dürfte die österreichische Universitätspolitik noch längere Zeit beschäftigen. Durch die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre machen dort nach Bundesländern gestaffelt zwei Abiturienten-Jahrgänge gleichzeitig ihren Abschluss, in den Österreich nächstgelegenen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg 2011 bzw. 2012. Damit sei jedoch "der Spaß noch nicht vorbei", so Thimo von Stuckrad vom deutschen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zur APA. Da sich der Übertritt an die Uni durch Wehrdienst etc. über mehrere Jahre ziehe, werde es beim zu erwartenden Studentenstrom nach Österreich "keine Spitze geben, sondern ein Hochplateau, das langsam abbaut".

Über ganz Deutschland wird mit einem Anstieg von 443.310 (2010) auf 487.640 Abiturenten (2011) gerechnet, in Bayern laut Kultusministerkonferenz mit einem Zuwachs von 56.500 (2010) auf 90.600 (2011). In Baden-Würtemberg bringt der doppelte Abi-Jahrgang einen Sprung von 64.500 (2011) auf 86.900 (2012).

Absolute Spitze 2013 erreicht

Die absolute Spitze an Studienberechtigten in Deutschland soll 2013 mit 492.520 erreicht werden, wenn im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen zwei Jahrgänge gleichzeitig die Schule abschließen: Die Zahl potenzieller Studienanfänger steigt dort von 119.900 (2012) auf 176.500 (2013).

Von diesen Abiturenten beginnt laut CHE zwar der Großteil ein Hochschulstudium, doch nur rund ein Drittel noch im gleichen Jahr (Bayern: 36,2 Prozent, Baden-Württemberg: 29,2 Prozent). Ein weiteres Drittel (32,5 bzw. 34,2 Prozent) beginnt erst ein Jahr nach dem Schulabschluss.

Die Zahl Studienberechtigter wird laut von Stuckrad aber auch nach den doppelten Abi-Jahrgängen "auf einem deutlich höheren Niveau" liegen als bisher. Das habe politische Gründe, die Nachfrage sei durch die Verkürzung der Gymnasialzeit bewusst verstärkt worden. Schließlich wolle die Bundesregierung den Studienanfängeranteil auf 40 Prozent des Altersjahrgangs steigern.

Hochschulpakt soll Ansturm abfedern

Als Reaktion auf diesen Zuwachs haben die deutschen Länder und der Bund im November 2006 einen Hochschulpakt abgeschlossen, der die Schaffung von 90.000 neuen Plätzen für Studienanfänger bis 2010 vorsieht. In einem zweiten Schritt sollen zwischen 2011 und 2015 rund 275.00 weitere neue Studienplätze entstehen. Der Pakt sei damit allerdings "unterdimensioniert", meint von Stuckrad, CHE-Berechnungen hätten einen Bedarf an 330.000 Studienplätzen ergeben.

Im Zusammenhang mit der Finanzierung des Universitätssystems mit diesem Studentenplus wird in Deutschland das Prinzip "Geld folgt Studenten" diskutiert, wonach jeder Student ein bestimmtes Budget aus seinem Herkunftsbundesland an die Hochschule seiner Wahl mitbringt. Von Stuckrad betont, dass dabei nicht nur auf die Belastung (für Lehre, Infrastruktur etc.), sondern auch auf den Nutzen und die Produktivität geachtet werden müsse, die diese Studenten mitbringen. Das müsse bei einem Lastenausgleich zwischen den deutschen Bundesländern - aber auch bei den derzeit diskutierten Ausgleichszahlungen von Deutschland an Österreich - berücksichtigt werden. Die österreichischen Rektoren sollten auch das Erwerbspotenzial und den "Rekrutierungsvorteil für den österreichischen Arbeitsmarkt" sehen, so von Stuckrad. (APA)

 

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