Muslim-Verband: Burka-Verbot "Stigmatisierung"

15. Oktober 2009, 13:11
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Debatte um den "für die Frau erniedrigenden Schleier" geht weiter: Chef Moussaoui will weitere Verhandlungen

Paris - Der islamische Dachverband in Frankreich (CFCM) hat sich gegen ein Verbot der islamischen Vollkörperverschleierung von Frauen ausgesprochen. CFCM-Präsident Mohammed Moussaoui erinnerte daran, dass die Burka keine Vorschrift des Koran sei, dass es allerdings einer "Stigmatisierung" gleichkomme, ein Verbot gesetzlich einzuführen. "Dies würde selbst bei den Muslimen, die gegen den Ganzkörperschleier sind, ein Gefühl der Ungerechtigkeit erwecken", betonte Moussavi, der die Eröffnung von Verhandlungen zu diesem Thema verlangte.

Unterdrückung versus Kleiderfreiheit

Der kommunistische Abgeordnete Andre Gerin, der einen Parlamentsausschuss zu der Frage leitet, wies dagegen darauf hin, dass sich selbst zahlreiche MuslimInnen gegen diesen "für die Frau erniedrigenden Schleier" aussprechen. Die Menschenrechtsorganisationen und laizistischen Vereine in Frankreich mischten sich bisher nicht in die Debatte, die durch Gerin vor einigen Monaten aufgeworfen worden war. Von islamischer Seite wird dagegen einstimmig "Kleiderfreiheit" im Sinne einer Haltung gegen ein Verbot gefordert.

Verbot schwer durchsetzbar

Nur der Rektor der Pariser Moschee, Dalil Boubakeur, räumte ein, dass die zunehmende Verwendung der Burka ein Hinweis für einen "steigenden Fundamentalismus" sei. Französische RechtsexpertInnen meinten allerdings, dass ein generelles Verbot schwer durchsetzbar sei. Dagegen könne die Burka in all jenen Stätten verboten werden, in denen eine Identifizierung der Personen aus Sicherheitsgründen notwendig ist, so Deny de Bechillon, Universitätsprofessor für öffentliches Recht in Paris.

2.000 Burkaträgerinnen

Laut inoffiziellen Daten des Pariser Innenministeriums tragen in Frankreich 2.000 Frauen die Burka. Im Land leben etwa fünf Millionen MuslimInnen. (APA)

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