Neue Theorie zur Mona Lisa

15. Oktober 2009, 13:11
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Da Vincis Porträt sei definitiv nicht das einer Kaufmannsgattin, sondern das einer Geliebten von Giuliano de Medici

München - Wieder einmal mehr gerät die Identität des Modells für das wohl berühmteste Gemälde der Welt in Zweifel: Leonardo da Vincis "Mona Lisa" zeigt einem italienischen Wissenschafter zufolge doch nicht die Florentiner Kaufmannsgattin Lisa del Giocondo.

Der Historiker Roberto Zapperi Zapperi hat anhand neuer Dokumente das gesamte Umfeld des Auftraggebers und die wahrscheinliche Entstehungsgeschichte des Gemäldes recherchiert - bezeichnet die Giocondo-Zuordnung im Interview der "Süddeutschen Zeitung" als ausgeschlossen.

Da Vinci selbst habe gegenüber einem Augenzeugen den Auftraggeber des Bildes, Giuliano de Medici, einen Bruder von Papst Leo X., genannt. Giuliano aber habe die Seidenhändlergattin Lisa del Giocondo nicht gekannt, die bisher gemeinhin als Modell des Werks gilt. Vielmehr sei die einzige Frau, die als Vorbild des Gemäldes in Frage kommt, die - ebenfalls in diesem Zusammenhang schon oft genannte - Pacifica Brandano aus Urbino, schreibt die Zeitung. Sie war eine Geliebte Giuliano de Medicis und Mutter seines unehelichen unjd einzigen  Sohnes Ippolito, nach dessen Geburt 1511 sie gestorben sei. Das Gemälde wäre demnach ein Erinnerungsbild an die tote Mutter für den kleinen Buben.

 

Giuliano de Medici habe dem Künstler freie Hand gelassen. "Er durfte die Mutterfigur seiner Fantasie malen." Da Vinci habe wahrscheinlich nichts Konkretes über Pacifica Brandani gewusst "und reimte sich ihre Identität zusammen", meinte der Historiker. Da Giuliano de Medici sich stets mit Menschen aus Florenz umgeben habe, habe die Annahme wohl nahe gelegen, auch die Porträtierte komme aus dieser Stadt.

Da es sich um ein Idealporträt handele, empfehle der Historiker Zapperi, das Gemälde künftig wie im Italienischen "La Gioconda" zu nennen. Dieser Name sei schon von einem Leonardoschüler verwendet worden. Er bedeutet so viel wie "Die Heitere" -  ­ möglicherweise deshalb, weil das Gemälde den kleinen Ippolito de Medici nach dem Verlust seiner Mutter aufheitern sollte.

Weil Medici bereits 1516 starb und der kleine Ippolito damals erst vier Jahre alt gewesen sei, habe da Vinci das Bild schließlich selbst behalten und es mit nach Frankreich genommen, erklärte Zapperi weiter. Dass sich die Annahme durchgesetzt habe, auf dem Bild sei die Florentiner Kaufmannsgattin Lisa del Giocondo zu sehen, habe mit der Darstellung des Kunstschriftstellers Giorgio Vasari und dessen "Übermacht" zu tun, sagte der Historiker. Da Vinci habe aber tatsächlich einmal angefangen, die Kaufmannsgattin Mona Lisa zu malen, - "als er gerade Geld brauchte und ausnahmsweise bereit war, auch einen unbedeutenden Auftrag anzunehmen", sagte Zapperi. 

Davon werde Vasari wohl gehört haben und die Porträts der beiden Frauen dann in seiner Erzählung vermischt haben. "Das war sein Irrtum", meinte Zapperi. "Was aus dem Kopf der Mona Lisa wurde, weiß ich nicht", sagte der Historiker weiter. "Leonardo verlor wohl die Lust, denn er händigte ihn nie dem Seidenhändler aus."

Den Namen Mona Lisa führte der italienische Kunsthistoriker und Leonardo-Biograf Giorgio Vasari im 16. Jahrhundert ein, wobei es bei Vasari noch "Monna" hieß, als Abkürzung für Madonna, Frau. Vasari ist Leonardo allerdings höchstwahrscheinlich nie begegnet, er war bei dessen Tod gerade sieben Jahre alt. (APA/AP)

 

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