Zugangsbeschränkungen an Unis vor Revival

15. Oktober 2009, 11:48
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    foto: apa/schlager

    Übervolle Hörsäle und Studierende die am Boden sitzen - das soll es auf der Publizistik nicht mehr geben.

Kommunikationswissenschaften in Wien, Salzburg und Klagenfurt wollen ab Sommersemester 2010 wegen "unvertretbarer Studienbedingungen" von Notfallparagraph Gebrauch machen

17.000 Deutsche haben sich aktuell für ein Studium an österreichischen Unis entschieden. 2001 waren es erst knapp über 5.000. Für die heimischen Unis stellt der Zuwachs eine massive Belastung dar, so Wissenschaftsminister Johannes Hahn bei einem Pressegespräch. "Kein System der Welt kann so einen Anstieg spontan verkraften", so Hahn.

Unis ziehen Notbremse

Das sehen auch die Unis so - und ziehen die Notbremse. Als erste Studienrichtung machen die Kommunikationswissenschaften Gebrauch von einer Regelung, die in Paragraph 124b des Unigesetzes festgeschrieben ist. Sie beantragen beim Ministerium Auswahlverfahren, begründet mit "unvertretbaren Studienbedingungen". Der "Notfallparagraf" Paragraph 124b sieht vor, dass im Falle von "unvertretbaren Studienbedingungen" für Studien, für die in Deutschland der Numerus Clausus gilt, wieder Zugangsbeschränkungen eingeführt werden können. Außerdem kann eine Studierendenhöchstzahl festgelegt werden, die allerdings den Durchschnitt der vergangenen drei Jahre nicht unterschreiten darf.

Um in den Genuss des Ausnahmerechts zu kommen, müssen alle Unis, die das betreffende Fach anbieten, gemeinsam einen Antrag an das Wissenschaftsministerium stellen. Im Fall der Kommunikationswissenschaften sind das die Universitäten Wien, Salzburg und Klagenfurt. Schließlich muss noch die Bundesregierung dem Antrag zustimmen. Das könnte recht schnell gehen, "wenn sich die Unis beeilen", so Hahn. Er rechnet damit, dass die Zulassungsbeschränkungen bereits im Sommersemester 2010 in Kraft treten könnten.

Deutsche Numerus Clausus-Fächer als Maßstab

Andere Fächer könnten folgen, potenzielle Anwärter gibt es viele. Der Kreis der möglichen Antragsteller ist an die deutschen Numerus Clausus-Fächer geknüpft. Das sind bundesweit in Deutschland Medizin, Pharmazie, Psychologie, Tiermedizin und Zahnmedizin. Dazu kommen aber auch all jene Fächer, die zumindest in einem deutschen Bundesland oder an einer einzelnen Uni mit einem Numerus Clausus versehen sind - etwa Kommunikationswissenschaften, BWL, Politikwissenschaft oder Rechtswissenschaften.

Hahn fordert die Unis explizit auf, von ihrem Antragsrecht Gebrauch zu machen, auch der Koalitionspartner habe bereits Zustimmung signalisiert. Vom Rektorenvorschlag, mit Ausgleichzahlungen auf den Ansturm zu reagieren, hält Hahn nichts. "Ausgleichszahlungen konterkarieren unsere Mobilitätsbemühungen", meint er. 

"Drei-Stufen-Plan für eine faire Uni"

Darüber hinaus habe Deutschland klar signalisiert, dass es dafür nicht zu haben sei. "Wieso auch, die Deutschen haben kein Interesse an weiteren StudentInnen in gewissen Fächern, warum sollten sie für sie bezahlen". Außerdem, so Hahn, sei ein Großteil des Problems kein bilaterales zwischen Österreich und Deutschland, sondern ein "innerösterreichisches".
Die Lösung liegt für den Wissenschaftsminister in einem "Drei-Stufen-Plan für eine faire Uni", den er starten möchte. Die Bestandteile des Plans: Zulassungsbeschränkungen im oben erwähnten Sinn, massive Beratung von Jugendlichen vor der Studienwahl und Studienbeiträge, die von einer Ausweitung des Stipendiensystems begleitet werden sollen.

Auch wenn die SPÖ ihr striktes Nein zu einer Wiedereinführung der Studienbeiträge unmissverständlich kommuniziert hat, will Hahn nicht aufgeben. "Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass wir sie sehr schnell wieder einführen können. Aber ich bin selbstbewusst genug, von der SPÖ eine Diskussion darüber zu fordern". So hofft Hahn auf eine Wiedereinführung in der nächsten Legislaturperiode.

Die ÖH reagiert auf die neuen Vorschläge ungehalten. "Hahn hat immer noch nicht gelernt, dass ein Anstieg der Studierendenzahlen wünschenswert ist", sagt Thomas Wallerberger vom Vorsitzteam. Die genannten Maßnahmen würden sich lediglich gegen die Studierenden richten, es seien jedoch in diesem Fall einfach mehr finanzielle Mittel vom Ministerium bereitzustellen. Den Ausbau des Stipendienwesens und der Studienberatung sieht die ÖH als positiven Schritt.

SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl kann der Wiedereinführung von Aufnahmeverfahren nichts abgewinnen: "Das kann nur eine Notlösung sein." Neben einer Ausdehnung der Finanzen für die Universitäten fordert sie von Minister Hahn unverzügliche Verhandlungen mit Deutschland über Ausgleichszahlungen. Außerdem solle die Problematik beim nächsten EU-Bildungsministerrat angesprochen werden und eine europäische Lösung dafür gefunden werden. (Anita Zielina, derStandard.at, 15.10.2009)

Kommentar posten
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susi strolcher
01
16.10.2009, 19:16
baut's ein paar studentenheime in deutschland

dort könnten dann alle österreichischen studierenden, die den nötigen maturadurchschnitt geschafft haben, auf staatskosten wohnen und halt in deutschland studieren. braindrain wär das keiner, denn der nc ist eine total willkürliche art auszusieben. wäre wahrscheinlich billiger als die unis auszubauen.

Kraut&Rüben
00
31.10.2009, 18:11
gar nicht übel

Ich finde, dass dieser drei Punkte Plan recht vernünftig klingt. Die Frage, die sich bei der Beschränkung stellt, ist natürlich in welcher Form sich diese durchsetzen werde. Einen Numerus Clausus nach deutschem Vorbild halte ich für eine sehr schlecht Option, das Auswahlverfahren wiederum, was es schon mal an österreichischen Uni gab wäre eine wesentlich fairere Lösung.
Die Studiengebühren wieder einzuführen halte ich auch nicht unbedingt für eine schlechte Idee. Man könnte den Betrag ja etwas verringern, auf beispielsweise 10 € im Monat. Das macht bei zirka 70000 Studenten alleine bei der Uni Wien schon im Semester ein schönen Betrag aus.

Kristallpalastbewohner
00
16.10.2009, 16:59
die Pyramide wird ein Karo...

jeder will im Kristallpalast möglichst in der oberen Etage wohnen. Nur geht sich das nicht für ALLE aus...

Die unteren Etagen sollte man auch "lebenswert" gestalten, dann wollen nicht Alle rauf ..


es werden einfach nicht soviele "Wissensarbeiter" gebraucht.

Der Mangel an Erwerbsarbeit/Lehrstellen/Uni Plätzen wird endlich "langsam" sichtbarer. Mehr Produktivität (der Firmen, Maschinen, Prozesse), Fortschritt schafft anscheinend immer mehr UnGebrauchte Menschen.

Der fortschreitende MAngel an Erwerbsarbeit (siehe permanent steigende Arbeitslosigkeit) geht anscheinend Hand in Hand mit dem Mangel an Uni Plätzen...

~1930 - 1938 hatten die Nazis regen zulauf -> damals gabs auch viele "Ungebrauchte" und man war Ratlos....

135
 
01
16.10.2009, 13:14
Und jetzt beginnt die Herabsetzung von

unterschiedlichen Fächern.
Denn jeder weiß genau, wer warum etwas studiert.
Was will denn Hahn. Er will Konkurrenz für die Seilschaft ausschalten, damit die Positionen der Klientel vorbehalten bleiben.
Der Sohn, die Tochter sollen wie der Herr Papa Ärzte, Rechtsanwälte und Beamte und so weiter werden.
Die alte Geschichte von der Vererbung vom Bildung und Positionen.

Wahl 09
00
16.10.2009, 12:08

lustig ist es ja, wenn gesagt wird, aber die eu WILL doch, dass wir studenten aus anderen länder nehmen, wir ösis wollen das nicht.

die eu will überhaupt nichts. wir ösis WOLLTEN laut abstimmung teil der eu sein. und wenn man teil der eu ist muss man auch mit den konsequenzen leben - die von anfang an klar waren - und sich von der idee verabschieden, dass man seinen kleinen gemütlichen schrebergarten ösistan weiterlebt, aber von der eu-mitgliedschaft nur die vorteile abschöpft.

deshalb müssen entweder genügend ressourcen für die unis zur verfügung gestellt werden oder aber der freie hochschulzugang (=lieb gewonnener gartenzwerg im schrebergarten ölan) muss fallen. wenn man das nicht will - was macht man dann in der eu?

pschudo hafer
01
16.10.2009, 11:42

500 studienanfängerInnen? da kann ich nur lachen als studierende der politikwissenschaft...

KoWi aus Überzeugung
01
16.10.2009, 11:28

möchte nur mal klarstellen, dass unser studium, zumindest auf der uni wien, "Publizistik- und Kommunikationswissenschaft" heißt und nicht nur Publizistik.

außerdem studieren viele aus überzeugung und nicht nur weil wir nix besseres gefunden haben.

Esme Weatherwax
42
16.10.2009, 12:48

"außerdem studieren viele aus überzeugung und nicht nur weil wir nix besseres gefunden haben."

Was willst du einmal machen?
Irgendwas mit Määntschn.

Und dann kommt wahlweise je nach Bildungshintergrund der Eltern Frisöse oder Kommunikationswissenschafterin heraus.

champagne
00
16.10.2009, 14:33

hm ihnen ist auch ein bissi fad grad oder?

KoWi aus Überzeugung
12
16.10.2009, 13:52

So ein Blödsinn. Beleidigen Sie nicht irgendwelche menschen wenn Sie keine Ahnung haben, was sie dazu bewegt, das zu tun was sie tun.

no@way
 
00
16.10.2009, 10:28
wenn deutschland den nc nicht aufgibt

und österreich keine beschränkungen einführt, warum nicht mit finanzieller beteiligung deutschlands neue unis bauen? neue arbeitsplätze, genug platz für alle studenten.
übrigends, lieber standard: der numerus clausus ist ja bereits eine Studierendenhöchstzahl, oder nicht?

Fumanschu
00
30.10.2009, 14:31

Das steht ja schon im Artikel: Deutschland hat kein Interesse daran, Geld beizusteuern (wieso auch, die brauchen die Leute ja nicht und haben genau deswegen einen Numerus Clausus).

Lord Schaumloeffel
03
16.10.2009, 10:12
auch wenn das thema emotional ist...

... sollte man es mal von der rationalen seite her betrachten: wenn nur eine bestimmte anzahl von studierendenplätzen vorhanden ist (leider nicht beliebig erweiterbar), sich professoren und lehrbeauftragte nur um eine bestimmte anzahl studierender sinnvoll kümmern kann (nicht beliebig erweiterbar) und auch nur soviel geld vorhanden ist, um einer bestimmten anzahl von studierenden annehmbare bedingungen zu schaffen (wäre erweiterbar, aber auf wessen kosten?) und diese bestimmte anzahl dramatisch und mehr überschritten wird - ja was sollte man dann anderes tun als über eine beschränkung nachdenken? Unis sind kein gasthaus, wo ich bei mehr oder weniger gästen das feierzimmer schnell auf- oder wieder zusperre.

eine kleine dezime
12
16.10.2009, 10:30

mehr professorInnenstellen schaffen; oder auch Lehrstühle

Esme Weatherwax
22
16.10.2009, 12:51

Sonst noch Wünsche?

Dann sollte man diese Institute aber auch in Arbeitslosenproduktionsstelle umbenennen.

GAT
 
02
16.10.2009, 12:33
Genau

Das Problem wird leider immer nur von einer Perspektive aus zu lösen versucht: Studierendenzahlen reduzieren anstatt Lehrendenzahlen zu erhöhen. Und dann wundert man sich über niedrige Akademikerquoten und schlechte Rankingplatzierungen...

139389
01
16.10.2009, 10:11

Nach den ersten 2 Semestern wird es eh ruhig im Hörsaal, dann sind die ganzen "will kann aber nicht" weg.

markusM.
00
16.10.2009, 10:11

kann man diese ausgleichszahlung nicht als studiengebühr einheben und österreichischen staatsbürgern die möglichkeit geben, diese über förderungen wieder zu bekommen, und zwar völlig unabhängig von irgendwas?

salzstreuerIn
00
16.10.2009, 10:03
was heisst revival?

oder les ich grad eine angelsächsische zeitung?

leo lander
01
16.10.2009, 09:42
also in den ersten 2 Wochen damals als ich begann

war es nicht viel anders. Das hat sich aber dann sehr sprunghaft geändert, bis nur noch ca. 1/3 des Hörsaals voll war. Das ist Panikmache, die dazu genutzt wird unliebsame Regelungen zu verwirklichen.

markusM.
00
16.10.2009, 10:07

nur weil die leute nicht in die vorlesung gehen, heißt das ja nicht, dass sie nicht die praktika machen wollen und da knallts dann.

Spanky Ham
00
16.10.2009, 09:51

na aber wenn in einem studiengang am anfang zb 50% deutsche sind und die drop-out quote alle nationalitäten gleichermaßen betrifft, dann haben wir in 2 wochen (/semestern) zwar quantitativ weniger deutsche in dem studiengang - aber immer noch 50%. deutschland will für diese 50%, für bürger ihres landes, nichts zahlen. aber wir sollten? ja - deutschland nimmt auch österreicher auf - wenn man die anforderungen erfüllt. aber es sind prozentuell gesehen bei weitem nicht mal annähernd so viele wie in den besagten überlaufenen studienfächern bei uns.

Mercury12
04
16.10.2009, 09:41
Da hier viele im Forum über die wirtschaftliche Verwendbarkeit eines Studiums sprechen!

Die Wissenschaft ist nicht davon abhängig ob es für das gelehrte Wissen eine dazugehörige Jobbeschreibung gibt. Die Möglichkeit aus Interesse, der persönlichen Weiterbildung oder zur einfachen Wissenserweiterung zu studieren, ohne daraus unmittelbar einen wirtschaftlichen nutzen ziehen zu können ist schon fast eine "Vergewaltigung der brav arbeitenden Steuerzahler". Die einzige Frechheit ist nur, dass nicht alle Menschen diese Möglichkeiten besitzen.

Eine Wissenschaft die sich hauptsächlich am Arbeitsmarkt und der Wirtschaft orientiert, hat diesen Namen nicht verdient. Wir leben und lernen nicht ausschließlich um zu arbeiten. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch Leute gibt die nur aus Faulheit auf der Uni sind!

Blanca Hohn
00
16.10.2009, 10:13
ein griechischer philosoph...

...soll zu einem seiner schüler, der fragte, wozu er denn das, was er lernen würde, brauchen kann, gesagt haben:

"gebt ihm sein geld zurück, er kann es brauchen. er muss von dem, was er lernt, einmal leben!"

Esme Weatherwax
52
16.10.2009, 10:12

Das ist ja nur mehr lächerlich, diese absoluten Verlegenheitsstudien Publizistik, Kommunikationswissenschaften etc. als den Hort wissenschaftlicher Selbstverwirklichung und Stätten der Vermittlung von Wissenserweiterung hochzustilisieren.

Das sind Lemminge, die in diese Studienrichtungen drängen, aber sicher keine akademischen Geister, die nach höherer Weisheit streben.

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