Ein Stock ersetzt das Auge

15. Oktober 2009, 11:24
6 Postings

Der Österreichische Blinden- und Sehbehindertenverband fordert barrierefreie Verkehrsräume

Wien - Anlässlich des "Tag des weißen Stockes" am 15. Oktober macht der Österreichische Blinden- und Sehbehindertenverband (ÖBSV) in einer Aussendung auf die schwierige Situation blinder und sehbehinderter Menschen im öffentlichen Raum aufmerksam.

"40 Jahre, nachdem die Vereinten Nationen den Tag des weißen Stockes ausgerufen haben, sind in Österreich weder Blindenführhunde als medizinische Rehabilitationsmaßnahme anerkannt, noch das unersetzliche Mobilitäts- und Orientierungstraining", erkärt Gerhard Höllerer, Präsident des ÖBSV.

Barrierefreie Verkehrsräume schaffen

Der heutige "Tag des weißen Stockes" ist für den ÖBSV auch Anlass, auf die zahlreichen gefährlichen Hürden im Straßenverkehr hinzuweisen, welche die 318.000 Sehbeeinträchtigten in Österreich tagtäglich überwinden müssen. Höllerer: "Seit einem Jahrzehnt bemüht sich der ÖBSV um die Novellierung der Straßenverkehrsordnung im Sinne der Barrierefreiheit, vor allem bei der Montage von Straßenverkehrszeichen auf Gehsteigen und Gehwegen. Bisher ohne Erfolg." Auch an Wänden angebrachte Briefkästen der Post können mit Blindenstöcken nicht ertastet werden und stellen ebenso gefährliche Hindernisse dar.

"Öffentliche Räume sollen so gestaltet sein, dass sie auch für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind", fordert der ÖBSV-Präsident. Hierzu gehörten taktile Bodenmarkierungen genauso wie Verkehrsampeln mit akustischen Signalen. Verkehrszeichen bei Baustellen dürften keinesfalls scharfkantig sein, Absperrbänder oder -Ketten seien für blinde Menschen mit ihren Langstöcken nicht ertastbar. 

Geräuschlose Elektro- bzw. Hybridautos

Derzeit beschäftigt sich der Österreichische Blinden- und Sehbehindertenverband mit den boomenden Elektro- bzw. Hybridautos. Sehbeeinträchtigte Menschen könnten diese umweltfreundlichen Fahrzeuge kaum wahrnehmen, da diese nahezu geräuschlos unterwegs sind. Der ÖBSV fordert daher den gesetzlich vorgeschriebenen Einbau von akustischen Geräuschen, damit auch visuell beeinträchtigte oder ältere Menschen und Kinder Elektro- und Hybridfahrzeuge wahrnehmen können. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Für sehbehinderte Menschen ein gefährliches Hindernis: Ein Mistkübel, der an der Stange eines Verkehrsschildes montiert ist

Share if you care.