Aufständische greifen drei Polizeistationen an

15. Oktober 2009, 14:06
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Vierzig Tote bei Angriffserie - Aufständische attackierten Polizeiwachen in Lahore - Totes Kind bei Anschlag in Peshawar

In Pakistan regiert der Terror. In den vergangenen zwei Wochen starben bei Anschlägen 140 Menschen. Die Angriffe sind eine Kampfansage an die Regierung, die eine Offensive gegen die Taliban plant.

Islamabad/Neu-Delhi – Pakistan hat einen Tag des Terrors erlebt. Am Donnerstag kam es gleich in drei Städten zu Anschlägen, bei denen mehr als 40 Menschen starben. Betroffen war auch Lahore, das kulturelle und bürgerliche Herz des Landes am Hindukusch.

In einer Art militärischer Kommandoaktion griffen dort drei Terrorteams, bestehend aus insgesamt 25 bis 30 Bewaffneten, zwei Polizeischulen und die regionale Kripo-Zentrale an. Über Stunden lieferten sie sich Feuergefechte mit der Polizei. Zugleich starben bei einem Suizidanschlag in Kohat zehn Menschen. Auch dort war eine Polizeistation Ziel. Am Abend folgte ein Bombenanschlag in einem Wohngebiet in Peshawar.

Noch vor wenigen Wochen hatte sich Islamabad gebrüstet, den Taliban das Rückgrat gebrochen zu haben, doch nun kamen binnen nicht einmal zweier Wochen mehr als 140 Menschen bei Anschlägen ums Leben. Erneut bekannte sich laut Medien der Talibanverband Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) von Hakimullah Mehsud zu den Attacken.

Fast alle Anschläge der vergangenen Tage reklamierten die TTP und ihr Führer Hakimullah Mehsud für sich. Dieser hatte sich an die Spitze der TTP gesetzt, nachdem ihr Chef Baitullah Mehsud im August bei einem US-Drohnenangriff getötet wurde.

Die Milizen scheinen sich schnell neuformiert zu haben und vernetzten sich zusehends mit Al-Kaida und Terrorgruppen wie der LeT aus dem Punjab, dem Machtzentrum Pakistans.

Die Angriffe sind eine Kampfansage an die Sicherheitskräfte, die derzeit eine neue Großoffensive in Südwasiristan planen, der Hochburg der TTP an der afghanischen Grenze.

Mit der Offensive kommt das Militär Forderungen der USA nach, die jenseits der Grenze in Afghanistan gegen die Taliban kämpfen. Sie beklagen seit langem, dass sich Extremisten immer wieder ins pakistanische Grenzgebiet flüchten würden. Der US-Senat hatte zwar jüngst Milliardenhilfen für das Land gebilligt, diese aber an scharfe Bedingungen geknüpft.

Pakistanische Analytiker bezweifeln, dass die neue Offensive erfolgreich ist. Mindestens 10.000 Taliban-Kämpfer sollen sich in Südwasiristan tummeln.

Der jüngste Terror erinnert an die Zeit vor der Geberländerkonferenz im Frühjahr. Damals hatte es zunächst eine Anschlagsserie gegeben, bevor Milliardenhilfen für Pakistan versprochen wurden. Daraufhin startete die Armee folgsam eine Offensive im Swat-Tal. Einige Bewohner klagten jedoch, dass vor allem Zivilisten und Taliban-Fußsoldaten getötet worden seien. Die eigentlichen Führer seien weitgehend unbehelligt geblieben. (Christine Möllhoff/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2009)

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    Die Freude währte nur kurz. Pakistanische Truppen feiern ihren Sieg über Rebellen, die eine Polizeistation in Lahore stürmten. Wenige Stunden später explodierte eine Bombe in Peshawar.

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    Polizisten bereiten sich auf die Erstürmung der Polizeischule in Manawa vor

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