Blau des Wienflusses ist neues Grün der Stadt

14. Oktober 2009, 21:03
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Seoul beschloss den Highway abzutragen und wieder den Fluss zu rekonstruieren, der bis in die Dreißiger durch die Stadt geflossen war - Der Fluss erinnert an den Wienfluss

 Wien - Im aktuellen Stadtentwicklungsplan für Wien, dem Step 05, ist das Wiental als eines von insgesamt 13 Zielgebieten ausgewiesen. Passiert ist bislang nur wenig. Da kam das gestrige Wiental-Symposium in der Urania gerade recht. Auf Initiative der 2007 gegründeteten Wiental Arbeitsgruppe Gebietsbetreuung (WAGG) wurden Vertreter aus Wien und der Welt eingeladen, um sich über die Defizite des Wienflusses einerseits und internationale Best-Practice-Beispiele andererseits auszutauschen.

Trend zur Renaturierung

"Im 19. Jahrhundert wurde Wasser als eine furchterregende Materie wahrgenommen, die mit allen Mitteln gebändigt werden musste" , sagte die Kulturtheoretikerin Elke Krasny, nun mache man die massiven Uferbefestigungen vielerorts wieder rückgängig. Der Trend geht eindeutig zur Renaturierung. Oder anders ausgedrückt: Blau ist das neue Grün.

Seoul trug Highway ab und rekonstruierte Fluss

Im Quellgebiet des Wienflusses ist diese Renaturierung bereits geglückt. Im dichten Stadtgebiet wartet man auf den grünen Ruck nach wie vor. Dass auch im Innenstadtbereich das Unmögliche möglich gemacht werden kann, beweist ein Projekt in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. 2003 beschloss die Stadtregierung, den Highway abzutragen und an seine Stelle wieder jenen Fluss zu rekonstruieren, der bis in die Dreißiger durch die Stadt geflossen war.

Cheonggyecheon erinnert an Wienfluss

"Der Flussquerschnitt des Cheonggyecheon erinnert stark an den des Wienflusses" , erklärte Architektin Bianca Maria Rinaldi, "dennoch darf man nicht den Fehler begehen, Wien mit Seoul zu vergleichen." Auf der einen Seite handle es sich um ein von der Seouler Stadtregierung in nur zwei Jahren stur durchgeboxtes Prestigeprojekt, auf der anderen Seite um ein langwieriges Partizipationsverfahren mit der Bevölkerung.

Bett des Wienflusses nutzbar machen

Auch in Europa gibt es vergleichbare Projekte - etwa die Reintegration des Manzanares in Madrid. "All diese Flussprojekte haben eines gemeinsam" , sagt die Wiener Landschaftsarchitektin Lilli Licka, "sie bieten nicht nur attraktive öffentlich-soziale Freiräume, sondern machen auch die Stadt deutlich lesbar." Es sei dringend nötig, das Bett des Wienflusses, wie dies bereits in vielen anderen Städten geschehen ist, nutzbar zu machen. "Jeder funktionierende Fluss ist eine Verbesserung im Spektrum der Erlebnisräume einer Stadt." (Wojciech Czaja, DER STANDARD Printausgabe 15.10.2009)

 

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    Wien soll Seoul werden: Rückbau des Cheonggyecheon.

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