Pläne für eine Gedenkstätte in Gusen werden konkreter

14. Oktober 2009, 20:32

Bundesdenkmalamt prüft ehemalige NS-Stollenanlage

Linz - Nun scheinen die massiven Proteste gegen die Sicherungsarbeiten durch die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) in der einstigen NS-Stollenanlage "Bergkristall" - der Standard berichtete - doch Wirkung zu zeigen. Am Ausmaß der Betonverfüllung - nach Abschluss der Arbeiten werden von den ursprünglich 7,5 Kilometern nur mehr zwei begehbar sein - ändert sich zwar nichts, aber zumindest vonseiten des Innenministeriums ist man jetzt aktiv geworden. "Es gibt überraschend positive Signale für die seit Jahrzehnten geforderte Gedenkstätte in Gusen", zeigt sich Bürgermeister Erich Wahl im Standard-Gespräch optimistisch.

Konkret hätte es bereits eine Begehung der Stollen durch Verantwortliche des Innenministeriums gegeben, für Mitte November sei ein weiteres Treffen mit dem Bundesdenkmalamt angesetzt. Wahl: "Man hat uns bereits zugesichert, dass Gusen ab dem Jahr 2015 fixer Bestandteil des neuen Konzeptes für die Gedenkstätte Mauthausen sein wird." Parallel dazu gebe es konkrete Pläne für den Ausbau vor Ort. "Wir wollen einen kleinen Teil des Stollens begehbar machen. Auch daran hat das Ministerium jetzt plötzlich Interesse gezeigt", so Wahl. Mit dem Stollen-Projekt könne man aber nicht bis 2015 warten. Wahl: "Das muss schneller gehen, sonst gibt es keine Zeitzeugen mehr. Die Republik ist in der Verantwortung, und es wäre erschreckend, wenn man die zwei bis drei Millionen Euro nicht aufstellen könnte."

Der Standort für die Errichtung eines Konzentrationslagers in Gusen wurde 1938 gleichzeitig mit dem des Hauptlagers Mauthausen bestimmt. Ab dem 25. Mai 1940 wurde Gusen als weitgehend eigenständiges Zweiglager geführt. Unter Tage verlagerten die NS-Schergen die Großserienproduktion von Messerschmitt-Me-262-Düsenjagdflugzeugen. Von den 71.000 Personen, die im Lager inhaftiert waren, kam etwa die Hälfte zu Tode.

Trotz dieser großen Opferzahl blieb der Ort als Gedenkstätte lange unbeachtet, das offizielle Österreich zentralisierte sein Gedenken in Mauthausen. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2009)

per verser
10
17.10.2009, 19:21

mich würde wirklich interessieren, was bezüglich der fekterschen kiesgruben bezüglich zwangsarbeitern im dritten reich rausgekommen ist. gibts schon erkenntnisse? herr perz!

Florian Machl
03
15.10.2009, 07:26
... immer wieder erschreckend

"...und es wäre erschreckend, wenn man die zwei bis drei Millionen Euro nicht aufstellen könnte."
Oh ja, es erschreckt mich auch immer wieder, wie beschämend es ist, dass für aktuelle Bedürfnisse 2-3 lächerliche Millionen nicht aufzustellen sind. Bildungsthemen, Wohnungen und Sanierungen, Bedürftigenförderungen, Kinderbetreuungsplätze. Wie ist es den Bedürftigen unserer heutigen Gesellschaft eigentlich zumutbar, Jahr für Jahr neue Mahn- und Denkmäler für Dinge zu errichten, für die man sich zwar zu Recht schämt, die aber nicht mehr zu ändern sind und viele Generationen zurückliegen? Wo sind die Mahner eigentlich, wenn es darum geht, heutige Menschenrechtsverletzungen, Massenmorde und Staatsterror anzuprangern. Hilft da ein weiteres Mahnmal?

Ich bin klug
11
17.10.2009, 13:18
An Denkmalpflege werden vielleicht 3 oder 4 Euro investiert- pro Kopf und Jahr!

Würde man diesen wichtigen Beitrag zur Volksbildung mit rein verbaler Aufklärungsarbeit kompensieren, so kostete dies mindestens das 10fache.

Diese lächerlichen Summen mit Kindergärten etc aufzurechnen ist nichteinmal mehr ein schlechter Scherz. Kauft weniger Streichhölzer- dann könnt ihr öfters mit dem Privatjet nach Amerika pendeln!

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