Schwedischer EU-Ratsvorsitz soll Lösung zu tschechischen Vorbehalten finden
Paris - Der französische Außenminister Bernard Kouchner hat
am Mittwoch betont, dass "jede Neuverhandlung" des Lissabon-Vertrags,
der eine erneute Ratifikation durch die 27 Unionsländer mit sich
führen würde, "ausgeschlossen" sei. Kouchner rief den schwedischen
EU-Ratsvorsitz dazu auf, "einen Weg" zu finden, damit die vom
tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus vorgebrachten Bedenken
"gelöst" würden.
In einer Rede vor den französischen Parlamentsabgeordneten in
Paris erinnerte Koucher daran, dass Klaus erneut eine
Ausnahmeregelung für Tschechien von der EU-Grundrechtecharta
gefordert hat, weil er befürchtet, dass diese Eigentumsansprüchen von
vertriebenen Sudetendeutschen Tür und Tor öffnen könnte. Der
tschechische Präsident wies darauf hin, dass auch Großbritannien und
Polen Ausnahmeregelungen zugestanden wurden. Der Lissabonner Vertrag
wurde von der tschechischen Regierung unterzeichnet und vom Parlament
ratifiziert, allerdings fehlt noch die Unterschrift des Präsidenten.
"Die Position Frankreichs und aller Partner, die sich bisher
geäußert haben, ist klar: Jede Neuverhandlung des Vertrags, die eine
erneute Ratifikation der 27 erfordern würde, ist ausgeschlossen",
betonte der Chef der französischen Diplomatie und fügte hinzu: "Es
liegt demnach an dem schwedischen EU-Ratsvorsitz, gemeinsam mit den
tschechischen Behörden und allen europäischen Partnern einen Weg zu
finden, damit diese Frage gelöst wird. Dies müsste unter Partnern im
guten Glauben möglich sein, zumal der tschechische Premier (Jan
Fischer, Anm.) selbst betont hat, dass die von Präsident Klaus
aufgeworfene Frage von seiner Regierung bei den Verhandlungen über
den Vertrag in Betracht gezogen worden war."
"Wirkliche europäische Verteidigungspolitik"
Kouchner sagte weiter, dass das Inkrafttreten des Lissabonner
Vertrags Europa Dank der erweiterten Anwendung der qualifizierten
Mehrheit "effizienter" machen und es erlauben werde, die Union durch
einen "stabilen" Ratspräsidenten und einen "hohen Vertreter für die
Außen- und Sicherheitspolitik" zu "verkörpern". Dadurch könne man
"eine wirkliche europäische Verteidigungspolitik" auf die Beine
stellen, "was eine Vorbedingung für die Diplomatie einer Großmacht
ist". Der französische Außenminister betonte weiter, dass für diese
"Schlüsselposten" künftig "starke und einflussreiche
Persönlichkeiten" gefunden werden müssen. Die Versammlung mit den
Parlamentariern fand am Mittwoch in Hinblick auf den nächsten EU-Rat
von Ende Oktober statt. (APA)