Sie tun uns unrecht, Herr Rauscher

14. Oktober 2009, 18:52
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Ihre Worte können wir so nicht stehen lassen, Herr Rauscher! - Eine Erwiderung von Andreas Khol

Eine Erwiderung auf die Kolumne von Hans Rauscher

Ihre Worte können wir so nicht stehen lassen, Herr Rauscher!

Zum einen unterliegen auch Sie einem Irrtum, der sich in den letzten Tagen durch alle Medien zog. Wir fordern nicht, Sozialpartner zu werden, sondern wir verlangen lediglich, dass ein Gesetz eingehalten wird. Denn in der Novelle zum Bundesseniorengesetz 2000 heißt es: "In Angelegenheiten, welche die Interessen der österreichischen Senioren berühren können, ist der Österreichische Seniorenrat den gesetzlichen Interessenvertretungen (...) gleichgestellt." Die Einhaltung von Gesetzen sollte etwas Selbstverständliches sein! Zumal dieses schon seit 9 Jahren (!) in Kraft ist!

Weiters vermischen Sie in Ihrem Artikel die verschiedenen Themen. Was wir erbitten, ist die jährliche automatische Teuerungsabgeltung. Und zwar nach der Senioren-Teuerung. So wie es uns zugesagt wurde, so wie es schon zwei Mal im Nationalrat einstimmig beschlossen wurde. Die Frage ist nicht, ob die Senioren die Guten oder Bösen sind, die Frage ist nicht, ob der PIPH gültig ist - denn dies hat eine Kommission im Sozialministerium längst bestätigt.

Die Fragen lauten vielmehr: Warum bleibt in Österreich kaum jemand bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter im Job? Warum schaffen 5 Bundesländer die Privilegien für ihre Beamten nicht ab - obwohl sie dies vor Jahren versprochen haben und der Bund, sowie 4 Länder dies längst getan haben? Wie soll es mit den so genannten "Sonderpensionsformen" weitergehen?

Das wären dabei nur die Fragen im Bereich der Pensionen, da würde es zu den Themen Verwaltung, Gesundheit und Bildung noch viele weitere Fragen geben.

Wegen 0,4 Prozent mehr Pensionsanpassung (die es übrigens nur bis zu Bruttopensionen von 2.412 Euro gibt, darüber nur Fixbeträge) wird weder das Pensionssystem, noch der Staatshaushalt, noch die Zukunft unserer Jugend krachen gehen. Und wenn wir auf die 0,4 % verzichten, haben die Jungen nichts davon - keine Jobs, keine bessere Ausbildung, keine lange ersehnte Vereinbarkeit von Beruf und Familie, keine geförderte Weiterbildung!

Wenn wir uns gegen die Verunglimpfung der Senioren als "Kukident-Generation" wehren, dann tun wir dies nicht als "beleidigte Leberwürste" , sondern weil dies ausschließlich verwendet wird, um von echten Fragen abzulenken.

Wir wollen die echten Fragen diskutieren - unter Einbeziehung des Seniorenrats und unter Einbindung der Bundesjugendvertretung, der ein solcher Status unverständlicher Weise verwehrt wird!

Sie sehen: Wir Senioren sitzen nicht Tauben fütternd auf Parkbänken und warten darauf, dass uns gnadenhalber ein Wahlzuckerl zugeworfen wird. Vielmehr verärgert uns eine solche Vorgangsweise, wehren wir uns, regelrecht in Geiselhaft genommen zu werden. Wir wollen Zukunft mitgestalten, gemeinsam mit allen Generationen. Stellen wir daher endlich die richtigen Fragen - gemeinsam! (Andreas Khol, DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2009)

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