Bewusste Inszenierung des Gesagten

14. Oktober 2009, 18:30
posten

Schüssel, Grasser, Gusenbauer und Faymann wählten sorgsam Rahmen und Worte

Wolfgang Schüssel hielt als Bundeskanzler die "Rede zur Lage der Nation". Er tat dies im Konzerthaus oder im Redoutensaal der Hofburg. In prächtigem Rahmen jedenfalls, um das Gesagte bedeutungsschwanger zu unterstreichen. Meist gerieten die Reden allerdings zu Wahlkampfansprachen.

Auch dem roten Kanzler Alfred Gusenbauer reichte die Ansprache am ersten Mai am Rathausplatz nicht, ihn zog es ebenfalls in den Redoutensaal. Für Gusenbauer ging sich in seiner Amtszeit allerdings nur eine einzige Rede an die Nation aus.

Bundeskanzler Werner Faymann wählte bewusst ein anderes Ambiente, die SPÖ musste für ihn einen Auftritt im U-Bahn-Bahnhof Wien-Erdberg organisieren.

Dass sich der Finanzminister an die Nation wendet, hat ebenfalls Tradition, auch wenn dies üblicherweise im Parlament und in Form der Budgetrede geschieht. Karl-Heinz Grasser hat diese Auftritte stets zelebriert. Nach der Regierungserklärung war die Budgetrede jeweils der zweitgrößte Auftritt der Regierung im Parlament. "Ein guter Tag beginnt mit einem sanierten Budget", spielte er auf den Werbeslogan des Kurier an. "Weg mit dem Speck" war eine andere Anleihe.

Finanzminister Josef Pröll war es bei seiner Budgetrede im April dieses Jahres nicht vergönnt, die Kunde vom sanierten Budget zu verbreiten. Die gnadenlose Selbstvermarktung, die Grasser betrieben hatte, schien Pröll damals noch fremd, mit seiner Rede im Finanzministerium am Mittwoch hat Pröll allerdings nachgezogen. Ähnlich wie Grasser bedient sich auch Pröll einer PR-Agentur (namens Headquarter) zur optimalen Inszenierung. Die Firma wird von zwei ÖVP-Leuten betrieben. Über die Beraterkosten schweigt Pröll. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.10.2009)

Share if you care.