Südafrikanische Bedrohungsszenarien

14. Oktober 2009, 18:22

Unbegründet nennt die Regierung von Südafrika die Sorgen, dass die WM-Endrunde am 11. Juni 2010 ein geeigneter Zeitpunkt für Terrorattacken im Land sein könnte. Polizei und Geheimdienst seien bestens gerüstet

Pretoria/Wien - Die renommierte Zeitung Sunday Independent hat in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida das Treffen der Fußballwelt zu Anschlägen auf US-Ziele im Staat am Kap nützen wolle. Das hätten abgehörte Handy-Gespräche belegt, das sei auch der Grund für eine zweitägige Schließung der US-Botschaft in Pretoria gewesen. Das Blatt beruft sich auf eine ungenannte Quelle, die von einer Terrorverbindung zwischen Pakistan und einem ostafrikanischen Land berichtet. Terroristen sollen demnach aus diesem Staat nach Südafrika eingeschleust werden, wo auch US-Präsident Barack Obama zur Eröffnung der WM am 11. Juni erwartet wird. Die Verdächtigen hätten zudem Kontakte zu osteuropäischen Waffenhändlern.

Südafrikas Polizeichef Bheki Cele hatte in Hinblick auf die zweitägige Schließung der US-Botschaft sowie aller Konsulate im Lande erklärt, der Geheimdienst habe alles unter Kontrolle. Zudem hätten die Al-Kaida-Mitglieder, durch die Schließung der US-Botschaft gewarnt, mittlerweile ihre Handys ausgetauscht. Die Sprecherin des nationalen Geheimdienstes (NIA), Lorna Daniels, betonte im Rundfunk, ihre Behörde nehme mögliche Bedrohungsszenarien ernst. Der NIA arbeite mit anderen internationalen Geheimdiensten zusammen.

Operative Zellen

In den Medienberichten kam der Leiter des Zentrums für internationale politische Studien in Pretoria, Hussein Solomon, mit der Warnung zu Wort, dass Extremisten in Südafrika bereits operative Zellen gegründet hätten. Auch die internationale Polizeiorganisation Interpol habe ähnliche Warnungen geäußert, ohne dass die Behörden reagiert hätten.

Drei Wochen nach der plötzlichen zweitägigen Schließung aller diplomatischen Vertretungen im Land ist die US-Botschaft in Südafrika am Dienstag ohne Angabe von Gründen vorübergehend sogar evakuiert worden. Eine Botschaftssprecherin erklärte wenig später lediglich, in der diplomatischen Vertretung gebe es eine Reihe von Routine- und Nichtroutine-Übungen. In südafrikanischen Medien wird seit Tagen über mögliche Terroranschläge gegen US-Ziele während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika spekuliert.

Die erste WMauf afrikanischem Boden ist auch sonst sicherheitstechnisch anspruchsvoll. Mit bis zu 500.000 Besuchern aus aller Welt wird gerechnet. Um die hohe Alltagskriminalität in den Griff zu bekommen, soll das Polizeikorps um rund 55.000 auf 190.000 Personen aufgestockt werden. Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich auf umgerechnet 64 Millionen Euro. Zusätzlich anzuschaffende Ausrüstung wie Hubschrauber und Wasserwerfer kosten nach Angaben der südafrikanischen Sicherheitskräfte etwa 66 Millionen Euro. "Die WM wird die sicherste sein, die wir jemals organisiert haben" , versprach der Generalsekretär des Fußball-Weltverbandes (Fifa), Jerome Valcke.

Bewachte Camps

Bewachte Fan-Camps sollen einerseits das Fehlen adäquater Unterbringungsmöglichkeiten kompensieren helfen, anderseits aber auch die Arbeit der Sicherheitskräfte erleichtern. "So könnten wir einen großen Sicherheitsring um die Spielstätten ziehen, in dem sich die Zuschauer bewegen. Und die Fans könnten sicher vom Camp zum Spiel und wieder zurückgebracht werden" , sagte Irvin Khoza, der Präsident des Organisationskomitees. Die Terrorgefahr schätzt Khoza als geringer ein, "aber ein Event dieser Größenordnung zieht immer Kriminelle an" . NIA-Sprecherin Daniels sprang ihm bei. Ihre Behörde habe wirklich alles unter Kontrolle. (APA, sid, red - DER STANDARD PRINTAUSGABE 15.10. 2009)

hans wurst
 
00
15.10.2009, 10:36
Ich bin mir sicher,

dass sich Selbstmordattentäter von Überwachungskameras abhalten lassen. Da kann man nämlich im Nachhinein dann feststellen wer der Übeltäter war und ihn dingfest machen!

Ja genau!

DeKa
11
14.10.2009, 22:58
ich kann es nicht mehr hören!

dieser scheiß Terrorismus! Wenn dich einer Sprengen will, dann schaft er es auch so, ohne überwachungsstaat! I...wann würden sie uns halt treffen...

BeachBum
04
14.10.2009, 22:09
Keine anderen Sorgen als imaginärer Terror?

Als jemand der über ein Jahr in Kapstadt gelebt hat frage ich mich ob nicht andere "Sicherheitsprobleme" während der WM ernster zu nehmen sind. Z.B. stelle ich mir tausende betrunkener und hemmungsloser Fußballfans in den Straßen um das Stadion in Jo'burg vor, dort wo man sonst nicht mal bei roter Ampel mit dem Auto stehen bleiben sollte. Nicht falsch verstehen, ich liebe Südafrika! Ein geniales Land mit vielen liebevollen Menschen! Jedoch ist Vorsicht geboten...

suboptimal
 
03
15.10.2009, 01:41
Das ist doch der FIFA wurscht.

Bei der Generalprobe, dem Confederations Cup 2009, konnten nicht einmal Teams davor bewahrt werden, in ihren Hotels ausgeplündert zu werden. Darüber durfte aber in europäischen Medien nicht berichtet werden. Da wurden nur die Tröten und die Transportprobleme bemängelt, und zwar die der südafrikanischen Zuschauer in die Stadien. Von 500.000 Besuchern aus dem Ausland und den normalen tagtäglichen Sicherheitsproblemen war gar keine Rede.

Dort braucht man keine Al Kaida zum Fürchten.
http://www.welt.de/sport/fus... fuehl.html

duke box
00
15.10.2009, 09:07

ein team wurde im hotel "ausgeplündert", und das von selbst mitgebrachten leichten damen.

Ahnungs Loser
04
15.10.2009, 15:49
also

das hotelzimmer von bierhoff wurde WÄHREND der gruppenauslosung, an der er teilgenommen hat, ausgeräumt. von dem österreichischen ex-torhüter, den sie am golfplatz ershcossen haben, um ihm sein handy und die geldtasche zu stehlen (!!) wollen wir gar nicht sprechen...

duke box
00
15.10.2009, 17:55

zwischen "ganze teams ausplündern" und "dem bierhof wurde was aus dem zimmer gestohlen" ist aber doch ein unterschied.

letzteres kann ihm in italien genauso passieren.

suboptimal
 
01
16.10.2009, 14:39
Aus Südafrika hört man,

dass sogar zwei Teams betroffen waren, dass Beckenbauer diesen Vorfall und das allgemeine Kriminalitätsproblem dort sehr wohl öffentlich angesprochen haben und von der FIFA (!) scharf zurückgepfiffen worden sein soll.
Weiters zerbrechen sich Südafrikaner den Kopf darüber, was wohl mit den 55.000 extra (nur?) für die WM angeworbenen Polizisten passieren wird, wenn sie nach der WM nicht mehr gebraucht werden und ob Tausende erstklassige Waffen und Ausrüstungsteile der Entlassenen den üblichen Weg auf den Schwarzmarkt finden werden? Eine gruselige Vorstellung für viele.

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