EU-Fortschrittsberichte

Kroatien vor EU-Beitritt, harte Kritik an Ankara

14. Oktober 2009, 17:39
  • Fortschrittsbericht Kroatien, Türkei und ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien

  • Fortschrittsbericht Albanien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Serbien und Kosovo

Kroatien ist bei EU-Verhandlungen in der Zielgeraden - Türkei steckt in Reformvorhaben fest, erntet harte Kritik - Mit Mazedonien sollen EU-Verhandlungen bald beginnen

Ankara/Brüssel/Wien - Die Grenzstreitigkeiten mit Slowenien und die daraus erwachsende Blockade der Verhandlungen hätten den Beitrittsprozess Kroatiens um ein Jahr verzögert. Nach der Annäherung "nähert sich Kroatien nach vier Jahren der Beitrittsverhandlungen jetzt aber der Ziellinie" , stellte EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn am Mittwoch fest.

Der Finne präsentierte in Brüssel den jährlichen Fortschrittsbericht der Kommission zum Gesamtstand der Erweiterung auf dem Westbalkan und mit der Türkei. Bei Kroatien seien die Verhandlungen "auf technischer Ebene" praktisch zu Ende. Wenn Zagreb sich anstrenge, könnten sie 2010 auch politisch abgeschlossen werden. Diplomaten gehen davon aus, dass Kroatien 2012 als 28. Mitglied der EU beitritt.

Im Fortschrittsbericht wird kritisiert, dass Kroatien nach wie vor Probleme im Bereich von Justiz und Grundrechten wie auch bei den Wettbewerbsregeln zu lösen habe. Auch im Verkehrsdossier gebe es Versäumnisse.

Verbreitete Korruption

Dass die organisierte Kriminalität, Korruption, Mangel an Rechtsstaatlichkeit auf dem Westbalkan ein generelles Problem darstelle, wird in den Berichten der Kommission hervorgehoben. Das gilt auch für Mazedonien, den nördlichen Nachbarn von Griechenland, der seit 2005 Beitrittskandidat ist.

Rehn hatte für Mazedonien am Mittwoch dennoch eine erfreuliche Nachricht parat: Er empfahl die Aufnahme von konkreten Beitrittsverhandlungen. Anders als Albanien habe Mazedonien "überzeugende Fortschritte" gemacht. Ein konkretes Datum nannte die Kommission jedoch nicht. Darüber müssen die Regierungen der Mitgliedstaaten einstimmig entscheiden. Neben Mazedonien haben Albanien und Montenegro ein Beitrittsgesuch gestellt. Nur Serbien, Bosnien-Herzegovina und der Kosovo haben keinen Antrag gestellt.

Durchwachsen fällt der Jahresbericht für die Türkei aus, was den neuen türkischen Europaminister Egemen Bagiº nicht hinderte, diesen als "den bis jetzt objektivsten Bericht" zu loben. Seine Regierung sei ernsthaft bemüht, die Schwierigkeiten zu lösen.

Verletzung der Grundrechte

An Problemen mit der Türkei listet die EU-Kommission, wie vom Standard berichtet, eine ganze Menge auf: Das größte Hindernis für den EU-Beitritt sei die Verletzung der Grundrechte, wo es auch vier Jahre nach Verhandlungsbeginn kaum Fortschritte gebe. Meinungs- und Pressefreiheit, Gleichstellung von Mann und Frau, Religionsfreiheit, Gewerkschaftsrechte, zivile Kontrolle über das Militär seien nicht garantiert. Positiv werten die EU-Prüfer Fortschritte im Verhältnis zu Armenien (siehe rechts) wie auch beim Umgang mit der kurdischen Minderheit.

"Ernste Sorgen" brachte Rehn im Zusammenhang mit der Meinungs- und Pressefreiheit zum Ausdruck, nachdem dem Medienzaren Dogan Yayin in einem umstrittenen Steuerverfahren eine Milliardenstrafe angehängt worden war. Laut Rehn sehe das nach "politischer Strafe" aus. Er zeigte sich auch "sehr enttäuscht" , dass dem Autor Orhan Pamuk ein neuer Prozess gemacht werden soll.

Nachhaltige Kritik muss Ankara sich im Zusammenhang mit der Nicht-Anerkennung des EU-Mitglieds Zypern gefallen lassen: Beim Zollprotokoll seien keinerlei Fortschritte sichtbar. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2009)

Kommentar posten
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Dido54
 
00
29.12.2009, 21:53
Zur Info

für alle die so große Angst vor dem Unbekannten haben ist sogar auf Deutsch
http://video.google.at/videoplay... lam&hl=de#

Jup posts
01
15.10.2009, 17:54
Ok

die EU hat heute mit Suedkorea ein Freihandelsabkommen unterschrieben, laut EU das wichtigtse jemals getroffene mit einem Drittstaat. Und im Standard findet man dazu nichts. So sieht also Qualitaetjournalismus aus. Zum Glueck gibts BBC World Business News. Dort wars eh nur die Hauptmeldung.

Chris Quast
01
16.10.2009, 17:18

dauert vielleicht seine zeit, obwohl onlinemedien ein bissal schneller sein könnten.

zumindest hab ich heute in der print-presse davon gelesen

American
32
15.10.2009, 12:56
Super. Noch mehr potenzielle Blockierer!

Man hätte schon Tschechien nicht gebraucht. Ich finde die EU ist schon groß genug und arme Staaten braucht die EU eh nicht.
Also im dem Fall - bitte draussen bleiben.

Seria
00
26.10.2009, 22:13

wie würden die USA aussehen, wenn man die armen Bundesstaaten hinausschmeissen wollte?

Walter Bimini
00
7.12.2009, 18:08
wo sehen sie die reichen us bundesstaaten?

die us steuerbehörde ist für jede diesbezügliche meldung dankbar.

Franz Fuchsberger
00
16.10.2009, 23:29
TROTTL

Timagoras
 
11
16.10.2009, 10:10
"und arme Staaten braucht die EU eh nicht"


was für ein quargel!
schon mal was von solidarität gehört?
außerdem kommt alles mal retour, was man in die entwicklung armer (nachbar)staaten investiert.

Walter Bimini
00
7.12.2009, 18:09
selbst ich erwarte mir vorteile davon. nämlich ein schnelleres ende der eudssr. deshalb sollen der brüssler auschuß möglichst alle großen armen länder aufnehmen.

Alba Timur
21
16.10.2009, 18:30

so dachte man... aber die rechnung ist nicht aufgegangen.

Chris Quast
00
16.10.2009, 17:21

schon mal was von solidarität gehört? ja aber nicht gegenüber allen herren länder.

obwohl ich auch meine de balkan, gehört nach und nach zu eu. bei der türkei sehe ich diese perspektive nciht.
ist ja balkan mal 5, hinsichtlich solidaritätsgedanken (sprich kosten).

Timagoras
 
00
19.10.2009, 09:36
"ja aber nicht gegenüber allen herren länder"


wer spricht von "aller herren länder"?

im artikel geht's um Kroatien und der vorposter sprach von tschechien.
es geht also im engeren sinne um diese beiden länder, im weiteren sinne um die europäischen nachbarn bzw. die "noch fehlenden balkanländer".

Chris Quast
00
19.10.2009, 13:54

schön wenns es so eng sehen, aber es gibt phantasten, die zumindest turkei, ukraine, vielleicht noch eine paar kaukasusstaaten und um das portfolio abzurunden noch israel. (wären vielleicht sogar nettozahler, wenn sie in einem möglichen krieg mit arab/persischen staaten nicht plattgemacht wurden).
dann erst werden manche phantasten ein bissal warten und mit nordafrika weitermachen. da sag ich nein danke !!

ich sehe die eu grenze balkanhalbinsel und aus. nordische staaten wenns noch wollen (norw., island) und die schweiz. das wars aber dann schon.

ukraine eher nein, turkei noch weniger nein und rußland schon gar nicht !

Timagoras
 
00
19.10.2009, 17:41
"dann erst werden manche phantasten ein bissal warten und mit nordafrika weitermachen"


ich glaube, das phantasieren liegt in dem fall ganz bei Ihnen.

Chris Quast
00
20.10.2009, 11:16

versteh ich nicht das post ?

1. gibt es ja meinungsbildner, die sich eine sehr sehr ausgedehnte eu vorstellen können

oder meinens dass das phantasieren auf meiner seite liegt, weil die phantasten nicht noch ein bissal warten, sondern weil bereits auch in diese richtung (nordaf.) vorgefühlt, lobbying betrieben wird ?

stimmt eigentlich, sarkozys mittelmehr-union, nimmt ja das schon vorweg. und der ist ja kein niemand in der eu, wie zb ein lawrence gonzi (hat weit weniger gewicht)

Franz Fuchsberger
01
16.10.2009, 23:32
TRO..L, wo is "de" Balkan eigentlich? Freunde "de" Sonne

Chris Quast
00
17.10.2009, 13:39

der Balkan "is" hier irgendwo http://de.wikipedia.org/wiki/Balk... halbinsel.

"is" ja nicht so schwer oder. :-)

Sobieski, Jan III.
25
15.10.2009, 11:40
TR: Mitglied der Europäischen Union ??

Warum will man uns dauernd einprügeln, dass sich die Türkei auf dem Weg nach Europa befände - mal etwas mehr, mal etwas weniger.

Dieses Land war niemals Teil Europas und wird niemals Mitglied der Europäischen Union sein.

Ich sehe neben vielen anderen Inkompatibilitäten lediglich ein Schwellenland, aus welchem Menschen fliehen um in Österreich um Asyl anzusuchen. Wie z.B. jene 64 Herrschaften am Wochenende.

(Schade, wieder ein Posting getippt zu haben, welches niemals durchgeschalten wird)

Chupacabra11
11
8.11.2009, 12:56

Die Türkei ist sogar "europäischer" als manche Europäer, die noch im Europa des Ultrakatholizismus und Antisemitismus leben. Ich würde eher sagen, rein in die EU mit der Türkei, damit erstens die laizistischen Kräfte gestärkt werden und endlich die "normalen, aufgeklärten" Türken Fuß fassen wollen und nicht nur billige, sich für die besseren Türken haltende Arbeitskräfte hergekarrt werden, für die sich die gebildeten TürkInnen schämen. Korruption haben wir in A, F, I,... genug, da sind wir nicht besser, Nationalisten treiben auch überall in der EU ihr Unwesen...

Zuericher
00
19.10.2009, 17:58
Alleine der Name (Sobieski, Jan III.), zeigt an, in welchem Zeitalter ihr Weltbild stecken blieb

Zeit, in der Gegenwart anzukommen. Leider gibt es noch viel zu viele Ewiggestrige mit einem verstaubten Weltbild und nationalitischen Scheuklappen.

Ich bin klug
22
15.10.2009, 14:33
Mit Ausnahme der osmanischen Epoche war die Türkei immer europäisch.

Die heutige Türkei ist sicher europäischer als so manche Balkanregion. Trotzdem wäre es maßlos übertrieben, den jetztigen Prozess "Verhandlungen" zu nennen. Nach über fünf Jahren gibt es erst ein abgeschlossenes Kapitel von 35, 12 Kapitel liegen überhaupt auf Eis und bei den übrigen 22 kann man "kooperativen Stillstand" beobachten.

Dido54
 
00
28.12.2009, 19:38
Besuchen sie ....

Besuchen Sie mal das Toplapi Museum ist übrigens auf der Europäischen Seite in Istanbul. Da werden sie sehen Wie viel Geschenke von Königen und Kaisern aus Europa (aus Österreich ist auch grad nicht wenig) an die Sultane gemacht worden.

Franz Fuchsberger
03
16.10.2009, 23:34
Tuerkei besteht nicht nur aus Istanbul.

Alba Timur
11
16.10.2009, 18:33

ist ein land besser und moderner wenn es europäisch ist???

Ich war ein Freund des EU-Beitritts. Heute bin ich voll überzeugt gegen einen EU-Beitritt der Türkei. Die Türkei braucht keinen EU-Beitritt, keine EU und keine EU-Verhandlungen. Sie wird auch ohne die EU Herr ihrer Lage in ihrer Region... Und danach wird sich die Türkei sowieso von selbst nicht mehr um die EU scheren...

Timagoras
 
11
16.10.2009, 10:17
"Mit Ausnahme der osmanischen Epoche war die Türkei immer europäisch"


also mit ausnahme der 570 jahre zwischen 1350 bis 1920.

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