Wie kolumbianische Guerilleros der Hirnforschung halfen

14. Oktober 2009, 19:00
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Forscher führten Gehirnscans bei 20 Menschen durch, die erst als Erwachsene lesen lernten

London - Sprache ist, so wie das Weinen, eine auf den Menschen beschränkte Fähigkeit. Während Sprechen für uns gleichsam etwas "Natürliches" ist, benötigt das Lesen indes intensives Training. Wie und wo sich das im Kopf abspielt war für die Hirnforschung bislang nicht so ganz klar - zumal wir neben dem ABC in der Kindheit noch viele andere Dinge lernen.

Mehr Licht ins Dunkel der grauen (Lese-)Zellen konnte nun ein internationales Forschungsteam mit ziemlich ungewöhnlichen Testpersonen bringen: 20 kolumbianische Ex-Guerilleros, die erst als Erwachsene lesen lernten, ließen sich mittels Magnetresonanztomografie ins Gehirn schauen. Ihre Hirnscans wurden anschließend mit Aufnahmen von 22 noch analphabetischen Kollegen verglichen.
Dabei zeigte sich erstens, dass die des Lesens Mächtigen mehr graue Zellen in der linken Hemisphäre hatten. Zweitens bestätigte sich, dass eine Region namens Gyrus angularis eine entscheidende Rolle beim Lesen spielt. Allerdings funktioniert Gyrus angularius anders als bisher gedacht, so die Forscher in der aktuellen Ausgabe von "Nature" (Bd. 461, S. 983): nämlich nicht wie ein Wörterbuch, das Buchstaben eines Wortes in Bedeutung übersetzt, sondern eher wie die Textfunktion beim SMS: Die Hirnregion nimmt vorweg, was die Augen sehen werden. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 15. 10. 2009)

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