Das Pech der Aufzeichnung

14. Oktober 2009, 17:14
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Es war eine von der Nachrichtenlage begünstige ZiB 2

Es war dies eine von der Nachrichtenlage begünstige ZiB 2 - gleich zwei Personen waren zu interviewen: Der "erste Diener Niederösterreichs" (Erwin Pröll über Pröll) erklärte, warum er doch kein Hofburgkandidat sei; Sturzlegende Maier nannte Gründe, warum er von der Schneeraserei genug habe. 

Beides solide Interviews. Maier wurde unterstellt, vielleicht doch nicht aus freien Stücken den Rückzug angetreten zu haben, was dieser dementierte. Auch dass er schon früher seine Karriere hätte beenden sollen, war ein Gedanke, dem er nichts abgewinnen konnte. Frau Thurnher ließ ihn also sympathisch erscheinen.

Bei Pröll langte sie ein bisschen härter zu: Liege sein Rückzugsgrund in der mangelnden Unterstützung durch den Neffen/Vizekanzler Josef oder gar in einer zu geringen Euphorie weiter Teile der ÖVP? Womöglich sogar im Unwillen potenter Parteimitglieder oder -freunde, für die nötige Finanzierung des Wahlkampfs zu sorgen? Angesichts des ausgesprochenen Undenkbaren blieb Pröll durchaus gelassen, nur einmal brach Authentisches heraus: "Frau Thurnher, Sie haben doch in Niederösterreich gearbeitet! Sie kennen doch die Szene - man sollte die finanzielle Schlagkraft Niederösterreichs nicht unterschätzen!" Eine angenehme ZiB 2 also, nur mit einem Schönheitsfehler: Es waren beide Herrn nicht live dabei, Pröll wurde aufgezeichnet. 

Leider, wer weiß, was in einer Dreierkonstellation passiert wäre! Maier hätte sich womöglich Pröll als Bundespräsidenten gewünscht; Pröll, gerührt, hätte sich doch für eine Hofburgkandidatur erwärmt - vorausgesetzt, Maier würde von seinem Rücktritt zurücktreten, was dieser begeistert getan hätte. Die ZiB 2 hätte womöglich die Geschichte umgeschrieben. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD; Printausgabe, 15.10.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Maier und Pröll

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