Chinesische Autoren uneinig über Ehrengast-Rolle

14. Oktober 2009, 16:45
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Stimmen der Wahrheit gesucht

Frankfurt/Main - Der Ehrengast China hat auch am ersten Tag der Frankfurter Buchmesse Diskussionen ausgelöst. Zahlreiche Fragen waren im Vorfeld der weltgrößten Bücherschau aufgetaucht. Exil-Autoren und in dem Riesenreich lebende Schriftsteller hatten am Mittwoch dazu durchaus unterschiedliche Meinungen. Auch Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller äußerte sich dazu kritisch.

"Die chinesischen Funktionäre haben zur Eröffnung der Buchmesse von blühenden Landschaften für die Literatur gesprochen - aber sie verlieren kein Wort über inhaftierte Schriftsteller, über Zensur und Verbot", kritisierte die Schriftstellerin und Umweltaktivistin Dai Qing. Großveranstaltungen böten immer wieder eine Chance zum Dialog, "die aber regelmäßig von der Regierung als Plattform für ihre Interessen" missbraucht werde.

Ma Jian, in China verbotener und seit Jahren in Londoner Exil lebender Schriftsteller, nannte die Einladung Chinas eine "an sich gute Sache", aber Stimmen der Wahrheit werde man bei den nach Deutschland abgesandten Funktionären und Schriftstellern nicht finden. "Während sie in ihren schicken Anzügen hier herumlaufen, sitzen in China zahlreiche Autoren im Gefängnis."

"Die Einladung war ein Fehler und hat keinen Sinn", betonte Zhou Qing. Der Journalist war wegen kritischer Berichterstattung über die von zahllosen Skandalen gebeutelte chinesische Lebensmittelindustrie ins Visier der Zensurbehörden geraten.

"Denken Sie an den Künstler Ai Weiwei, der von Sicherheitsleuten zusammengeschlagen wurde. Es ist traurig, dass man sich damit arrangiert, es relativiert und versucht, einen Kompromiss zu finden, der China präsentabel macht", meinte Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. Es sei wichtig, "dass man die Diktaturen dieser Welt beobachtet und sie nicht einfach gewähren lässt", fügte sie an. (APA/dpa)

 

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