Streit um Sarazins Entmachtung

14. Oktober 2009, 16:38
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Ex-Industriellenchef Henkel greift Bundesbank scharf an: "Peinliches opportunistisches Verhalten"

Berlin - Die Entmachtung des deutschen Bundesbank-Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin nach seinen umstrittenen Äußerungen über Migranten stößt ist zum Teil auf Kritik gestoßen. Der CDU-Finanzexperte Otto Bernhardt und der SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Danckert kritisierten die Entscheidung. Ex-Industriellenchef Hans-Olaf Henkel stellte sich ausdrücklich hinter den früheren Berliner Finanzsenator Sarrazin (SPD) und ging die Bundesbank scharf an, der er "peinliches opportunistisches Verhalten gegenüber der Politik" vorwarf. "Eine souveräne, selbstbewusste und unabhängige Bundesbank hätte nicht so kindisch auf Ihre Aussagen reagieren dürfen", schrieb Henkel in einem offenen Brief an Sarrazin.

"Über Sarazins Äußerungen lasse sich diskutieren"

Die Entmachtung Sarrazins sei "nicht transparent und nicht nachvollziehbar", weil ihm Bereiche weggenommen worden seien, die nichts mit seinen Aussagen zu tun hätten, sagte der bisherige finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Otto Bernhardt, der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch. Der SPD-Abgeordnete Danckert sagte, über die Äußerungen lasse sich sicherlich diskutieren. "Aber eine Entmachtung, wie sie jetzt die Bundesbank vorgenommen hat, ist nicht die richtige Sanktion", sagte Danckert dem Blatt.

CDU-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach wandte sich gegen Sarrazins Wortwahl. Diese könne er nicht akzeptieren, sagte er im ARD-Morgenmagazin. Seinem Anliegen habe er einen Bärendienst erwiesen. Zugleich betonte Bosbach, dass Sarrazin auf viele Punkte "mit guten Gründen" hinweise. Wer Probleme tabuisiere, löse sie nicht. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) sagte im SWR, in der Sache habe Sarrazin insofern recht, dass es Defizite in der Integrationspolitik gebe. Er frage sich aber, ob solche Kritik nicht so formuliert werden könne, dass Menschen dabei nicht persönlich beleidigt würden oder polemisch daher geredet werde.

Die Bundesbank hatte Sarrazin am Dienstag die Zuständigkeit für den wichtigen Geschäftsbereich Bargeld im Vorstand abgenommen. Der frühere Berliner Finanzsenator hatte in einem Interview über die türkischen und arabischen Einwanderer in Berlin gesagt, diese hätten "keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel" und "produzierten ständig neue kleine Kopftuchmädchen". Laut einer Umfrage hat Sarrazin eine Mehrheit der Deutschen auf seiner Seite. (APA)

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