"Hermann ist richtig geschafft"

14. Oktober 2009, 16:14
24 Postings

Comeback ausgeschlossen - Respekts- bezeugung von Bode Miller

Wien - Der "Tag danach" war für Hermann Maier kaum weniger anstrengend als der Dienstag, an dem Österreichs Ski-Superstar in Wien nach 13 Weltcup-Wintern überraschend sein spontanes Karriere-Ende bekanntgegeben hatte. Der 36-jährige Salzburger verbrachte auch den ganzen Mittwoch noch für Medientermine in der Bundeshauptstadt, ehe er am Abend dem Trubel endgültig den Rücken kehrte. Was Maier künftig macht, ist offen.

Österreichs Medien hatten jedenfalls am Mittwoch nur ein Front-Thema. Maiers emotionaler Rücktritt fand sich in allen Tageszeitungen auf den Titelseiten wieder, und besonders emotional reagierten die Maiers Fans im Internet. "Mit deinem Rücktritt brauchen wir in Österreich keinen Winter mehr", schrieb etwa Fan Christian. In den ausländischen Zeitungen wurde festgehalten, dass ganz Österreich mit Maier weine.

"Koloss, der zwei Mal gelebt hat"

"Die Wintersportnation Österreich verneigt sich vor Hermann Maier", schrieben etwa die Stuttgarter Nachrichten. Die Financial Times Deutschland hielt fest: "Für die Skination Österreich ist das eine Zäsur". Il Giornale (Italien) bezeichnet Maier als den "Koloss, der zwei Mal gelebt hat", und der Schweizer Tagesanzeiger meinte, Maier sei der einzige seiner Zunft gewesen, "der weltweit für Furore sorgt, wenn er irgendwo einen Saal betritt."

Maier selbst hatte am Dienstagabend noch einen Fernseh-Auftritt in der Spät-ZIB und nach einer aufgewühlten und kurzen Nacht in einem Wiener Innenstadthotel am Mittwoch früh einen Radio-Auftritt im Ö3-Wecker absolviert. "Hermann ist richtig geschafft. Der Rücktritt war eine der größten Kraftanstrengungen seines Lebens", berichtete Maiers Pressebetreuer Walter Delle Karth, der den Salzburger Doppel-Olympiasieger und dreifachen Weltmeister in den vergangenen fünf Jahren und über rund 130 Rennen begleitet hatte.

"Es war immer klar, dass er so gehen wird wie er gekommen ist. Spontan und plötzlich", hatte Österreichs Alpinchef Hans Pum nach dem Rücktritt der Ski-Ikone festgestellt. Dass Maier ein Comeback feiern könne, wird kategorisch ausgeschlossen, und das hat nichts mit seinen bald 37 Jahren zu tun. Dabei hatte Maier selbst in der ZIB mit der Aussage überrascht, dass er sich im kommenden Winter durchaus noch einen Sieg oder zumindest Spitzenplätze zugetraut hätte.

Maier: "Ich schließe nichts aus"

Als Realist, der mit beiden Beinen am Boden steht, ist und bleibt der Rücktritt aber beschlossene Sache. "Das war's. Ein wunderbarer Lebensabschnitt legt hinter mir", versicherte der vierfache Weltcup-Gesamtsieger. Sein Ehrgeiz, den er im Skirennsport an den Tag gelegt hatte, werde nun eben bei den neuen Dingen erwachen, hielt Maier fest und machte klar: "Ich schließe nichts aus, denn Ziele sind sehr wichtig für mich. Ich kann mir ein Leben mit Nichtstun nicht vorstellen und ich brauche weitere interessante Kapitel in meinem nächsten Leben." Aber jetzt freue er sich in erster Linie auf die Zeit die komme und auf das Genießen: "Fad wird mir jedenfalls nicht werden."

Selbst der zuletzt so wortscheue Bode Miller, langjähriger Konkurrent Maiers und nun alleiniger Topstar beim Skierzeuger Head, reagierte einen Tag nach seinem 32. Geburtstag in seinem Blog auf www.universalsports.com auf den Maier-Rücktritt. "Dass jemand nach einer so langen Karriere mit 36 Jahren zurücktritt, ist keine große Überraschung. Er hatte enorm viel Erfolg.... Einen Burschen, der so viel erreicht hat, muss man respektieren", meinte der US-Skistar, der ebenfalls mit einem Rücktritt geliebäugelt hatte, nun aber doch weitermacht.

Ob Maier nun tatsächlich und spontan in den Süden zum Kitesurfen, zu einem schlichten Urlaub abrauscht oder kommende Woche doch wie ursprünglich geplant zu PR-Zwecken beim Weltcup-Opening in Sölden erscheint, war vorerst offen. Dass Maier wie schon in den vergangene Wintern trotz Rennstress eine aktiver Natur-Genießer ist und seinen Sport über alles liebt, bewies er mit einem seiner Statements einen Tag, nachdem er vom Skirennsport zurückgetreten war. Der nunmehrige Ex-Rennfahrer, der irgendwann ganz bestimmt ein großes Abschiedsfest geben wird, zeigte sich nämlich geradezu begeistert vom Wintereinbruch und den weißen Berggipfeln. "Ich freu mich wahnsinnig auf's Skifahren", so Maier. (APA)

Share if you care.