Arbeit hält Pensionisten gesund

15. Oktober 2009, 09:22
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Körper und Geist profitieren von Altersteilzeit-Modellen - Wissenschaftler schlagen eine "Übergangsbeschäftigung" vor

College Park/Klosterneuburg - Statt völlig in Ruhestand zu gehen, sollten Senioren bei ihrer offiziellen Pensionierung besser in die Altersteilzeit wechseln. Das würde das Krankheitsrisiko verringern, die Bewältigung des Alltags fördern und geistige Funktionen besser erhalten, berichten Psychologen der Universität Maryland im Journal of Occupational Health Psychology. Ausgehend von den Ergebnissen einer landesweiten Studie in den USA schlagen die Wissenschaftler eine "Übergangsbeschäftigung" in Form einer Halbtagsstelle, einer freiberuflichen Tätigkeit oder einer vorübergehende Aushilfstätigkeit vor. "Die Suche nach einer passenden Beschäftigung in der Pension kann Senioren den Übergang in den Ruhestand erleichtern und zum Erhalt körperlicher und geistiger Gesundheit beitragen", so Studien-Mitautorin Kenneth Shultz.

Gesünder mit Übergangsbeschäftigung

Ausgewertet wurde die "Health and Retirement Study", die 12.000 Teilnehmer im Pensionsantrittsalter sechs Jahre lang regelmäßig nach Gesundheit, Finanzen, Beschäftigung sowie Arbeits- oder Pensionsalltag befragte. Zur Feststellung der Gesundheit wurden ärztliche Beobachtungen zu Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Herz- und Lungenkrankheiten, Schlaganfall oder psychiatrische Probleme berücksichtigt, daneben auch demografische Angaben. Es zeigte sich, dass Pensionisten mit Übergangsbeschäftigungen gesünder waren als Renter im völligen Ruhestand. Auch die geistige Fitness, die man per Fragebogen erhob, blieb bei Arbeitstätigkeit eher erhalten. Weniger Vorteile zeigten sich allerdings, wenn nach der Pensionierung ein Wechsel in neue Berufsfelder stattfand, was vor allem bei finanziellen Engpässen der Fall war. Als Ursache vermuten die Studienautoren Anpassungsprobleme an neue Arbeitsbedingungen. "Erfolgt der Spartenwechsel nicht freiwillig sondern infolge einer Notwendigkeit, können die Vorteile einer Übergangsbeschäftigung oft nicht ausgenutzt werden", so Studienleiter Mo Wang.

"Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden"

Dass Altersteilzeit eine gute Übergangsform in den Ruhestand darstellt, betont auch Stefan Bayer, Präsident der österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin. "Oft schieben Menschen Unternehmungen wie etwa Reisen auf die Zeit nach der Pensionierung auf. Erreichen sie jedoch dieses abrupte Ende von 40 auf null Arbeitsstunden, empfinden sie dies oft wie den Sturz in einen Abgrund. Gerade in dieser Phase kommt es oft zu bösartigen Erkrankungen", erklärt der Mediziner. Erklärbar sei dies durch die stressbedingte Hormonausschüttung, die die totale Lebensumstellung mit sich ziehe, sowie durch das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. "Eine Weiterführung der Berufstätigkeit in reduzierter Form vermittelt hingegen das Bewusstsein, weiterhin einen sinnvollen Beitrag liefern zu können. Daneben können auch die Firmen vom Potenzial ihrer pensionierten Mitarbeiter profitieren", so Bayer.

Der Arbeitsmediziner empfiehlt Mitarbeitern kurz vor dem Pensionsantritt, mit ihren Betrieben ein Modell des Übergleitens in den Ruhestand auszuhandeln. "Trotz geringerer Arbeitsstunden und Gehalt kann so die Verbindung eines Mitarbeiters mit dem Unternehmen weiter aufrecht erhalten werden." Umgesetzt werde das bisher am ehesten in Banken, im Dienstleistungsbereich oder in der Industrie, wenn Pensionisten etwa als Tutoren für die Einschulung von Berufsanfängern herangezogen werden. Dieses Modell sei allerdings in der Praxis durch zahlreiche Hürden belegt, sei es der Verlust der Pensionszahlungen ab bestimmter Einkommensgrenze oder die Versicherungsproblematik. "Scheint es auch demografisch sehr wahrscheinlich, dass die Altersteilzeit in Zukunft stärker betont wird, spricht die derzeitige Arbeitsmarktpolitik eine andere Sprache", kritisiert Bayer. (pte)

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    Oft erkranken Menschen unmittelbar nach der Pensionierung ernsthaft

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