Mit kugelfester Jacke

14. Oktober 2009, 16:33
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Unauffällig muss sie sein und einen relativen Schutz vor Geschoßen aller Art bieten - Letzteres schlägt sich im Preis zu Buche

Miami - Auch in der größten Sommerhitze trägt Jorge Cardenas seine Kapuzenjacke, wenn er die Bankomaten auffüllt. Das 1.000 Dollar teure Stück im Hip-Hop-Stil ist ein wenig voluminös, aber bequem und modisch - und kugelfest. "Es geht darum, nicht aufzufallen", erklärt er. Cardenas trägt wie manch andere mit riskanten Jobs Schutzkleidung, die ganz normal aussieht und nicht so ins Auge fällt wie die üblichen Westen, wie sie die Polizei benutzt.

Nicht viele wissen, dass es so etwas überhaupt gibt: Es sind nur wenige, meist ausländische Hersteller, und sie machen nicht groß Werbung. "Meistens ist es Mundpropaganda", sagt John Sexton, der eine Sicherheitsfirma führt. Die meisten seiner US-Kunden verlangten keine Schutzkleidung. "Die Unternehmen, die einplanen, dass etwas schief gehen kann, sind eindeutig in der Minderheit."

Wirklich schusssichere Bekleidung gibt es nicht

Eines muss allerdings klar sein: Keine Weste ist für jegliches Geschoß undurchdringlich. Doch kugelfeste Kleidung kann abgestuften Schutz bieten, von kleinkalibrigen Handfeuerwaffen bis zu Hochgeschwindigkeitsgewehren. Die Preislagen reichen von unter 1.000 Dollar (670 Euro) für ein schlichtes Hemd, das gegen viele Handfeuerwaffen schützen soll, bis zu mehreren tausend Dollar für eine schicke Lederjacke mit höchstmöglichem Schutz.

Nur ein Designer, Miguel Caballero, spielt auf dem US-Markt eine größere Rolle. Er erhofft sich Wachstumschancen. Seine Firma mit Sitz in Kolumbien, die auch herkömmliche Schutzwesten für Polizei und Militär anbietet, verkaufte vergangenes Jahr kugelfeste Kleidung für Zivilpersonen im Wert von 6,4 Millionen Dollar (4,3 Millionen Euro). Das entspricht 40 Prozent des Umsatzes.

Sicherheitskleidung ist nicht gerade preisgünstig

Die Kleidungsstücke werden in Kolumbien hergestellt, erhalten in Mexiko den letzten Schliff und werden aus der Gegend um Miami vertrieben. Sie bestehen aus dicht gewebten, besonders festen und leichten Aramidfasern, wie sie unter anderem unter dem Markennamen Kevlar bekannt sind. Der Preis richtet sich nach Modell, Größe und Schutzgrad. Ein Polohemd daraus kann rund 4.000 Dollar (2.700 Euro) kosten.

Cardenas hat sein schussfestes Hoodie im Juni gekauft. Nach einer Reihe von Raubüberfällen auf Sicherheitsfirmen in Südflorida hatte die Polizei ihm geraten, sich beim Befüllen und Leeren seiner Bankomaten zu schützen. Mit Schutzklasse II soll die Kapuzenjacke Handfeuerwaffen standhalten, wie sie gewöhnlich beim Straßenraub benutzt werden, nicht aber beispielsweise einem Sturmgewehr. "Doch in solch eine Situation kommen wir wohl nicht", hofft er. Cardenas zieht die Jacke jedenfalls auch bei Affenhitze an und bereut die Ausgabe nicht. "Wie viel ist einem sein Leben wert?", fragt er. (APA/AP)

  • Schutzkleidung von Miguel Caballero spielt auf dem US-Markt eine größere Rolle.
    foto: www.miguelcaballero.com

    Schutzkleidung von Miguel Caballero spielt auf dem US-Markt eine größere Rolle.

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