Zugangsbeschränkungen gegen deutsche Studierende schon jetzt möglich

14. Oktober 2009, 13:27
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Muss nach Wunsch der Unis von der Bundesregierung genehmigt werden - Unis Salzburg, Klagenfurt und Wien überlegen Antrag für Kommunikationswissenschaften

Wien - Unabhängig von den bereits bestehenden Zugangsbeschränkungen in den Fächern Medizin, Psychologie und Veterinärmedizin wären Aufnahmeverfahren als Mittel gegen den Studentenansturm aus Deutschland auch in anderen Studien jetzt schon möglich - und zwar in jenen Fächern, in denen es einen Numerus clausus (NC) zumindest in einem deutschen Bundesland gibt. Das sieht Paragraph 124b des Universitätsgesetzes (UG) vor.

Bisher haben Universitäten von dieser Möglichkeit noch nicht Gebrauch gemacht, hieß es auf Anfrage der APA im Wissenschaftsministerium. Allerdings prüfen derzeit die Unis Salzburg, Klagenfurt und Wien einen gemeinsamen Antrag für die Kommunikationswissenschaften.

Für Zugangsbeschränkungen Antrag aller österreichischer Universitäten notwendig

Notwendig für eine Zugangsbeschränkung ist ein Antrag aller österreichischer Universitäten, an denen das betreffende Studium angeboten wird. Vor einem solchen Antrag muss den einzelnen Senaten der betroffenen Unis Gelegenheit zu einer Stellungnahme gegeben werden. Liegt schließlich ein Antrag vor, muss der Wissenschaftsminister einen entsprechenden Vorschlag an die Bundesregierung machen, die dem zustimmen muss. Voraussetzung dafür ist, dass durch "die erhöhte Nachfrage ausländischer Staatsangehöriger die Studienbedingungen in diesen Studien unvertretbar sind", wie es im UG heißt.

Gibt die Regierung grünes Licht, kann durch Verordnung die Zahl der Studienplätze für Studienanfänger festgesetzt und die Rektorate ermächtigt werden, ein qualitatives Aufnahmeverfahren festzulegen. Die Mindestzahl an Studienplätzen darf dabei die durchschnittliche Anzahl der Studierenden dieses Studiums in den vergangenen drei Jahren nicht unterschreiten.

Schutzbestimmung bei Kommunikationswissenschaften

Erstmals könnte die Schutzbestimmung im Studium Kommunikationswissenschaften eingesetzt werden. Die Universitäten Salzburg, Wien und Klagenfurt sammeln derzeit die dafür erforderlichen Daten, erklärte der Salzburger Vizerektor Rudolf Mosler gegenüber der APA. Sobald diese vorliegen, wollen die Unis entscheiden, ob es einen gemeinsamen Antrag gibt, "wir möchten es auf jeden Fall machen", sagte Mosler, der damit rechnet, dass es im November so weit sein kann.

In Salzburg ist man heuer bereits mit rund 500 Studienanfängern in den Kommunikationswissenschaften konfrontiert, im vergangenen Jahr waren es 240. Der Anteil der Deutschen sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und liege derzeit bei knapp 50 Prozent. Aber nicht nur die deutschen Studenten stellen die Uni Salzburg damit vor Probleme, "wir haben insgesamt zu wenig Plätze, das ist mit unseren Ressourcen nicht machbar". So musste nicht nur mit den Vorlesungen in Veranstaltungshallen ausgewichen werden, es gibt bereits auch zunehmend Probleme, Lehrende für so viele Studenten zu finden. "Der Markt an externen Lehrbeauftragten ist leergefegt", sagte Mosler.

Probleme in Salzburg

Vor Probleme stellt der Studentenzuwachs die Uni Salzburg zunehmend auch in den Erziehungswissenschaften, Rechts- und Wirtschaftsstudien sowie Biologie. Und ohne bereits existierendes Zulassungsverfahren in Psychologie wären dort alle Grenzen gesprengt: Beim Vorverfahren hatten 600 Interessenten alle Voraussetzungen erfüllt, 246 davon wurden dann aufgrund des Aufnahmeverfahrens ausgewählt, 70 Prozent davon sind Deutsche.

Die Uni Klagenfurt hat Unterstützung für einen Antrag der Salzburger angekündigt - "nicht nur aus Solidarität, sondern auch im eigenen Interesse", so Vizerektor Hubert Lengauer gegenüber der APA. Noch vor Ende der Inskriptionsfrist für das Wintersemester hätten sich mehr Studierende für Kommunikationswissenschaften angemeldet als Studienplätze für das ganze Jahr vorgesehen und finanziert seien. Inklusive Sommersemester erwartet Lengauer etwa doppelt so viele Studierende wie vorgesehen und finanziert. "Es entstehen also unzumutbare Engpässe, und wir können unter solchen Umständen eine angemessene Ausbildung nicht garantieren."

Uni Wien überlegt noch

Und an der Uni Wien, wo man betont, dass noch keine Entscheidung über den Antrag gefallen sei und die Koordination bei Salzburg liege, sei der allgemeine Trend zu mehr Studenten auch in der Publizistik spürbar, dies sei "eines der nachgefragtesten Studien", sagte eine Sprecherin. (APA)

 

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