Insolvenzverwalter muss aufs Tempo drücken

14. Oktober 2009, 12:52
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Düsseldorf - Der ehrgeizige Zeitplan von Insolvenzverwalter Jörg Nerlich für den Verkauf des insolventen Versandhandelskonzerns Primondo wackelt. Alle Bieter stellten Bedingungen für eine Übernahme der Arcandor-Tochter um das Traditionshaus Quelle, wie sein Sprecher am Mittwoch sagte. Nerlich will die Zukunft von Primondo bis Ende Oktober oder Anfang November geklärt haben. Quelle-Betriebsratschef Ernst Sindel räumte ein, dass das Zeitfenster bis zum Abschluss der Verhandlungen "anspruchsvoll" sei. Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtete, Nerlich werde sich "mit großer Sicherheit" noch im Oktober mit einem Investor einig, die Verhandlungen seien sehr weit gediehen.

Sindel geht von drei ernsthaften Bietern für die komplette Arcandor-Versandhandelssparte aus, Nerlich hatte von vier Interessenten mit Branchenerfahrung gesprochen - was Finanzinvestoren nicht ausschließt. "Wir haben noch keine Absage bekommen", sagte sein Sprecher. Zu Namen wollten sich weder er noch Sindel äußern. Zuletzt war unter anderem der Investor Sun Capital gehandelt worden, der Arcandor vor Jahren den Versender Neckermann abgekauft hatte.

Nerlichs Sprecher sagte, möglich sei auch ein Abschluss mit dem Käufer unter dem Vorbehalt, dass die ausstehenden Probleme noch gelöst würden. Alle Bieter drängten darauf, den Abbau von 3.700 der 10.500 Stellen noch vor dem Verkauf abzuschließen. Nerlich hatte sich für den Abbau von gut einem Drittel der Arbeitsplätze bis Jänner Zeit gegeben, 3.100 Mitarbeiter haben bereits die Kündigung bekommen.

Helfen soll der Insolvenzanwalt auch bei den Verhandlungen mit der Hausbank Valovis. Der Vertrag über die Vorfinanzierung der Kundenforderungen - die eine Ratenzahlung erst ermöglicht - läuft nur bis zum Jahresende. Bereits die letzte Verlängerung im September war schwierig gewesen. Auch mit der Post-Tochter DHL, die das riesige Logistikzentrum von Quelle in Leipzig betreibt, und den IT-Dienstleistern werde derzeit verhandelt.

Nerlich hat zwei Termine im Auge: die Gläubigerversammlung am 11. November und die Vorbereitung für die Frühjahrssaison. Die Kataloge und die Sortimentsgestaltung müssten eigentlich bis November stehen, sagte Betriebsratschef Sindel. Er lobte er den Insolvenzverwalter: "Wir spüren ein ernsthaftes, intensives Bemühen zur Gewinnung eines Investors." (APA/Reuters)

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