Metaller über Flexibilisierungswünsche verärgert

14. Oktober 2009, 12:06
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"Zweier" vor dem Komma wackelt - Am 16. Oktober wird weiter verhandelt

Wien - Möglicherweise keinen "Zweier" vor dem Komma könnte es heuer aber bei den Metallern geben. Nach einer ersten unterbrochenen KV-Runde am vergangenen Freitag verhandeln die Sozialpartner für rund 170.000 Beschäftigte am 16. Oktober weiter. Aufgrund der Wirtschaftskrise und der starken Einbrüche in der Industrie und der niedrigen Inflation wird heuer mit einem deutlich niedrigeren Ergebnis als in den vergangenen Jahren gerechnet.

Haben die Metaller im Vorjahr noch mit einem Plus von 3,9 Prozent bei einer Inflation von 3,2 Prozent abgeschnitten, so stöhnen die Arbeitgeber bereits bei dem im September erfolgten Abschluss der Brauer von rund 1,7 Prozent (Erhöhung der kollektivvertraglichen Löhne und Gehälter um 1,2 Prozent plus einem Fixbetrag in der Höhe von 11 Euro). Basis für die Metallerverhandlungen ist eine Inflationsrate von 1,5 Prozent (September 2008 bis September 2009). Die beiden Arbeitnehmer-Spitzenverhandler Metaller-Chef Rainer Wimmer und Karl Proyer fordern einen realen Zuwachs. Hermann Haslauer von den Arbeitgebern hat eine Nulllohnrunde ausgeschlossen.

Abgelehnt werden von den Gewerkschaften die Flexibilisierungswünsche der Unternehmer. Gefordert wurde unter anderem eine Ausweitung der Durchrechnungszeiträume auf zwei Jahre. Dabei wollen die Arbeitgeber Lohnerhöhungen mit zusätzlichen Flexibilisierungsmaßnahmen junktimieren.

52 Wochen

Grundsätzlich beläuft sich derzeit der Durchrechnungszeitraum auf bis zu maximal 52 Wochen. Der jeweilige Kollektivvertrag kann allerdings eine Übertragungsmöglichkeit von Zeitguthaben in den nächsten Durchrechnungszeitraum zulassen.

Einig sind sich die Sozialpartner, dass beim heurigen Abschluss besonders viel Kreativität gefragt sein wird. Vorbild sein könnte dabei der Abschluss der Elektro- und Elektronikindustrie vom vergangen Frühjahr. Dabei wurde mit einer Konjunkturklausel für die Unternehmen ein entsprechender Spielraum geschaffen. Die Löhne- und Gehälter für die rund 50.000 Beschäftigten der Branche wurden per 1. Mai um 2,2 Prozent erhöht. Unternehmen, die im 1. Quartal 2009 im Jahresvergleich einen Umsatzrückgang von mindestens 15 Prozent verzeichnen, können sich auf betrieblicher Ebene auf eine Senkung der Ist-Löhne auf 1,4 Prozent einigen. Im Jahr 2010 werden die Ist- und die KV-Löhne dann per 1. Mai um 1,1 Prozent plus die durchschnittlich Inflationsrate angehoben.

Eine Lohn- und Gehaltserhöhung mit einem "Einser" vor dem Komma wäre für die Metaller jedenfalls ein Ausrutscher nach unten. In den vergangenen zehn Jahren betrug die geringste Erhöhung 2,1 Prozent bei einer Inflationsrate von 1,3 Prozent. (APA)

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