"Man schämte sich, Vista mitentwickelt zu haben"

14. Oktober 2009, 13:00
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Windows 7 soll seinen Vorgänger vergessen machen - "Vista war das größte Debakel in der Firmengeschichte"

Der US-Softwarekonzern Microsoft wird am 22. Oktober seine Post-Windows Vista-Phase einläuten. Microsoft hat in den letzten Jahren einen drastischen Wandel durchlebt: Als Antwort auf das Vista-Debakel wurden neue Strategien, eine neue Art Software zu entwickeln und auch ein neues Selbstbild geschaffen, wie CNN Fortune vermeldet.

"Man schämte sich für Vista"

"Vista war das größte Debakel in der Firmengeschichte. Die Leute schämten sich zu sagen, dass man bei Vista mitgearbeitet hatte", so wird ein ehemaliger Senior Executive von Microsoft von CNN zitiert. Tatsächlich lief beim Start des Betriebssystems so ziemlich Alles falsch: Vista verlangte nach High-End-Hardware - in einer Phase wo die KonsumentInnen verstärkt auf leistungsschwächere Note- und Netbooks setzten. Das aufgeblasene Betriebssystem erwies sich als inkompatibel zu Druckern, Webcams und es gab kaum Treiber. Viele Early Adopters kehrten Vista den Rücken und gingen zu Windows XP zurück. Unternehmen sparten sich den Umstieg überhaupt zur Gänze.

Windows 7 - das positivere Vista

Am 22. Oktober wird sich bei Microsoft wohl viel Freude einstellen. Immerhin wird dann Windows 7 kommen und Windows Vista vergessen machen. Windows 7 erntete wesentlich bessere Kritiken als sein Vorgänger, auch wenn es Stimmen gibt, die darin nur ein Vista-Update erkennen und sicherlich kein "neues Betriebssystem". Update oder echte Neuerung - egal. Es scheint zu funktionieren.

Der Feind im Inneren

Die weltweite Wirtschaftskrise hat auch beim Microsoft ihre Spuren hinterlassen. Im Zuge der Einsparungswelle wurde auch das traditionelle Entwicklungsschema überdacht und geändert. Hatte Steve Ballmer früher mit Ansagen zu Google ("Nur ein Kartenhaus") oder Linux ("Ein Krebsgeschwür") aufhorchen lassen, so musste der Softwarekonzern erst erkennen, dass sein Kerngeschäft nicht von diesen Mitbewerbern bedroht war. Weiterhin laufen 95 Prozent aller PCs weltweit unter Windows. Der Feind musste also im Inneren zu suchen sein.

Die Wende

Einen Grund fand man in seinem traditionellen Entwicklungsschema: Bei Windows Vista passierte es, dass Anwendungen, die von unterschiedlichen Teams ohne direkten Kontakt entwickelt wurden, am Ende nicht kompatibel waren. "Wir mussten den EntwicklerInnen jene Klarheit geben die offensichtlich fehlte"; so Steven Sinofsky gegenüber Fortune. "Das Ziel war einen Feature-Plan zu schaffen, aber nicht nur einen Plan - auch die entsprechende Motivation."

Auch Google muss sich ändern

Microsoft hat mit Bing einen Akzent gesetzt, den es nun auszubauen gilt. Der Dauerkonkurrent Google soll endlich attackiert werden. Die Frage ist jedoch, ob Microsoft nicht einfach nur abwarten muss. Google hat nun ebenfalls mit all jenen Vorwürfen zu kämpfen, die Microsoft jahrelang verfolgt haben: etwa die Themen Monopolstellung und Datenschutz. Während Google immer unbeliebter wird, kann Microsoft darauf hoffen, davon zu profitieren.(grex)

  • Steve Ballmer musste eine der schmerzlichsten Niederlagen in der
Unternehmensgeschichte von Microsoft einstecken und hat nun einen
Wechsel eingeläutet.

    Steve Ballmer musste eine der schmerzlichsten Niederlagen in der Unternehmensgeschichte von Microsoft einstecken und hat nun einen Wechsel eingeläutet.

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