Händler wollen über den Metallern abschließen

14. Oktober 2009, 17:38
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Das Feilschen um die Gehälter im Handel beginnt. Die Gewerkschaft fordert höhere Abschlüsse als für die Metaller

Das Feilschen um die Gehälter im Handel beginnt. Die Gewerkschaft fordert höhere Abschlüsse als für die Metaller. Doch die Konsumkrise beginnt erst, warnen Arbeitgeber. Manch Handelskette steht finanziell an der Kippe.

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Wien - Österreichs Handel steht auf dem Prüfstand. In den kommenden Wochen wird die Latte für die Gehälter von 520.000 Angestellten gelegt. Die Zeichen stehen auf Sturm: Es geht um schlechtbezahlte Verkäufer und kriselnde Handelskonzerne, um eine Belebung des Konsums und die Angst vor steigender Arbeitslosigkeit. Und selten zuvor prallten unterschiedliche Positionen so hart aufeinander wie heuer.

"Kann der Handel höhere Gehälter abschließen als die Metaller? Ja, er kann. Und wenn es einen Zeitpunkt gibt, an dem das möglich ist, dann diesen Herbst" , gibt der Gewerkschafter Karl Proyer die Stoßrichtung vor. Für ihn liegt die Sache klar auf der Hand: Es gehe hier nicht um volkswirtschaftliche Bilanzen, sondern um jene des Handels. Die stellten sich gut dar. Besser als in vielen anderen Sparten. Und davon sollten auch die Beschäftigten profitieren. Ihre Gehälter zählten im Branchenvergleich nach wie vor zu den niedrigsten.

Eine Kassiererin im Supermarkt verdient nach neun Jahren in einer Vollzeitstelle rund 1500 Euro brutto im Monat, rechnet Proyers Kollege Manfred Wolf vor. Anfangs ge-be es vielfach gerade einmal 1240 Euro. In vielen Betrieben sei es zu Lohnkürzungen gekommen, da die Teilzeitbeschäftigung noch einmal verringert wurde. Weniger Mitarbeiter sorgten daher derzeit mit höherem Arbeitseinsatz für die gleichen Umsätze und Gewinne.

Ein Blick in die Bilanzen großer Handelsketten offenbare industrieähnliche Ergebnisse, meint Proyer. Es gebe natürlich einzelne Sparten mit Problemen, unterm Strich aber keinen Anlass, um in Klagen über die Krise miteinzustimmen. Er will reale Gehaltserhöhungen - vor allem für die unteren Einkommen.

Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbands, zeichnet ein völlig anderes Bild des Handels. Ein Abschluss über jenem der Metaller sei riskant und fahrlässig. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass die Krise den Konsum nicht treffe. Sie schlage im Zuge der wachsenden Arbeitslosigkeit zeitverzögert durch. Noch gelte der Handel als konjunkturstabilisierend. Aber das sei nicht für die Ewigkeit, viele Kapitaldecken seien ausgedünnt. Das bestätigen Experten aus dem Bankenkreis: Einige große Handelsketten stünden derzeit finanziell an der Kippe, ihr Fortbestand hänge an der Unterstützung der Kreditgeber. Es gehe um tausende Jobs.

Angst um Arbeitsplätze

Das wichtigste sei, Arbeitsplätze zu erhalten, meint Fritz Aichinger, Verhandler auf der Arbeitgeberseite. Es sei richtig, dass sich der Handel bisher gut behauptet habe, alles in allem werde sich heuer dennoch kein reales Plus ausgehen.

Der Gewerkschafter Franz Georg Brantner sieht in höheren Gehaltsabschlüssen einen Garant dafür, den Konsum anzukurbeln: Das zusätzliche Geld werde nicht gespart. Aichinger sieht das differenzierter. Erstmals verhandelt wird heuer am 28. Oktober, der letzte Termin ist für 27. November angesetzt. 2008 wurde eine Erhöhung der Gehälter um 3,6 Prozent beschlossen.

Bei den Metallern könnte es diesmal keinen "Zweier" vor dem Komma geben. Nach einer ersten KV-Runde verhandeln die Sozialpartner kommenden Freitag weiter. Aufgrund der Krise, der starken Einbrüche in der Industrie und der niedrigen Inflation wird mit einem deutlich niedrigeren Ergebnis als in den Vorjahren gerechnet. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.10.2009)

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    Süß beschenkt werden die Beschäftigten des Handels selten, die Krise macht das Arbeitsumfeld noch rauer. Fette Gewinne machen derzeit freilich auch nur wenige ihrer Arbeitgeber.

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