Neue Hürden vor dem Finale

14. Oktober 2009, 17:58
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Angeblicher Termin für Übernahmevertrag mit Magna - Zähe Gespräche mit Spanien

Wien - Berichte über neue Hürden und optimistische Ansagen über eine unmittelbar bevorstehende Vertragsunterzeichnung prägten am Mittwoch das Bild der Verhandlungen über die Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel. Verhandler sagten zunächst, der Vertrag zwischen dem bisherigen Eigentümer General Motors (GM) und den Käufern, ein Konsortium aus Magna und der russischen Sberbank, könnte noch am Donnerstag unterzeichnet werden.

Die Internet-Zeitung Echo-Online meldete sogar, dass es für die Unterzeichnung des Vertrages bereits einen Termin beim Notar geben soll. Nach dem Treffen wollten GM, Opel und Magna die Übernahme in einer unspektakulären Pressemitteilung bekannt geben. Ein öffentlicher Akt sei nicht geplant, hieß es.

Doch für Magna könnten sich auch neue Fronten aufgetan haben. Die Financial Times Deutschland berichtete nämlich zunächst, dass der Opel-Betriebsrat im Gegenzug für die Beteiligung der Arbeitnehmer an der Sanierung des Unternehmens einen zusätzlichen Platz im Aufsichtsrat möchte. Im Opel-Aufsichtsrat sitzen 20 Personen, die Hälfte stellen Kapitalvertreter, die andere Vertreter der Belegschaft. Der Hintergrund:Die Gewerkschaften verhandeln derzeit mit Magna über ihren Beitrag an der Restrukturierung des Autobauers. Die rund 55.000 Opel-Beschäftigten in Europa sollen durch Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld oder Lohnerhöhungen bis 2014 jährlich 265 Millionen Euro einsparen. Dafür werden sie mit zehn Prozent an "NewOpel" beteiligt.

Neue Verhandlungen

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz widersprach aber dem Zeitungsbericht. "Diese Forderung wurde von uns nie erhoben" , sagte Franz, eine Unterzeichnung am Donnerstag "sei machbar" .

Unabhängig von den Gesprächen mit dem Betriebsrat, sollten am Mittwoch auch die Verhandlungen zwischen Magna und der spanischen Regierung weitergehen. Für die Übernahme von Opel wollen die Käufer ja Staatshaftungen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro.

Den ersten Teil der Hilfen hat Deutschland allein vorfinanziert. Nun sollen weitere Staaten, darunter Spanien, Großbritannien, Belgien und Österreich, mit ins Boot.

Aus Spanien, aber auch aus Großbritannien und Belgien waren Vorbehalte gegen den Verkauf laut geworden. Dort fürchtet man, dass die Lösung die deutschen Standorte bevorzugt.

Bei denGesprächen in Spanien hat Magna für das Opel-Werk nahe Saragossa noch am Dienstagabend einen neuen und verbesserten Vorschlag vorgelegt. Zuvor hatten die spanischen Gewerkschafter den Verhandlungstisch verlassen und wegen drohendem Stellenabbau mit Streiks gedroht. Eine Zustimmung der Gewerkschaft für den Deal ist aber rechtlich keinesfalls obligatorisch.

Einen Durchbruch gab es hingegen in Großbritannien:Arbeitnehmervertreter erzielten mit Magna eine Vereinbarung zur Sicherung der Vauxhall-Werke. Nach Angaben der Gewerkschaft Unite vom Dienstag erklärt sich Magna darin bereit, keine betriebsbedingten Kündigungen in Großbritannien auszusprechen. Vauxhall beschäftigt rund 5500 Menschen, die meisten von ihnen in den Werken in Luton und Ellesmere Port. (szi, Reuters, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.10.2009)

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