"Wohnen zwischen den Kriegen"

20. Oktober 2009, 16:17
posten

Sonderschau im Hofmobiliendepot zeigt Möbeldesign 1914 bis 1941

Wien - Möbel und ihre Geschichte: Im Wiener Hofmobiliendepot startet am 14. Oktober die Sonderausstellung "Wohnen zwischen den Kriegen. Wiener Möbel 1914-1941". Diese setzt sich anhand neun exemplarischer Beispiele für bürgerliche Wohnungseinrichtungen mit dem Möbeldesign der Zwischenkriegszeit auseinander. "Wien hat eine spezifische Art des modernen Wohnens entwickelt", erklärte Kuratorin Eva Ottillinger während einer Presseführung am Dienstag. Im Mittelpunkt der Schau stehen auch die Schicksale der Architekten und Auftraggeber des gezeigten Mobiliars.

In der Bundeshauptstadt wurde zwischen I. und II. Weltkrieg eine ganz spezielle Ausprägung der Wohnungseinrichtung populär - die sogenannte "andere" Moderne. Statt auf Industrialisierung und Bauhaus-Design, wie international üblich, hätten sich in Wien Qualität, Individualität und raffinierte Designs durchgesetzt. Typisch für die damalige Zeit waren laut Ottillinger zum Beispiel "riesige" Vorhänge und flexible Kleinmöbel. Bequemlichkeit hatte damals Vorrang vor Repräsentation.

Architekten Josef Frank und Oskar Strnad

"Wohnen zwischen den Kriegen" zeigt Einrichtungen aus Beispielwohnungen, die unter anderem von den Architekten Josef Frank und Oskar Strnad - den Wegbereitern der "anderen" Moderne - gestaltet wurden. Das Mobiliar ist dabei jeweils als Raumfragment auf farbigen Podesten positioniert. An Tafeln in der gleichen Farbe wie das Podest sind die Lebensgeschichten der dazugehörigen Architekten und Auftraggeber dargestellt. Zusätzlich veranschaulichen Originalfotos der Zimmer, wie die Wohnungen vollständig eingerichtet ausgesehen haben.

Ausgestellt ist auch ein Schlüsselwerk der Wiener Wohnkultur um 1930: eine vom Architekten Ernst Plischke für die Künstlerin Lucie Rie gestaltete Wohnung. Plischke schuf ein für die damalige Zeit modernes Ambiente mit raffinierten Einbauschränken aus Nussholz und unterschiedlichen Sitzmöbeln, die flexibel umgestellt werden konnten. In einem gesonderten Bereich widmet sich die Ausstellung am Beispiel der Siedlerbewegung und der Gemeindebauten dem sozialen Aspekt des Wohnens im "Roten Wien".

Die Schau hat vor dem Hintergrund der spannungsreichen politischen Geschichte der Zwischenkriegszeit auch einen zeitgeschichtlichen Kontext. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das "Dritte Reich" im Jahr 1938 waren viele der Gestalter und Auftraggeber der gezeigten Wohnungsbeispiele Verfolgungen von Nazis ausgesetzt. So musste die Hälfte der ausgestellten Architekten emigrieren, zwei der neun vorgestellten Wohnungsbesitzer waren von "Arisierungen" betroffen. (APA)

"Wohnen zwischen den Kriegen. Wiener Möbel 1914-1941"
Sonderausstellung im Hofmobiliendepot - Möbel Museum Wien
Andreasgasse 7, 1070 Wien
14. Oktober 2009 bis 14. Februar 2010
Dienstag bis Sonntag 10.00 - 18.00 Uhr
www.hofmobiliendepot.at

  • Armlehnstuhl aus dem Esszimmer der Wohnung von Karl und Margarete Painsipp; Entwurf: Felix Augenfeld; Ausführung: Werkstätte Karl Schreitel, Wien, um 1935
    foto: hofmobiliendepot

    Armlehnstuhl aus dem Esszimmer der Wohnung von Karl und Margarete Painsipp; Entwurf: Felix Augenfeld; Ausführung: Werkstätte Karl Schreitel, Wien, um 1935

Share if you care.