20 Prozent höhere Boni für US-Banker

14. Oktober 2009, 17:01
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"Wall Street Journal" schätzt Pro-Kopf-Bonus auf 143.400 Dollar - US-Bank JPMorgan Chase meldet 3,6 Milliarden Gewinn

New York/Wien - Die Banken und Hedgefonds der Wall Street greifen für 2009 wieder tief in ihre Taschen - und zahlen an jeden Mitarbeiter im Schnitt 143.400 Dollar (96.307 Euro) aus. Wie das Wall Street Journal nach den jüngsten Zahlen von den Geldinstituten schätzt, soll insgesamt die stolze Summe von 140 Milliarden Dollar, oder ein Prozent des jährlichen Bruttoinlandprodukts der USA, ausgezahlt werden. Damit werden um rund 20 Prozent mehr ausgezahlt als noch vor einem Jahr, als die Wallstreet 117 Mrd. Dollar ausgezahlt hat.

Besonders pikant sind hohe Bonuszahlungen bei jenen Instituten, die immer noch mit staatlichen Hilfen unterstützt werden. Die Banken Citigroup und Bank of America zahlen alleine zusammen mehr als 52 Mrd. Dollar Boni aus. Kenneth Feinberg, der für die Obama-Administration die Gehälter bei staatlich geretteten Unternehmen untersucht, wird auch zu diesen beiden Banken diese Woche Details zu ihren Bonuspaketen präsentieren.

Hohe Boni dank Erholung

Als Folge von höheren Umsätzen und einer Normalisierung an den internationalen Kapitalmärkten haben Banken sowohl die Grundgehälter als auch die Boni für das laufende Jahr massiv erhöht. So hat die Geschäftsbank Morgan Stanley für 2009 rund 70 Prozent ihres Umsatzes für Personalkosten bereits ausgegeben oder für die kommenden Monate vorgesehen. Damit zahlt die Bank ihren Mitarbeitern ein Drittel mehr als 2008, obwohl der Umsatz um sechs Prozent gefallen ist.

JPMorgan Chase, die größte US-Bank, hat indes die Berichtssaison für den US-Finanzsektor erfolgreich eröffnet. Dank weiterhin hoher Aktivität im Investmentbanking hat die Bank im dritten Quartal einen Gewinn von 3,6 Mrd. Dollar erzielt, nach einem Profit von 527 Millionen Dollar im Vorjahr. Analysten hatten mit einem deutlich niedrigeren Gewinn gerechnet. Die gestiegenen Kurse an den Aktien- und Kreditmärkten haben den deutlichen Sprung ermöglicht. Die Sparte Investmentbanking erwirtschaftete eine Eigenkapitalrendite von 22 Prozent.

Finanzchef Michael Cavanagh sagte in einer Telefonkonferenz, dass zudem ein Ende der Verlustprovisionen in Sicht sei. Die hohen Rückstellungen für Verluste im Kreditgeschäft würden bald ihren Höchststand erreicht haben. Cavanagh kündigte darüber hinaus an, dass die Bank zudem die Dividende im Frühjahr 2010 deutlich erhöhen werde, wenn sich die US-Wirtschaft weiter stabilisiere.

Zahlreiche Analysten sehen die Ergebnisse aber mit gemischten Gefühlen. Denn nur dank der hohen Profite im Investmentbanking wurden Verluste in anderen Sparten ausgeglichen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.10.2009)

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