Rollenspiele mit dem Reagenzglas

13. Oktober 2009, 19:26
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Das JuniorLab ist Wissenschaftskommunikation für Schüler

Wer der Gewinnerin des FameLab in Österreich, Lucia Aronica, im April 2009 zuschaute, wie sie von Dr. Jekyll und Mr. Hyde erzählte, um eine RNS-Interferenz zu erklären, hat alles kapiert: Den komplexen Mechanismus sowieso, aber auch warum dieser Wettbewerb für Wissenschaftskommunikation so gut funktioniert: Da verwandelt sich die Mikrobiologin kurzerhand in eine Schauspielerin, um Laien Dinge wie Genregulation verständlich zu vermitteln. Warum also sollten das nicht bereits Jugendliche lernen: ruhig ein bisserl Faxen machen für die Forschung.

Im laufenden Schuljahr wird es daher zum ersten Mal ein FameLab für Schülerinnen und Schüler geben - das JuniorLab. Die Idee, jungen Menschen neben den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens auch gleich das Rüstzeug für dessen Vermittlung zu zeigen, stammt von Susanne Schwinghammer, der Organisatorin des FameLab Austria und Geschäftsführerin der Agentur für Wissenschaftskommunikation science2public. Und die Ausgangslage dafür ist denkbar schlecht: Der Großteil österreichischer Schüler kommt aus einem wissenschaftsfernen sozialen Umfeld und nimmt den Beruf des Wissenschafters nur verzerrt - jedenfalls aber als fad - wahr, Uni-Professoren gehören für sie nur selten zu den präferierten "Role-Models".

Schulklassen aus Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck können sich ab Oktober am Pilotprojekt beteiligen, bei dem gemeinsam mit den Lehrern ein Forschungsthema formuliert wird. Die Verfasser der zehn besten Papers werden mit jenen Wissenschaftern zusammengebracht, die beim FameLab erfolgreich waren. Denn auch als Mentoren wollen diese begeistern - für einen tieferen Blick ins Reagenzglas, weil es eben arg mangelt an naturwisschenschaftlichen Forschern.

Nur sprachlos vor Begeisterung sollen die Schüler nicht bleiben - die besten werden bestens gecoacht, damit sie die Ergebnisse beim JuniorLab-Finale im Mai 2010 in Wien ansprechend präsentieren. Ob als Theaterstück, als Solokabarett oder als Film, ist egal, bloß mit Power-Point-Präsentationen dürfen sie nicht langweilen.

Ab 2011 wird es das JuniorLab ebenso in Großbritannien und Griechenland geben, und im Jahr darauf soll beim Cheltenham Science Festival auch der beste internationale naturwissenschaftliche Künstlernachwuchs auftreten. (Sascha Aumüller/DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2009)

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