"Das Zentrum als Schnittstelle zum Markt"

13. Oktober 2009, 19:14
posten

In der ersten Comet-Runde waren andere die Sieger, in der zweiten dürfte Wien zumindest dazugehören - Technologieexpertin Eva Czernohorszky nannte Peter Illetschko einige Gründe

STANDARD: In der ersten Ausschreibung des Kompetenzzentrenprogramms Comet hat Wien keinen Länderanteil gezahlt. Die Gewinner waren auch prompt andere Bundesländer. War die Strategie vielleicht doch nicht ganz richtig?

Czernohorszky: Wien entschied sich zunächst gemeinsam mit der FFG für zusätzliche Projektförderungen anstelle des obligatorischen Länderanteils. Das führte möglicherweise zu einer Irritation in der Jury, war aber sicher nicht der einzige Grund, warum in der ersten Runde Oberösterreich und die Steiermark die großen Sieger waren. Zum einen waren die meisten Wiener Kompetenzzentren aus den Comet-Vorläuferprogrammen K-ind und K-plus noch nicht ausgelaufen, zum anderen haben es in wirtschaftsnahen Förderprogrammen immer Projekte leichter, die in traditionellen Industriezweigen wie Metall- oder Autoindustrie entstehen. In Wien sind IT- und Telekommunikation sowie Life-Sciences die Stärkefelder.

STANDARD: Aus diesen Bereichen sind immerhin drei Konsortien mit Wiener Beteiligung in der zweiten Comet-Runde, die Ende Oktober entschieden wird. Drei von drei K2-Anträgen sind mit Beteiligung aus Wien. Das ist so schlecht nicht, oder?

Czernohorszky: Insgesamt sind wir bei fünf Kompetenzzentren und zehn K-Projekten dabei. Das ist gelungen, weil hier auf bereits vorhandenen Strukturen aufgebaut werden konnte, wo schon erfolgreich geforscht wurde. Dazu wurden einige Unternehmen in die Konsortien aufgenommen, die international einen Namen haben.

STANDARD: Zum Beispiel?

Czernohorszky: Das Austrian Centre of Industrial Biotechnology zum Beispiel, das sich mit der Herstellung von Medikamenten und Kunststoffen aus Pilzen oder Hefen beschäftigt, ging eine Kooperation mit Unternehmen wie Boehringer Ingelheim, Eucodis oder Novartis ein. Das ist ja auch eine der großen Herausforderungen: Industriebetriebe mit an Bord zu holen. Die sind ja nicht dabei, weil es so toll ist, den Firmennamen in der Liste der Kooperationspartner wiederzufinden. Die müssen Geld in das Kompetenzzentrum einbringen, die müssen sich mit der Strategie des Antragstellers identifizieren können. Die Jury bewertet letztlich auch, wie das mit der Intention des Zentrums, mit den Forschungszielen, zusammenpasst und welche Chancen diese Kooperation hat.

STANDARD: Was erwarten sich diese Unternehmen von Kompetenzzentren? Eine Entwicklung, die sie dann vermarkten können?

Czernohorszky: Die hat es in der Vergangenheit in Wiener Kompetenzzentren durchaus gegeben - ob das nun eine Technologie für Microsoft war oder eine Software zur Risikoabschätzung. Sie erwarten sich aber auch Wissenszuwachs und eine Weiterentwicklung des Unternehmens, zum Beispiel durch Rekrutierung von jungen Fachkräften aus der Forschung.

STANDARD: Wie kann das funktionieren?

Czernohorszky: Durch Partnerschaften wie mit dem Wiener Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung, die mehrere Doktoranden betreuen, haben Unternehmen natürlich Einblick, wer gerade das Studium beendet und welche Expertise er mitbringt. Ich sehe die Kompetenzzentren daher auch als eine Art Karrieresprungbrett für den universitären Nachwuchs. So werden die Zentren auch ein Instrument zur Standortentwicklung.

STANDARD: Ein Ziel des Kompetenzzentrenprogramms ist auch, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft anzukurbeln. Die Vorgängerprogramme von Comet brachten auch Zentren hervor, die sich dadurch nicht auszeichneten. Funktioniert das jetzt besser?

Czernohorszky: Die Ansätze sind da. Die Universitäten beteiligen sich erstmals im großen Rahmen als Miteigentümer an den Konsortien, die sich bei Comet bewerben. Früher brachten sie sich mit Personen ein. Heute beschließt ein Uni-Rat, sich mit 36 Prozent an einer GmbH zu beteiligen, die hinter dem Kompetenzzentrum steht. Das ist wie ein Bekenntnis zum Wissenstransfer. Die Zentren können da eine Schnittstelle sein von der Grundlagenforschung zur möglichen Anwendung.

STANDARD: Universitäten sind doch genötigt, sich um Drittmittelfinanzierung zu bemühen. Es erscheint also logisch, sich bei einem Kompetenzzentrum zu beteiligen, die eigenen Ideen marktreif zu machen und so Drittmittel einzuwerben.

Czernohorszky: Da lag die Krux oft im Detail. Die Unis können zwar selbst ihren Weg bestimmen. Die Drittmittel, die sie in einem Kompetenzzentrum eingenommen haben, wurden nicht als Drittmittel der Universitäten gesehen und durften somit nicht in die Leistungsvereinbarungen mit dem Wissenschaftsministerium eingebracht werden. Das hat man jetzt zum Glück geändert. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2009)

Zur Person
Eva Czernohorszky (34) ist Prokuristin am Zentrum für Innovation und Technologie (ZIT). Als Leiterin der Dienstleistungsabteilung ist sie für die Betreuung der Comet-Antragsteller zuständig.

  • Eva Czernohorszky im Innenstadt-Büro des Zentrums für Innovation und Technologie. Sie sieht die Kompetenzzentren als wichtiges Instrument zur Weiterentwicklung des Standortes.
    foto: standard/corn

    Eva Czernohorszky im Innenstadt-Büro des Zentrums für Innovation und Technologie. Sie sieht die Kompetenzzentren als wichtiges Instrument zur Weiterentwicklung des Standortes.

Share if you care.