Inschinöre, Profiteure

13. Oktober 2009, 19:05
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Etwas spät bot ATV einen Tag nach dem ersten Todestag Jörg Haiders sein ganzes politisches Hirnschmalz auf

Etwas spät, aber für ATV-Verhältnisse so gut wie aktuell, bot der Privatsender einen Tag nach dem ersten Todestag Jörg Haiders sein ganzes politisches Hirnschmalz auf, um am Montag in ATV Dokument noch einmal über Haider zusammenzufassen, was jeder lange weiß.

Die O-Töne boten das ganze Spektrum der Verklärung in der Vielfalt eines Kaleidoskops, also eines Spielzeugs, das - wie passend! - aus bunten Scherben besteht. "Er wor holt wos gonz Besonderes", übte sich jemand in Bescheidenheit, während andere vom "Polit-Popstar", vom "erotischen Neo-Macho" oder gar der "Paris Hilton Österreichs" sprachen. Letzterer Vergleich böte hier reichlich Gelegenheit, um sich an der Grenze des sogenannten guten Geschmacks einiges einfallen zu lassen, aber bitte.

Die Verklärungssuppe versalzten wenige kritische Stimmen wie jene des Altbundeskanzlers Franz Vranitzky. Aber die geben halt weniger her als Heulsusen am Gedenkmarterl für den im Vollrausch verunglückten Politiker, der einst die Beschäftigungspolitik des Dritten Reichs "ordentlich" nannte.

Witwe Haider: "Oft wurden Aussagen medial hochgepusht" - und dann war er zu eigensinnig und hat das wiederholt, das konnte man ihm vielleicht zum Vorwurf machen." Vielleicht.

Anschließend diskutierten Inschinör Peter Westenthaler (BZÖ), Herbert Kickl (FPÖ) und Autor Hans-Henning Scharsach (Haiders Kampf) unter Sylvia Saringers Lächeln das Phänomen Haider. Dabei wurde ausgerechnet Scharsach vorgeworfen, er sei ein Profiteur Haiders und sollte diesem eigentlich ein Marterl errichten. Weil, bitte, Haider-Profiteure sind ja das Letzte!

Darum gibt es auch bei der FPÖ oder dem BZÖ keine solchen nicht. (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 14.10.2009)

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