Neuer Strom in neuen Netzen

13. Oktober 2009, 19:01
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Projekte, an denen das Energie-Department des AIT beteiligt ist

Seit Juli vergangenen Jahres steht in unmittelbarer Nachbarschaft des Austrian Institute of Technology (AIT) in Wien Floridsdorf das sogenannte Energybase - ein "Best Practice"-Beispiel für Büro- und Gewerbegebäude. Das Ziel des Projekts: Der Primärenergiebedarf soll mit 45 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr nur ein Sechstel des Bedarfs eines Standardbürogebäudes betragen. Energybase - gefördert vom Verkehrsministerium - ist gewissermaßen die "hausgewordene" Fortsetzung des Projekts "Sunny Research" des AIT, in dem mit der Erstellung eines nachhaltigen Gebäude- und Energiekonzepts bewiesen werden konnte, dass umweltfreundliches und energieeffizientes Bauen im gewerblichen Bereich möglich ist.

Damit das gelingt, setzt man im Energybase auf den Einsatz erneuerbarer Energieträger. Eine große Rolle spielt dabei die südseitige Solarfassade. Hier wird in den Wintermonaten die Sonneneinstrahlung aktiv und passiv zur Heizung genutzt und ganzjährig zur Stromerzeugung. Die Kollektoren sorgen zudem über "Solar Cooling" für Zuluftkühlung. Das Energie-Department des AIT unterstützte die Planungsarbeiten unter anderem mit thermischen Simulationen und ist seit Baufertigstellung mit der Evaluierung des Projekts befasst.

Spezielle Planungstools sind auch für sogenannte Smart Grids, intelligente Netzwerke, notwendig - sollen verstärkt dezentrale Energieerzeuger (durch die Nutzung von Sonne, Wind und Biomasse zur Stromerzeugung) in die bestehende Netzinfrastruktur integriert werden.

Simulieren und kooperieren

Zusammen mit Netzbetreibern hat das Energie-Department im Projekt "DG DemoNetzKonzept" neue Steuerungs- und Regelungskonzepte entwickelt, mit denen auch bei verstärkter dezentraler Einspeisung mit der bestehenden Netzinfrastruktur die Spannungsgrenzen eingehalten und eine sichere Versorgung gewährleistet werden sollen.

Zur Messung an Realdaten wurden umfangreiche Netzsimulationen durchgeführt und die neuen Regelkonzepte technisch und gemeinsam mit der TU Wien wirtschaftlich geprüft. Das Ergebnis: Die Netze mit dem derzeitigen passiven Betrieb stoßen schon bei Einbindung von einigen wenigen zusätzlichen Anlagen an ihre Grenzen. Mit den neuen Planungsmethoden und Analysetools wurden Regelungsstrategien entwickelt, mit denen eine beträchtlich höhere Dichte an dezentralen Erzeugern ohne Leistungsverstärkung erreichbar werden soll. Nächstes Ziel ist die Umsetzung der Konzepte im Demonstrationsbetrieb.

Mit innovativen Energieeffizienzmaßnahmen in Gebäuden und der Nutzung erneuerbarer Energiequellen beschäftigt sich auch die Concerto-Initiative der Europäischen Union. Sie soll Gemeinden mit Rat und Tat dabei unterstützen, auf nachhaltige Energiekonzepte umzusteigen. Auch daran ist das Energie-Department beteiligt, und zwar im Rahmen des Concerto-Plus-Projekts. Es geht darum, aus den EU-weiten Demonstrationsprojekten der Gemeinden wertvolle Forschungsergebnisse zu gewinnen und daraus Empfehlungen für die Kommunen und Städte abzuleiten - etwa was Sanierungs- oder Energieversorgungsfragen anbelangt. (max/DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2009)

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