USA wollen russische Atominspektoren zulassen

13. Oktober 2009, 18:18
39 Postings

Außenministerin Clinton hofft im Gegenzug ebenso auf Inspektionen in Russland

Moskau - US-Außenministerin Hillary Clinton hat Russland bei den laufenden Abrüstungsverhandlungen Inspektionen der amerikanischen Atomanlagen in Aussicht gestellt. Russland solle die Einhaltung von Vereinbarungen überprüfen können, sagte Clinton am Mittwoch in einem Interview des Radiosenders Echo Moskwy. Allerdings hofften die USA im Gegenzug ebenso auf Inspektionen in Russland. "Wir wollen ein solches Kontrollsystem schaffen", sagte Clinton während ihres Besuchs in Moskau. Die Vereinbarung darüber soll Teil des neuen Abrüstungsvertrags über die Reduzierung strategischer Offensivwaffen werden, an dem Moskau und Washington derzeit arbeiten.

Für Irritationen sorgten während Clintons Besuch russische Ankündigungen, Moskau behalte sich in seiner künftigen Militärdoktrin das Recht eines atomaren Erstschlags gegen einen Aggressor vor. Bisher war der Einsatz der Massenvernichtungswaffen nur für den Fall eines nuklearen Angriffs auf Russland oder in einem großen Krieg vorgesehen. Kernwaffen sollen aber künftig auch in "regionalen oder sogar lokalen Kriegen" eingesetzt werden können, sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsrats, Nikolai Patruschew, in einem Interview der Zeitung "Iswestja" (Mittwoch).    





Quelle: Youtube

Wie Russlands NATO-Botschafter Dmitri Rogosin betonte, entstehen die neuen Leitlinien unabhängig von den Abrüstungsverhandlungen. Sie dienten vor allem der Abschreckung. Clinton sagte dem Radiosender Echo Moskwy, dass in der US-Militärdoktrin die Möglichkeit eines nuklearen Erstschlags nicht vorgesehen sei. Sie erinnerte an das Ziel von US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Barack Obama, eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen. Zugleich lud sie Kremlchef Dmitri Medwedew ein, im kommenden April an einem von Obama initiierten Gipfel zur atomaren Sicherheit teilzunehmen.    

Der Abrüstungsvertrag tritt an die Stelle des im Dezember auslaufenden START-Abkommens, bei dem Experten die mangelnde Kontrolle beklagt hatten. Wie genau das Prüfverfahren aussehen soll, sagte die US-Außenministerin zunächst nicht. Clinton äußerte die Hoffnung, dass die neue Vereinbarung über die Reduzierung der Atomsprengköpfe und Trägersysteme bis 5. Dezember vorliege. Allerdings waren Moskaus Militärexperten nach dem Besuch aus den USA skeptisch, dass die Verhandlungen trotz der jüngsten Fortschritte rechtzeitig abgeschlossen werden können.

Moskau für stärkere Verringerung als USA   

Russland und die USA sind sich bei ihren Vorstellungen noch immer nicht wesentlich näher gekommen. Washington will die Zahl nuklearer Sprengköpfe auf maximal jeweils 1.675 senken, die Zahl der Trägersysteme auf maximal jeweils 1100. Moskau hingegen will eine deutlich stärkere Verringerung erreichen. "In diesen Fragen sind beide Seiten noch weit von einem Kompromiss entfernt", sagte der frühere Chef der russischen Raketenstreitkräfte, Viktor Jessin.

Medwedew machte am Mittwoch deutlich, dass Russland von den USA vor allem auch Klarheit über die neuen Raketenabwehrpläne wünsche. Washington war zwar von den umstrittenen Vorhaben in Tschechien und Polen abgerückt, halte sich bei Alternativplänen aber bedeckt, bedauerte Moskau. Die USA, Russland und die NATO wollen bei der Raketenabwehr künftig zusammenarbeiten. Die früheren Pläne in Mitteleuropa hatten auch die Umsetzung von Abrüstungsabkommen zwischen Moskau und Washington behindert. Clinton hielt sich seit Montagabend in Russland auf und wollte am Mittwoch nach einem Besuch in Kasan, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tatarstan, in die USA zurückfliegen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hillary Clinton war bei Ihrem Moskaubesuch Gast in einer Radiosendung des Senders Echo of Moscow.

Share if you care.