Angst vor „Handwerks"-Terroristen

13. Oktober 2009, 17:53
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Mailänder Anschlag wurde mithilfe von Online-Anweisungen vorbereitet

In den italienischen Medien ist nach dem Attentat auf die Mailänder Kaserne Santa Barbara Panik ausgebrochen. Nicht etwa der organisierte und im Ausland geschulte Terrorismus macht derzeit Angst. Laut der Mailänder Tageszeitung Il Corriere della Sera gibt es in Mailand hunderte von sogenannten Handwerksterroristen.

Ähnlich wie der Libyer Mohamed Game, der zu Wochenbeginn in einem Harakiri-Attentat versuchte, sich und einen Teil der Kaserne in die Luft zu sprengen. Das Attentat schlug auch infolge der wenig professionellen Vorbereitungen des 34-jährigen Ingenieurs und Elektrikers fehl. Bei dem Anschlag wurde der Attentäter selbst schwer und ein Polizist leicht verletzt.
Mohamed Game befindet sich seit dem Jahr 2000 in Mailand. Der libysche Ingenieur, der 2002 eine Elektrofirma gegründet und sich dann bei einem Restaurant beteiligt hatte, hatte vorerst wirtschaftlichen Erfolg und keinerlei religiöse Interessen. Er lebte mit einer geschiedenen Italienerin zusammen, hatte vier Kinder und genoss das Leben in Mailand.

Religion in der Finanznot

Mit den finanziellen Schwierigkeiten erwachte bei Mohamed Game auch sein religiöses und politisches Engagement. Erst seit wenigen Monaten wurde er zum regelmäßigen Besucher der Mailänder Moschee in der Viale Jenner. Diese steht seit Jahren im Verruf, ein Treffpunkt des internationalen Terrorismus zu sein. Kürzlich soll er auch laut gefordert haben, die italienischen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen.

Nach den ersten Ermittlungen der Spezialpolizei Digos habe Mohamed Game nicht im Alleingang gehandelt. Ein ägyptischer Installateur soll ihn zum Tatort begleitet haben. Beide Araber gehören angeblich keiner Terrorzelle an, sondern haben das Sprengstoffattentat im Do-it-yourself-Verfahren, mit Hilfe von Online Anweisungen, geplant.
Ein Beispiel, das Schule machen könnte, meinte auch der beliebte Fernsehmoderator Gad Lerner in seiner Sendung L'infedele. Angeblich soll die Anzahl der harmlos scheinenden Online-Terroristen - die sich weder durch offenen Fanatismus noch durch lange Bärte zu erkennen geben - durch die schwelende Wirtschaftskrise im Steigen sein. (Thesy Kness Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2009)

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