Barroso trifft Fischer

EU-Vertrag von Lissabon wird nicht aufgeschnürt

13. Oktober 2009, 17:44

Kommissionschef Barroso pocht auf rasche Umsetzung des Vertrags von Lissabon - Faymann schließt jede Abänderung aus - Das tschechische Höchstgericht will in zwei Wochen eine Entscheidung treffen

Brüssel/Wien - EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat den tschechischen Regierungschef Jan Fischer bei dessen Besuch am Dienstag in Brüssel dazu gedrängt, eine Lösung zu finden, die einen Abschluss der Ratifizierung des EU-Vertrages von Lissabon durch Tschechien ermöglicht. Nach wie vor fehlt ja die Zustimmung des tschechischen Präsidenten Václav Klaus, der eine Ausnahmeklausel für die Grundrechtecharta als Bedingung für seine Unterschrift fordert.

Barroso sagte, er hoffe dass „keine künstlichen Hindernisse" in Prag aufgestellt würden. In Wien schloss unterdessen auch Bundeskanzler Werner Faymann ein Aufschnüren des Vertrages aus. „Der Lissabon-Vertrag wird nicht geändert", erklärte er, wenn Klaus eine Protokollanmerkung machen wolle, sei das etwas anders.

Klaus hatte die Befürchtung geäußert, die Charta könnte die Beneš-Dekrete von 1945 aushebeln, und Sudetendeutsche könnten vor internationalen Gerichten auf Rückgabe und Entschädigung klagen. Experten schließen das aus. Bereits beim EU-Beitritt Tschechiens wurde klargestellt, dass die Beneš-Dekrete von EU-Recht nicht berührt seien.

„Die Grundrechtecharta kann kaum dazu benutzt werden, historische Fälle rückwirkend aufzuarbeiten. Die Causa Beneš-Dekrete ist eine bilaterale Angelegenheit zwischen Tschechien und Deutschland", sagt der EU-Experte Johannes Pollak dem Standard. Rechtlich ist eine verbindliche Zusatzklausel ohne neuerliche Ratifikationsrunde „nicht möglich". Und auch für ein Opt-out von der Grundrechtecharta, wie dies die Briten haben, ist es nun viel zu spät. „Klaus sieht seine Felle davonschwimmen", so Pollak, der an der Webster University in Wien lehrt. Um Klaus zu helfen, das Gesicht zu wahren, wird nun an eine nichtrechtsverbindliche Erklärung der EU-Staats- und Regierungschefs beim Gipfel am 28. und 29. Oktober gedacht, in der mitgeteilt wird, dass die Charta nicht auf die Beneš-Dekrete angewandt werden kann.

Einen Tag davor, am 27. Oktober will das tschechische Verfassungsgericht entscheiden, ob das Reformwerk im Einklang mit der tschechischen Verfassung steht. Die tschechischen Senatoren, die den Prüfantrag beim Verfassungsgerichtshof einreichten, wollen ihre Beschwerde nun aber noch „ergänzen", wie am Dienstag bekanntwurde. Laut Generalsekretär Tomáš Langášek könnte dies das gesamte Prozedere noch verlängern.

Pollak rechnet dennoch mit einer Unterschrift von Klaus in den nächsten Wochen. Möglich wäre aber, dass die tschechischen Verfassungsrichter wie der deutsche Bundesverfassungsgerichtshof zu dem Schluss kommen, dass der Vertrag zwar verfassungskonform sei, aber auf mehr Mitbestimmung des nationalen Parlaments drängen - wie in Artikel 23 der österreichischen Verfassung.

Mit einer ironischen Aktion will der Bund Europäischer Jugend Klaus überzeugen. Damit dieser „im entscheidenden Moment" einen funktionierenden Stift zur Unterschrift hat, ruft jener via Internet dazu auf, Klaus einen Brief zu schreiben und einen Schreiber beizulegen. (Adelheid Wölfl, Thomas Mayer, DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2009)

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M_DeNiro
20
14.10.2009, 16:21
politischer darmverschluss ...

der herr klaus leidet unter politischem darmverschluss wegen der ungeloesten benes dekrete.

gute besserung.

die unterschrift waere wohl die beste medizin, auch wenn sie bitter schmeckt.

Markus Stoneeh
 
21
14.10.2009, 13:27
der vertrag wird vll nicht aufgeschnürt

uns wird er jedoch sehr wohl aufgeschnürt

zimbo
 
02
14.10.2009, 14:21
Uns wird die Luft abgeschnürt.

leonid
83
14.10.2009, 12:08

gut gewonnen,
ich freu mich auch schon sooo riesig wies uns allen besser gehen wird wenn in der EUdssR der vertrag endlich gilt...

Christoph ************
03
14.10.2009, 14:03

Warum immer wieder diese lächerlichen jenseitigen Behauptungen. Ich kann Ihnen sagen was passieren wird. Lissabon ist weder ein toller Weitwurf, noch die bolschewistisch Terrorstaatverfassung als die es manche andere hinstellen.

Es ist aber ein Vertrag der endlich einhält was Nizza eigentlich schon versprochen hat. Die EU mit 27 oder sogar ein paar mehr Migliedsstaaten am funktionieren zu halten. Diesen Vertrag hätte es ja eigentlich schon vor der Erweiterung bedurft und es war grob fahrlässig bis danach zu warten. Nun stehen die Chancen endlich gut dass wir dieses 10 jährige Reformkapitel abschließen können und die EU sich mal auf die laufende Politik konzentrieren kann.

webinformationat
00
14.10.2009, 23:24
Sie Sie Bankier oder Industrieller? Die EU ist nor 4 you - das trifft auf die "Kleinen" zu..

Grünphase
00
16.10.2009, 22:31

präziser: klein im geist

webinformationat
13
14.10.2009, 10:08
SPÖ-Faymann ist nicht ernst zu nehmen.

"Volksabstimmung wenn der Vertrag geändert wird" so Faymann in einer Gratiszeitung vor ein paar Tagen. Und jetzt : "Faymann schließt jede Änderung aus".

Was kann sich ein "'Volksvertreter" noch erlauben?

Da hat es die ÖVP/GRÜNEN besser: Wenn der Ruf einmal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Sie sind die "glühenden Europäer - ohne Wenn und Aber".

Auch wenn die Neutralität abgeschafft wird, der neoliberale Weg gefestigt wird und wird weiter für die EU sparen müssen..

Infos auf www.eu-austritt.blogsport.com
www.webinformation.at

Lord Chaos
00
14.10.2009, 13:28


Pröll hat sich Faymann offenbar vorgeknöpft und ihm ganz klar gesagt was Sache ist. Dass unser HBK soviel Druck nicht aushalten kann ist doch verständlich.
Noch dazu wo ihn Onkel Dichand noch immer nicht lieb hat.

Christoph ************
00
14.10.2009, 12:03

Faymann war ziemlich dumm sich von diesem Dichand Blatt für deren Zwecke instrumentalisieren zu lassen. Aber das ist ja nichts neues. Seine Position hat sich ja nicht geändert.

Eine Volksabstimmung stand ohnehin immer nur dann im Raum sollte der Vertrag neu ratifiziert werden müssen..

zimbo
 
00
14.10.2009, 11:26
War nie ernst zu nehmen.

Offenbar in der Partei hochgeschunkelt.

zimbo
 
21
14.10.2009, 11:25
Lt. der Umfrage auf ihrer Webseite sind 63% gegen den Vertrag von Lissabon.

Warum wohl, werden solche Studien nie veröffentlicht.

Christoph ************
11
14.10.2009, 12:08

Welche Umfrage? Diese "Umfrage" von Doodle wo 74 Leute abgestimmt haben und 72 davon für einen Austritt waren?

webinformationat
00
14.10.2009, 23:31

Welche Volksabstimmung meinen Sie? Das trauen sich die Volkverdreher nie..

Christoph ************
00
14.10.2009, 14:09

Ich sehe noch immer keine diesbezügliche Umfrage.

Der Artikel der Welt repräsentiert eine legitime Sichtweise. Ich würde das jene EU Kritik nennen, die noch eher der seriösen Kategorie zuzuordnen ist auch wenn sie etwas reißerisch daherkommt.

Es ist aber nur eine Sichtweise. Man kann das EP natürlich dafür kritisieren, dass viele Wähler es noch nicht verstanden haben, dass man da auch über europäische Inhalte abstimmen könnte anstatt nationalen Regierungen Pseudodenkzettel zu verpassen. Man kann aber noch viel mehr die Wähler dafür kritisieren. Es sind ja meist jene Wähler die über das Demokratiedefizit der EU lamentieren diejenigen, die die demokratischen Möglichkeiten auf EU Ebene schlicht ignorieren oder ablehnen.

Peter Raming
 
01
14.10.2009, 15:27
die die demokratischen Möglichkeiten auf EU Ebene schlicht ignorieren oder ablehnen.

Bitte ganz konkret:
Welche D E M O K R A T I S C H E N Mittel meinen Sie?
Bürgerbegehren?
Parlamentswahlen?

zimbo
 
11
14.10.2009, 14:42
Gehts jetzt besser ?

Was halten Sie vom EU-Reformvertrag?
Ergebnis
10%
Er ist gut und wichtig für Europa
12%
Er ist grundsätzlich gut, hat aber Schwachpunkte
16%
Er muss stark überarbeitet werden
63%
Er ist schlecht und sollte verworfen werden

8591 abgegebene Stimmen

h h h
11
14.10.2009, 14:04

lol, sehr representativ. eine frage auf welt.de beantworten, wobei die user-kommentare auf der homepage sowieso die größte frechheit sind...

zimbo
 
11
14.10.2009, 14:43
Das ist ausnahmsweise demokratisch, deshalb belastet es Sie vermutlich.

Seminole Eagle Chief
11
14.10.2009, 12:00

Den Unterschied zwischen Umfragen auf Homepages und Studien kennen Sie aber schon?

zimbo
 
11
14.10.2009, 12:04
2tere schein oftmals politisch motiviert, sind wohl eher Auftragsarbeiten unter Deckmantel.

Christoph ************
10
14.10.2009, 14:10

Na Hauptsache Umfragen von Internetportalen sind so wahnsinnig aussagekräftig.

zimbo
 
01
14.10.2009, 14:23
Sind immerhin über 8000, die da gestimmt haben udn keine durch Parteien finanzierte Werbefirma.

Orakel1
00
14.10.2009, 11:12
So leids mir tut.

Ich bekomme immer mehr den Eindruck, der Faymann ist intellektuell überfordert. Er überreißt vieles einfach nicht. Denn nur so lassen sich seine Zacken im Kurs begründen.

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