"Eine Frechheit gegenüber dem Steuerzahler"

13. Oktober 2009, 16:57

Stefan Wehinger von der privaten "Westbahn" über die ÖBB, und wie er dieser Konkurrenz machen will

(Das Interview im Audio-Format zum Download: )

Die private "Westbahn" will ab Dezember 2011 täglich im Stundentakt zwischen Wien Westbahnhof und Salzburg verkehren. Die Gründer des Unternehmens sind Geschäftsführer Stefan Wehinger, ehemaliger ÖBB Personenverkehr-Vorstandsdirektor, und der Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner.

Im Video-Interview mit Hans Rauscher erklärt Wehinger, wie sich das neue Eisenbahnunternehmen rechnen soll, obwohl man gleiche Preise wie die ÖBB verlangen und auch nicht schneller fahren werde. Den Bundesbahnen, seinem ehemaligen Arbeitgeber, würde Wehinger "dringend ein stabiles Management mit einem starken Chef, der politischen Rückhalt hat" wünschen. Im Gespräch erläutert er, wie die hohen Schulden bei den ÖBB zustande kommen konnten, warum die derzeitige Situation auch "eine Frechheit gegenüber dem Steuerzahler" sei, und was das Geheimnis hinter erfolgreichen Eisenbahnunternehmen wie der Schweizer Bahn sei. (rasch, derStandard.at, 13.10.2009)

Kommentar posten
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JoeGro2
00
25.11.2009, 23:05
Piratisierung

Schreibt man P r i v a t i s i e r u n g richtig, versteht
man sofort Schüssels Gebot: Mehr Pirat, weniger Staat!

Quim Barreiros
02
23.10.2009, 00:35
Sehr spannend

Aber da ist mir einiges noch unklar. Wenn Wehinger in Konkurrenz zur ÖBB fährt, d.h. es gibt einen schnellen Zug auf der Westbahn mehr pro Stunde, wirkt sich das dann womöglich negativ auf die Fahrpläne von irgendeinem ÖBB-Nahverkehr aus? Ob sein Unternehmen einen volkswirtschaftlichen Nutzen hat, weiß ich absolut nicht, hoffe es aber.

Wären wir in England, hätte Wehinger wahrscheinlich gar keine Lizenz bekommen. Dort gibt es zwar nur Privatbahnen, aber die machen einander keine Konkurrenz. Darüber wacht das Ministerium.

heri13
03
17.10.2009, 22:05
ist das der wehninger,

der auch die montafonerbahn fast abgemurkst hatte? der der bei der montafoner bahn ein chaos hinterlassen hat,das jetzt noch nicht ganz ausgemerzt ist! der dann das chaos pur bei den öbb eingeführt hat.man könnte denken das der herr das chaos nur deswegen gemacht hat , um billig an strecken für sich und seine freunde zu kommen!ab in den knast wenn das so ist, den das ist ein wirtschaftsverbechen!dann aber gleich mit schüssel,grasser und co. den die haben alle mitschuld! das wird eine zelle,lauter abkassierer!

Idefix der zweite
 
00
9.12.2009, 15:59

Man kann schon beinahe den Schaum vor Ihrem Mund sehen, wenn man dieses Posting liest.
Wehingers Aussagen klingen sehr vernünftig und fundiert (ausser seinem Lob für die Deutsche Bahn, das ich überhaupt nicht nachvollziehen kann), und es ist mir auch in keiner Weise bekannt geworden, dass er für irgend ein Chaos bei der ÖBB verantwortlich gewesen wäre.

Es ist schwer, zu bestreiten, dass das Problem der ÖBB zu einem guten Teil bei den politischen Rahmenbedingungen liegt. Rote Gewerkschafter und schwarze Politiker, die sich gegenseitig ständig blockieren, teilen sich da wohl die Verantwortung.

paradiselost
01
17.10.2009, 20:49
nutznießer der zerstückelung gewesen

für jeden strategisch + wirtschaftlich denkenden war durchsichtig: diese art privatisierung = hirnrissig. jetzt die politische fehlentscheidung wieder „rückzubauen“, ohne die urheber der misere zu nennen, fällt für mich unter „frechheit“.
bis auf wenige ausnahmen scheitern privatisierungen in österreich: post, orf, öbb… „ war nutznießer der zerstückelung“ + „wir haben ja ein gutes bahngrundsystem“, sagt w. und schöpft ein zweites mal ab: durch benutzen der öffentlichen = aus steuern bezahlten infrastruktur auf einer durchaus profitablen strecke.
wann endlich begreift man, dass die crux der mensch ist? einer, der mit fremdem geld anders umgeht als mit eigenem, ist asozial. privatisierung = akzeptanz + förderung des eigennutzes.

Idefix der zweite
 
00
9.12.2009, 16:11

Dass private Unternehmen "aus Steuern bezahlte Infrastrukturen" nutzen dürfen, wenn sie dafür bezahlen, ist völlig legitim und sollte eigentlich selbstverständlich sein, weil dafür wird die Infrastruktur schliesslich geschaffen.

Dass Menschen in der Regel (und nicht nur ausnahmsweise) mit fremden Geld anders - ich meine damit gar nicht betrügerisch, sondern bloss weniger motiviert - umgehen als mit eigenem liegt in der menschlichen Natur begründet und ist einer der Hauptgründe für das Scheitern der ehemaligen planwirtschaftlichen Systeme des Ostens. Die Einstufung "asozial" ist dafür absolut falsch und überzogen.

Die Existenz von Eigennutz zu akzeptieren und entsprechend zu agieren ist in dem Zusammenhang das einzig vernünftige.

F F
00
17.10.2009, 09:37
Leicht

Und wo bitte ist die Kostenwahrheit? Die ÖBB stellt die Infrastruktur zur Verfügung und Herr Wehinger lässt seine Züge darauf fahren

Urfahraner Auge
00
18.10.2009, 17:47
In der Theorie zumindest

muesste der Hr. Wehinger für die Infrastruktur Nutzungsgebühr zahlen.

Alexander Covaci
00
31.10.2009, 09:32
Macht er ja

Das EVU Westbahn zahlt wie alle anderen EVU auf dem ÖBB-Netz (WLB,STLB,LTE,....) Schienenbenutzungsgebühr!

Joe P.
 
08
17.10.2009, 09:19
Rosinenpicken!

Warum läßt die Politik zu, dass man sich aus dem großen Kuchen die Rosinen herauspickt? Die wenig lukrativen "Streuverkehre" - Stichwort: Nebenbahnen - die aber wichtige Zubringer sind, will niemand betreiben. Oder gibt es alternative Angebote z.B. für die Wiener Schnellbahn? Da greift aus gutem Grund niemand hin... Ähnlich das Bild im Güterverkehr: private Anbieter befördern nur komplette Zuge von A nach B, ohne Verschubaufwand usw. Die paar Waggons aus irgenedeinem Graben - Stichwort wieder: Nebenbahnen - "darf" die ÖBB befördern.

Lavinya
00
16.10.2009, 11:10

Die Politik ist daran schuld, dass die ÖBB nicht gut funktioniert. Wer gibt eine Garantie dafür, dass ein privates Unternehmen besser & günstiger sein wird als die ÖBB zB?

santamonica
05
15.10.2009, 13:30
das interview zeigt wohl in erster linie, wie unverschämt die fpö/övp koalition die bahn zerstückelt und beschädigt hat , nicht zuletzt um ihre freunderl mit vorstands- und anderen posten zu versorgen

t-bonesteak
04
15.10.2009, 13:28
ist es nicht eine frechheit

wenn jemand, der selbst in leitender position bei den öbb (oder irgendeinem anderen unternehmen) war, nach seiner zeit dort (und dann auch noch in neuer rolle als mitbewerber) über den ex-arbeitgeber herzieht? was hat er denn beigetragen zu einer verbesserung? hinterher große sprüche klopfen ist keine große leistung

m kubik
03
15.10.2009, 14:49
Finde nicht, dass hier hergezogen wird, ganz...

...im Gegenteil, werden doch hier von der neuen Konkurrenz bloß die schwerwiegenden Folgen aus staatlichen Rahmenbedingungen für die ÖBB transparent dargestellt.

Seminole Eagle Chief
05
15.10.2009, 12:18
Das ist meiner Meinung...

... ein sehr gutes Interview. Vor allem die Passage mit den ÖBB-Schulden finde ich sehr aufschlußreich - woher die kommen und wer dafür verantwortlich ist. Und dass nur ein sehr geringes Teil (oder vielleicht sogar gar nichts) wirklich dem Betrieb der ÖBB zuzuschreiben ist. Das sollten Sie sich einmal ansehen, Frau Ungerböck, bevor Sie wieder einen Ihrer - man muss es inzwischen so sagen - über weite Strecken unqualifizierten Kommentare schreiben. Die Berichterstattung über die ÖBB im Standard spottet inzwischen jeder Beschreibung. Kampagnenartig, populistisch, ohne fundierte Hintergründe - sowas kenne ich eigentlich aus der "Krone". Da ist dieses Interview ein echter Lichtblick.

liftwartbertl
00
15.10.2009, 12:18

Wäre sein Unternehmen dann Teil des VOR? Sprich, werde ich mit einer VOR-Jahreskarte dann auch seine Verbindungen nützen können? Wenn nicht, kann er sich die Pendler schonmal abschminken.

grisse78
41
15.10.2009, 12:12

ich bin früher öfter mit einem privaten Zug ( CityNightLine) von Wien nach Dortmund gefahren - kein Vergleich zur ÖBB. Freundliches Personal, saubere Züge....und damals zumindest war preislich nicht viel Unterschied!!!!!
Konkurrenz ist NIE schlecht, siehe Verbund oder Telekom Austria, beide Unternehmen haben sich sehr gut entwickelt......

Quim Barreiros
00
23.10.2009, 00:27

Privat ist gut. City Night Line ist die Nachtzugsparte der Deutschen Bahn.
Preislich sind die mittlerweile über der ÖBB angesiedelt. Prag - Zürich kann man entweder mit ÖBB über den Arlberg oder mit CNL über Deutschland fahren. Und um das gleiche Geld kann ich ÖBB-Schlafwagen oder CNL-Sitzwagen fahren.

Ansonsten... Freundlichkeit des Personals kann ich nicht beurteilen, Sauberkeit soll in den letzten Jahren eher abgenommen haben.

Und nicht zuletzt: Der CNL nach Dortmund, der keine Konkurrenz zu irgendwelchen ÖBB-Zügen ist, wird ab Dezember eingestellt.

Chrifa
22
15.10.2009, 10:39
Genial!

Und diesen Mann hat die ÖBB rausgeschmissen!
Jede Aussage ist voll zu unterschreiben.
Das sollte Frau Bures ansehen, da kann sie was lernen.

Übrigens - der Streik der Eisenbahner im Jahr 2003 richtete sich gegen die Aufteilung der ÖBB in zahlreiche AGs und GesmbHs.

F F
04
17.10.2009, 09:39

Sie fallen auch auf jeden Blender herein

Petzi Bär
22
15.10.2009, 09:31
die ÖBB sind echt eine Frechheit...

Beispiel:

Ausbau Inntalstrecke

ich ticket wien-innsbruck gekauft, weil ich gedacht habe, man muß ja nicht immer mit dem auto fahren

anlaß: Sponsionsfeier des bruders

zug 45min verspätet

wegen einer baustelle, die über 1 jahr gedauert hat und zwingend zu verspätungen führt

ergebnis: Sponsion verpasst

es ist ja zu begrüßen, daß die bahn ausgebaut wird. was aber absolut nicht zu tolerieren ist, ist die tatsache, daß der kunde nicht darüber informiert wird.

...und das kann nur an der ignoranten beamten-arroganz liegen, mit der die herrschaften dort ans werk gehen

konsequenz: nie wieder bahn fahren!

vielleicht wirds mit dem privaten anbieter ja besser...

nt778
03
15.10.2009, 10:40
45 Minuten

verspätet und Sponsion verpasst? Das wäre aber ohne Verspätung dann auch sehr knapp geworden.

randy handsome
03
15.10.2009, 10:39
na ja, wenns nur an 45 minunten gescheitert ist...

...und es ein wichtiges ereignis war, dann muss ich fast sagen sie hätten einen früheren zug nehmen sollen, damit sie nicht so knapp ankommen. oder gleich einen tag früher...

altbürgermeister
09
15.10.2009, 10:34
Aber sicher!

Private Anbieter kommen ja bekanntlich ohne Baustellen aus. Schließlich können ja auch Eurolines oder Atlasib-Busse über Autobahnbaustellen einfach drüberfliegen während der Postbus im Stau stehen muss.

Petzi Bär
01
15.10.2009, 14:02

es wäre ja nur darum gegangen, daß mir die ÖBB bei der Buchung gesagt hätte, daß verspätungen zu erwarten sind, dann hätte ich wohl einen früheren zug genommen

so haben sie es geschafft, einen an sich wohlgesonnen kunden zu vergraulen

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