SPÖ und ÖVP nominierten fast immer Kandidaten

13. Oktober 2009, 14:54
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ÖVP verzichtete nur 1980 und bei Klestils unabhängiger Kandidatur 1998, SPÖ nur 1998

Wien - SPÖ und ÖVP haben bei den bisher elf Präsidentschaftswahlen fast immer eigene Kandidaten ins Rennen geschickt. Die SPÖ verzichtete seit 1918 erst einmal darauf - und zwar 1998. Damals gab es auch keinen wirklichen ÖVP-Parteikandidaten. Denn der 1992 von der Volkspartei nominierte Thomas Klestil trat als unabhängiger Kandidat zur Wiederwahl an. Die ÖVP hatte schon 1980, beim zweiten Antreten des von der SPÖ nominierten parteiunabhängigen Rudolf Kirchschläger, auf einen eigene Kandidaten verzichtet.

Fast immer ein Duell

Wenn rote und schwarze Kandidaten sich der Wahl stellten, kam es fast immer zum Duell. Denn fünf Mal (1957, 1965, 1971, 1974 und 2004) gab es nur diese beiden Amtsanwärter. Und bei drei der vier Urnengänge mit mehreren Kandidaten kam es zur Stichwahl zwischen SPÖ- und ÖVP-Kandidaten. Nur einmal, 1963, setzte sich der SPÖ-Kandidat Adolf Schärf (bei der Wiederwahl) gleich im ersten Wahlgang gegen zwei andere Bewerber durch. Sein VP-Gegenkandidat Julius Raab war allerdings schon von schwerer Krankheit gezeichnet.

Abgesehen vom Sonderfall Klestil im Jahr 1998 - er sammelte für seinen zweiten Antritt Unterstützungserklärungen Wahlberechtigter - haben nur Kandidaten die Präsidentschaftswahl gewonnen, die von SPÖ oder ÖVP nominiert waren. Von 1945 bis 1986 war die Hofburg überhaupt fest in der Hand der Sozialdemokratie: Ihre Kandidaten gewannen die ersten sieben Präsidentschaftsurnengänge der Zweiten Republik.

1986 setzte sich erstmals ein ÖVP-Kandidat durch - und zwar Kurt Waldheim, im zweiten Anlauf, nach langen Auseinandersetzungen über seine NS-Vergangenheit. Er war der erste Bundespräsident, der auf die Möglichkeit einer Wiederkandidatur verzichtete. 1992 gewann der ÖVP-Kandidat Klestil, der 1998 auch bei seiner Wiederkandidatur erfolgreich war. Erst 2004 gelang es wieder einem SPÖ-Kandidaten, Heinz Fischer, sich durchzusetzen - und zwar gegen die erste Frau, die eine der beiden Großparteien aufstellte, gegen Benita Ferrero-Waldner.

Der Hang zum "Ausgleich"

Der den Österreichern nachgesagte Hang zum "Ausgleich" unter den hohen Staatsämtern scheint damit einmal mehr bestätigt: Während die ÖVP den Bundeskanzler stellte (von 1945 bis zur Wahl 1970), setzten sich immer die SPÖ-Präsidentschaftskandidaten durch. Dies blieb zwar auch unter der SPÖ-Alleinregierung so - aber da schickten die Sozialdemokraten den parteibuchlosen Rudolf Kirchschläger (der früher sogar einmal ÖVP-Mitglied war) ins Rennen.

Der ÖVP-Kandidat Waldheim gewann 1986 wenige Monate vor dem Ende der damaligen SPÖ-FPÖ-Koalition - gegen den SPÖ-Politiker Kurt Steyrer. Unter der danach folgenden Großen Koalition mit SPÖ-Kanzlern setzte sich Klestil durch. Und als Fischer 2004 gewählt wurde, regierte im Bund Schwarz-Blau. Das änderte sich 2006 mit der Rückkehr zur Großen Koalition wieder.

Ganz ohne Vorbild wäre aber auch eine Wiederwahl Fischers - der freilich noch nicht erklärt hat, ob er nochmals antritt - nicht. Denn 1971 gelang dem sehr beliebten Franz Jonas die Wiederwahl (gegen den ÖVP-Kandidaten Waldheim), obwohl mit der Nationalratswahl 1970 die ÖVP-Alleinregierung durch die SPÖ-Alleinregierung abgelöst worden war. (APA)

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