"Es ist der richtige Augenblick"

13. Oktober 2009, 18:06
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Österreichs erfolgreichster Rennläufer verkündete 36-jährig auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz seinen Rückzug aus dem alpinen Weltcup

Wien - Im Finale wurde der Eiserne zu seinem Bedauern weich. Die wohl vorbereiteten Worte, schriftlich festgehalten, wollten Hermann Maier am Dienstag einfach nicht über die Lippen kommen im Dachfoyer der Wiener Hofburg, vor gut einem Dutzend Kamerateams, im Blitzlichtgewitter der Fotografen. Tränen netzten die Wangen des bald 37-Jährigen, ehe er mit der Nachricht herausrückte: "Es ist nach reiflicher Überlegung, aber letztendlich doch spontan eine Entscheidung gefallen. Ich habe mich entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen und meine Karriere als Skirennfahrer mit dem heutigen Tag zu beenden."

Am vergangenen Freitag hatte Maier nach längerem Grübeln ("Ich bin leider Gottes ein Mensch, der viel nachdenkt" ) den Entschluss gefasst. Peter Schröcksnadel, Präsident des österreichischen Skiverbandes, wurde als Erster informiert. Dann Leodegar Pruschak, der Marketingdirektor von Raiffeisen. Die beiden standen Maier auch in der Hofburg bei.

"Es war die richtige Entscheidung. Er ist gesund und kann mit Glück noch fünfzig Jahre gesund leben. Das ist kein Begräbnis" , sagte Schröcksnadel. Und Pruschak schwärmte von einer Sponsor- und Werbepartnerschaft, die eine der erfolgreichsten in der Sportgeschichte gewesen sei. Maier, der in seiner Karriere finanziell ausgesorgt hat, wird weiter für Raiffeisen werben, Schröcksnadel hofft ihn in irgendeiner Funktion bald wieder im ÖSV begrüßen zu dürfen.

Doch zunächst nimmt sich Maier eine Auszeit, um zu genießen, womit er seinen Rücktritt letztendlich begründete. Er trenne sich als gesunder Mensch von seinem "Traumberuf. Mein großes Ziel war es, in gutem Zustand entscheiden zu können. Ich kann schmerzfrei jeden Sport ausüben."

Maier dankte seinen Eltern, "die einen hyperaktiven Jungen auf die richtige Bahn gebracht haben" , seinen Fans, den Trainern und Betreuern, dem ÖSV, "der spät aber doch erkannt hat, dass da ein Talent in den Bergen herumfährt" , den Sponsoren und Doktor Arthur Trost, "der öfters das Vergnügen hatte, mich von innen zu sehen". Dass er am Dienstag das Innerste nach außen kehrte, war ihm peinlich. "Aber es ist wirklich kein Begräbnis. Pfiat enk!"

Geburtsstunde des "Herminators"

Weltweite Aufmerksamkeit erlangte Maier bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano, als er nach einem spektakulären Sturz in der Abfahrt noch Olympia-Gold im Super-G und im Riesentorlauf gewonnen hatte. Als seine größte Leistung sieht Maier aber sein Comeback eineinhalb Jahre nach einem schweren Motorradunfall im August 2001. Damals war eine Zeitlang die Amputation seines arg in Mittleidenschaft gezogenen rechten Unterschenkels im Raum gestanden.

Maier avancierte trotz seines relativen Spätstarts - erstes Weltcup-Rennen am 10. Februar 1996 als 23-Jähriger - zu einem der erfolgreichsten Skirennläufer der Weltcup-Geschichte. Der Flachauer, der viermal Österreichs Sportler des Jahres war, gewann zweimal Olympiagold, dreimal siegte er bei Weltmeisterschaften. Dazu kommen vier Gesamtweltcups und  zehn Disziplinen-Siege. Seine Punkteausbeute aus dem Weltcup-Winter 1999/00, als Maier die Konkurrenz mit 2.000 Punkten weit hinter sich ließ, ist nach wie vor unerreicht.

Comeback als größter Erfolg

Einzigartig machten Maier jedoch nicht seine großen Siege, sondern eher die Geschichten dahinter. 1997 wollte er sich in Chamonix für die WM 1997 in Sestriere qualifizieren, übermotiviert stürzte er aber und brach sich das Handgelenk. Etwas mehr als einen Monat später feierte Maier im Garmisch-Super-G seinen ersten Weltcup-Erfolg. Weltbekannt wurde er durch seinen Sturz in der Abfahrt von Nagano.  Drei Tage später war Maier Olympiasieger im Super G - die Geburtsstunde des "Herminators".

Das noch viel größere Maier-Wunder nahm dann am 24. August 2001 seinen tragischen Anfang. In Radstadt verunfallte er schwer mit dem Motorrad, das rechte Bein konnte  gerade noch gerettet werden. Eine Zäsur in der Karriere des Salzburgers. Maier kehrte am 14. Jänner 2003 in Adelboden auf die Weltcup-Bühne zurück, 13 Tage später gewann er den Kitz-Super-G und wieder eineinhalb Monate später Super-G-Silber in St. Moritz. Als Krönung des Comebacks folgte der Erfolg im Gesamt-Weltcup 2003/04.

Maier trat mit 54 Siegen - 41 vor und 13 nach dem Unfall - als zweiterfolgreichster Skirennläufer aller Zeiten und mit seinen 24 Siegen in dieser Disziplin als "Mr. Super-G" ab. Ein "herausragender Lebensabschnitt" gehe zu Ende. Privat ist Maier seit mehreren Jahren mit der oberösterreichischen Ex-Leichtathletin Stefanie Sturm liiert, das Paar hat auf jeden Fall erst einmal viel mehr Zeit, die Maiersche Villa am Attersee zu genießen. (Sigi Lützow/APA/red)

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    Zuweilen von Emotionen übermannt, ...

  • ...verkündete Hermann Maier ...
    foto: derstandard.at/schamall

    ...verkündete Hermann Maier ...

  • ...weitgehend aufgeräumt seinen Rücktritt.
    foto: derstandard.at/schamall

    ...weitgehend aufgeräumt seinen Rücktritt.

  • Der "Jahrhundertsturz" von Nagano aus der Sicht eines falschen Heinz Prüller (Dorfers Donnerstalk).

     

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