Armee durch Taliban-Kampfansage herausgefordert

13. Oktober 2009, 14:21
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Bei Großoffensive in Süd-Waziristan starke Verluste befürchtet

Islamabad - Nach dem spektakulären Überraschungsangriff von Rebellen auf das pakistanische Armeehauptquartier in Rawalpindi vom Wochenende werden die Forderungen nach einer Großoffensive gegen die Taliban in deren Machtzentren an der Grenze zu Afghanistan immer lauter. Eine solche Offensive, von der zu befürchten ist, dass sie zu Winterbeginn verlustreich verläuft, stehe unmittelbar bevor, erklärte Innenminister Rehman Malik in Islamabad. Für die Aufständischen werde es "keine Gnade" geben, fügte er hinzu. Es gebe keine Alternative zu einer Offensive im grenznahen Süd-Waziristan. Schon in der Nacht auf Montag hatte die Luftwaffe mit Angriffen auf vermutete Taliban-Stellungen begonnen. Das Grenzgebiet ist schwer zugänglich, die Taliban sollen dort über annähernd 20.000 schwer bewaffnete Kämpfer verfügen.

Staatspräsident Asif Ali Zardari erklärte, der Anschlag auf das Hauptquartier der Streitkräfte werde die Regierung nicht von ihrer Entschlossenheit gegen die Aufständischen abbringen: "Wir werden unseren Kampf bis zum Tod des letzten Terroristen fortsetzen". In Shangla, einem Nachbarbezirk des Swat-Tals, wurden bei einem Selbstmordanschlag am Montag mindestens 41 Menschen getötet. Nach Militärangaben wurde die Bluttat von Süd-Waziristan aus verübt. Ein Taliban-Sprecher bekannte sich zu dem Angriff auf das Hauptquartier der Streitkräfte in Rawalpindi mit 20 Toten vom Wochenende.

Der Taliban-Sprecher Azam Tariq bezeichnete die 22-stündige Besetzung des Nervenzentrums des pakistanischen Heeres in Rawalpindi als erste Aktion einer ganzen Angriffsserie. Damit solle die Tötung des pakistanischen Taliban-Führers Baitullah Mehsud bei einem US-Raketenangriff im August gerächt werden, sagte Tariq telefonisch der Nachrichtenagentur AP. Rawalpindi sei "unsere erste kleine Anstrengung und ein Geschenk an die pakistanische und amerikanische Regierung" gewesen. Der Angriff sei von einer Gruppe der Taliban aus der Provinz Punjab ausgeführt worden, und die Taliban hätten alle Zellen im Land zu ähnlichen Bluttaten angewiesen.

Bei dem Angriff auf einem Markt am Montag in Shangla handelte es sich nach Polizeiangaben um einen Autobombenanschlag. Der Selbstmordattentäter habe mit seinem mit Sprengstoff beladenen Auto ein Militärfahrzeug anvisiert. Unter den 41 Toten seien sechs Sicherheitsbeamte. 45 Menschen seien verletzt worden. In der Region galten die Taliban nach einer mehrmonatigem Regierungsoffensive im Swat-Tal als niedergerungen.

Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen soll es sich bei dem Attentäter um einen etwa 15 Jahre alten Jugendlichen gehandelt haben, der zu Fuß unterwegs war. Ein örtlicher Polizeisprecher sagte, die am Körper des jungen Mannes befestigte Bombe habe mehrere Kisten Munition auf den Militärfahrzeugen zur Explosion gebracht. Vor allem deshalb habe es so viele Opfer unter den Passanten gegeben. Der Anschlag war die vierte spektakuläre Operation der Aufständischen innerhalb einer Woche gewesen. Am Samstag hatten die Taliban das schwer bewachte Hauptquartier der Armee in der Garnisonsstadt Rawalpindi bei Islamabad attackiert und Dutzende Menschen in einem Gebäude festgehalten. Nach 22 Stunden beendeten Spezialeinheiten die Geiselnahme. Nach Angaben des Militärs wurden bei der Terroraktion 20 Menschen getötet, darunter neun Angreifer und acht Sicherheitskräfte. Am Freitag hatte ein Selbstmordattentäter auf einem Markt in der nordwestpakistanischen Millionenstadt Peshawar mehr als 50 Menschen mit in den Tod gerissen. Am Montag vergangener Woche waren bei einem Selbstmordanschlag in Islamabad fünf Angestellte des UNO-Welternährungsprogramms WFP getötet worden. (APA/AP)

 

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