Kampf um die Gemeindefinanzen

14. Oktober 2009, 16:55
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Mit "Raiffeisen Public Finance" startet die RZB eine Offensive in dem bisher heiß umkämpften Markt, der sich aber gerade völlig neu strukturiert

Das Geschäft mit Gemeindefinanzierung steht vor einem Umbruch: Nach dem Kollaps der österreichischen Kommunalkredit und den Turbulenzen bei europäischen Branchenriesen (etwa bei der französischen Dexia, die auch an der Kommunalkredit beteiligt war, sowie der Münchner Hypo Real Estate) werden die Karten gerade gründlich neu gemischt.

Die Raiffeisen Bank, deren Marktanteile in diesem Segment in den letzten Jahren auf nunmehr rund zehn Prozent zurückgingen, weil man "diesen Konditionen-Kampf nicht mitgemacht" habe, will die Gunst der Stunde nutzen und sich in diesem Segment neu positionieren. "Raiffeisenbanken gibt es in Österreich mehr als Postämter", konstatierte RZB-Firmenkundenvorstand Karl Sevelda - und da sei es nur logisch, dass man dieses enge Filialnetz nützen und zum ersten Ansprechpartner für Bürgermeister und Finanzreferenten der Gemeinden werden will.

Marktanteile sichern

Diese Woche startet die Raiffeisen-Gruppe deshalb die "Kommunal-Offensive". Sevelda will heuer im Neugeschäft mit dem öffentlichen Sektor ein Volumen von 500 Millionen Euro erreichen, 2010 sollte es bereits eine Milliarde sein. Der Marktanteil soll dann 30 Prozent erreichen.

Weil Kommunaldarlehen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, wollen aber immer mehr Banken in diesem Bereich aktiv werden. Die Bawag hat etwa im Sommer bekannt gegeben, die Bemühungen um die Länder, Städte und Gemeinden mit einer "Kommunal-Milliarde" verstärken zu wollen. "Indem wir den Ausbau der Infrastruktur unterstützen, forcieren wir eine positive Wirtschaftsentwicklung", so Vorstandsdirektorin Regina Prehofer. Der Bedarf sei hoch, im ersten Halbjahr wurden von der Bawag 250 Projekte mit einem Volumen von rund 250 Millionen Euro durch Darlehen finanziert. Verwendet wurden die Mittel zu 43 Prozent für Abwasser, 31 Prozent entfielen auf Schulen, 11 Prozent auf Altersheime, Straßenbau, Freizeitanlagen und Gemeindezentren.

Darlehen, Leasing, Contracting, PPP

Basisprodukt im RZB-Kommunalpaket ist das "klassische Kommunaldarlehen" der jeweiligen lokalen Raiffeisen-Niederlassung, die auch die gesamte Betreuung übernehme. Daneben bietet man aber auch die Abwicklung "maßgeschneideter" Lösungen an, etwa Leasing-, Contracting- oder Public-Private-Partnership-Modelle. Auch der österreichische Gemeindebund - obwohl Mini-Aktionär in der seit Ende 2008 verstaatlichten Kommunalkredit - wolle mit Raiffeisen zusammenarbeiten, sagte Sevelda.

Die Offensive findet bundesweit statt, der Schwerpunkt liegt aber in Niederösterreich, nicht zuletzt wegen der Stärke der Raiffeisen-Bank in diesem Bundesland, so der Firmenkunden-Vorstand. Neben der Kommunalkredit, die nun wieder "vernünftig preist" (Sevelda), soll damit vor allem den Landes-Hypos und - siehe oben - der Bawag PSK Konkurrenz gemacht. Für Raiffeisen sei diese Aktivität "naheliegend", weil man in praktisch jeder der mehr als 2.300 Gemeinden Österreichs mit einer Raiffeisenbank vertreten sei. Und zwischen Bank- und Gemeindeführung herrsche meist ein enger Austausch, nicht zuletzt seien auch viele Raiffeisen-Mitarbeiter in den Regionen in den jeweiligen Gemeindevertretungen aktiv.

Refinanzierung über Anleihen

Zur Refinanzierung der Aktion wurde von der RZB bereits Ende Juli ein so genannter "Covered Bond" ausgegeben, also eine Anleihe (mit fünfjähriger Laufzeit), die mit Forderungen - diesfalls gegen Gemeinden - besichert ist. "Forderungen gegen Kommunen gelten als besonders ausfallsicher und sind deshalb mit null Eigenkapital zu unterlegen", erklärte Sevelda. Die Emissionsvolumen der ersten Anleihe lag bei 300 Millionen Euro, bis Jahresende ist eine weitere Emission geplant.

Der Raiffeisen-Banker äußerte bei einem Pressegespräch am Dienstag auch die Zuversicht, dass das "Preisdumping" und das "mitunter auch unehrliche Spiel mancher Mitbewerber", mit nur scheinbar langfristigen Finanzierungen, der Vergangenheit angehören möge.

Zwei-Milliarden-Kuchen

Österreichs Städte und Gemeinden (ohne Wien) investieren jährlich rund zwei Milliarden Euro in Infrastrukturprojekte, in der aktuellen Wirtschaftskrise ist das Volumen leicht rückläufig. Wie sich dieser kleiner werdende Kuchen auf die wachsende Zahl an Mitbewerbern verteilen wird, bleibt abzuwarten.

Dass die RZB der Kommunalkredit für den Fall, dass die strauchelnde Bank von Raiffeisen übernommen wird, mit der Offensive ein "warmes Nest" bereite, wollte Sevelda am Dienstag übrigens so nicht gelten lassen. Derzeit bestehe keinerlei Absicht, die Kommunalkredit zu kaufen, und er wisse auch nicht, ob die Bank derzeit verkäuflich sei. Aber "anschauen würden wir sie uns selbstverständlich schon".

Märkte "annähernd normalisiert"

Mit Blick auf den gesamten Banken-Sektor merkte Sevelda an, dass sich die Märkte bereits annähernd normalisiert hätten. Es sei mit Sicherheit kein neues Banken-Paket mehr nötig, auch wenn das nächste Jahr für die heimischen Banken wegen teilweise sehr präkerer Lage ihrer Kunden noch "zäh" werden dürfte. Eine Pleitewelle sei nicht zu erwarten, der eine oder andere große Ausfall hingegen schon. Ganz allgemein sei die Risiko-Situation der Banken aber "immer noch sehr gut", es gebe "unwesentlich mehr Ausfälle" als in Jahren der Hochkonjunktur. (Martin Putschögl, derStandard.at, 14.10.2009)

  • Schulen, Kindergärten, Altersheime, Gemeindezentren - der Bedarf an Investitionen in den Städten und Gemeinden ist nach wie vor sehr hoch.

    Schulen, Kindergärten, Altersheime, Gemeindezentren - der Bedarf an Investitionen in den Städten und Gemeinden ist nach wie vor sehr hoch.

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