Polizist sah "Bedrohungsgebiet"

13. Oktober 2009, 13:43
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"Falter" zitiert aus Einvernahmeprotokollen mit den Beamten - Schütze: " Es war nicht mehr aufzuhalten"

Im Fall des von der Polizei in einem Kremser Supermarkt erschossenen mutmaßlichen Einbrechers verfügt die Wiener Stadtzeitung "Falter" über die Einvernahmeprotokolle mit den beiden Beamten, gegen die wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen ermittelt wird. Demnach fühlte sich die Polizistin "existenziell" bedroht, als sie den Jugendlichen gegenüberstand, wie der "Falter" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Der Polizist, der Florian P. erschoss, will befürchtet haben, vom 14-Jährigen angegriffen zu werden.

"Ich sah Entschlossenheit, Aggression, Zorn, Ernst. Den Ausdruck der Augen vergesse ich nicht", gab die Frau zu Protokoll, die seit 14 Jahren bei der Polizei tätig ist. Sie habe daher von ihrer Dienstwaffe Gebrauch gemacht. Die Beamtin schoss dem 17 Jahre alten Roland T., der mit seinem jüngeren Freund in den Supermarkt eingedrungen war, aus einer Entfernung von sieben Metern in die Oberschenkel.

Schon zuvor hatte ihr Kollege die Waffe gezückt und einen Warnschuss abgegeben, weil seinen Angaben zufolge "das Bedrohungsgebiet da war".

Der Polizist folgte dann dem flüchtenden 14-Jährigen von einem dunklen Gang in den hell erleuchteten Verkaufsraum des Supermarkts, wo er Florian P. zwischen Paletten stellte und auf diesen schoss. Der 14-Jährige wurde im Rücken getroffen und starb an den Folgen eines Lungendurchschusses.

"Nicht mehr aufzuhalten"

"Die Schussabgabe war aufgrund des Angriffs, der befürchtet war, beziehungsweise zur Erzwingung der Festnahme, also nie, dass der Täter auf der Flucht war, also das möchte ich schon betonen. Es ist alles relativ schnell gegangen. Es war nicht mehr aufzuhalten", zitiert der "Falter" aus der Einvernahme des Schützen.

Roland T. versicherte demgegenüber den Kriminalisten, es habe keinen Angriff auf die Polizisten gegeben. "Wir sprangen auf und liefen davon", zitiert der "Falter" den 17-Jährigen. Den Schraubenzieher, mit dem er nach Angaben der Polizisten auf diese losgehen wollte, habe er bei der Begegnung mit den Uniformierten ebenso eingesteckt gehabt wie Florian P. eine Gartenharke.

Wie die Wochenzeitung berichtet, habe Roland T. den Schraubenzieher mit gehabt, um damit den Tresor des Supermarkts aufzubrechen. Der 17-Jährige habe bei dem Einbruch von einer Beute von 100.000 Euro geträumt und damit mit seiner Freundin ein neues Leben beginnen wollen. Der Anwalt der beiden Polizisten, Hans-Rainer Rienmüller, war vorerst nicht erreichbar. (APA)

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